Wirtschaftswetter         Bild Wirtschaftswetter-Themen, Link Wirtschaftswetter-Werbung


Interview mit Prof. Dr. Ulrike Detmers

die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz

Am 31. März dieses Jahres überreichte sie den "Mestemacher Preis Spitzenvater des Jahres" an gleich zwei Väter, die sich der Kinderziehung widmen und eine in Deutschland noch eher selten anzutreffende partnerschaftliche Lebensweise pflegen. Doch nicht nur diese Auszeichnung, dessen Schirmherrschaft Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen übernommen hat, ist außergewöhnlich. Regelmäßig zeichnet die Großbäckerei Mestemacher auch die "Managerin des Jahres" und den "Kindergarten des Jahres" aus. Das runde Konzept der Preise, das sich zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bekennt, hat Prof. Dr. Ulrike Detmers entwickelt und umgesetzt. Die hauptamtliche Professorin der Betriebswirtschaftlehre an der Fachhochschule Bielefeld ist Mitgesellschafterin und wissenschaftliche Beirätin der Mestemacher-Gruppe. In einem Kurzinterview beantworte sie unsere Fragen.

Wirtschaftswetter: Frau Professor Detmers, wie kamen Sie und das Unternehmen Mestemacher auf die Idee die Preise für die Managerin, den Kindergarten und für den Spitzenvater des Jahres zu vergeben?
Professor Detmers: Anlässlich meiner Forschungen im Bereich „Frau und Beruf“ und meiner persönlichen Erfahrungen mit den Problemen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Kooperations- und Hilfsbereitschaft meines Mannes bei der Erziehung unserer Kinder sind die Projekte von mir konzipiert worden. Mein Gesellschafterstatus hat die Finanzierung der sozialen Projekte erleichtert.

Wirtschaftswetter: Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung, welche Hürden hatten Sie zu nehmen?
Professor Detmers: Da ich Einfluss und Leitungskompetenz besitze, war die Zeitspanne zwischen der Geburt der Ideen, der konzeptionellen Ausarbeitung und der Durchführung relativ kurz. Planung, Entscheidung und Durchführung haben jeweils etwa ein halbes Jahr gedauert.

Wirtschaftswetter: Die inhaltlichen Schwerpunkte der drei von Mestemacher verliehenen Preise sind unterschiedlich angelegt. Was haben "Managerinnen" mit "Kindergärten" und "Spitzenvätern" zu tun?
Professor Detmers : Die Projekte sind integriert in den Zielkatalog „Chancengleichheit und Gleichberechtigung“. Die Unterrepräsentanz von Top-Managerinnen resultiert aus Vorurteilen und historisch gewachsenen Männerbünden und -seilschaften. Top-Managern fehlt in der Regel die Erfahrung mit einer berufstätigen Ehefrau und mit männlichen Angestellten, die Beruf und Familie vereinbaren wollen. Der „Mestemacher Preis Spitzenvater des Jahres“ will deshalb die Vaterrolle wesentlich relevanter darstellen.

Wirtschaftswetter: Welche Wirkung - abgesehen von der positiven für die Preisträger - hat das Projekt bisher auf das Unternehmen Mestmacher erzielen können?
Professor Detmersr: Das konsequente Engagement einer Großbäckerei für die Gleichstellung und Chancengleichheit von Frau und Mann hat anfangs Arbeitgeber und Politiker irritiert. Inzwischen bekomme ich freundliche Briefe von verschiedenen Ministerpräsidenten. Vor wenigen Tagen hat mir der Büroleiter des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg anlässlich unserer Einladung zur 5. Verleihung des Mestemacher-Preises "Managerin des Jahres" in dessen Auftrag geschrieben.

Wirtschaftswetter: Klassisches Sponsoring für Unternehmen ist auch heute noch vorwiegend als Kultur- oder Sportsponsoring bekannt. Steigen nach Ihren Beobachtungen Unternehmen gegenwärtig verstärkt in das Sozial-Sponsoring ein oder eher aus?
Professor Detmers: Ja, schon, aber nicht selten, um für werbliche Zwecke zu instrumentalisieren.

Wirtschaftswetter: Ist mit solch einem bestimmten Statement - zum Beispiel mit dem Bekenntnis zur Erziehungsleistung von Vätern oder für eine geschlechterdemokratische Erziehung in Kindergärten durch zwei der drei Mestemacher-Preise - nicht immer auch das Risiko vorhanden, bestimmte Kundengruppen zu verlieren, die sich diesem Statement nicht anschließen wollen?
Professor Detmers: Nein.

Wirtschaftswetter: Mestemacher verbindet in seinen Marketingaktivitäten die Themen Fitness (berufliche, wirtschaftliche) und Gleichstellung von Männern und Frauen. Ist das eine ohne das andere in einer Leistungsgesellschaft nicht machbar?
Professor Detmers: Beides korreliert. Die körperliche Energie und die Gesundheit sind wichtige Voraussetzungen, um Mehrbelastungen auszuhalten.

Wirtschaftswetter: Wie denken Sie die über die aktuelle Diskussion um die sogenannten Vätermonate beim geplanten Elterngeld? Kritiker halten der Bundesfamilienministerin vor, mit den Vätermonaten werde in die private Lebensführung von Familien eingegriffen. Andere befürchten, die zwei Monate, die der väterlichen Betreuung vorbehalten sein sollen, seien auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt nicht machbar. Was denken Sie?
Professor Detmers: Das Erziehungsgeld ist ein Instrument, das zur Zäsur der traditionalistischen Familienpolitik beiträgt. Es ist einer von vielen richtigen Schritten.

Wirtschaftswetter: Unsere letzte Frage: Was raten Sie kleinen und mittleren Unternehmen, die ins soziale Marketing einsteigen möchten, wie und wo sie anfangen sollen?
Professor Detmers: Identität mit den sozialen Aktionen ist unabdingbare Voraussetzung. Finanzielle Ressourcen werden benötigt, wenn das Engagement keine Eintagsfliege bleiben soll. Planungssicherheit und Verlässlichkeit sind vonnöten. Ich arbeite ehrenamtlich und habe die Forschung aufgegeben, damit ich neben meiner hauptamtlichen Professur die sozialen Aktionen durchführen kann. Der Zeitaufwand ist sehr groß. In kleinen und mittleren Unternehmen müsste der intellektuelle Kopf finanziert und beschafft werden.

Wirtschaftswetter: Frau Professor Detmers, vielen Dank für dieses E-Gespräch.

Weitere Informationen: www.mestemacher.de

2006-06-02 by Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz

back to: Themen 

wirtschaftswetter

Kontakt: info@wirtschaftswetter.de
© 2003-2017Wirtschaftswetter Online-Zeitschrift