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Kleiner Wähler, was nun?

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

von Juliane Beer

Am kommenden Sonntag finden im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) die mit Spannung erwarteten Landtagswahlen statt, deren Ausgang auch einen Einfluss auf die Bundespolitik haben dürfte. Ackerte man sich dieser Tage durch die Presse und zahlreichen Radio- und TV-Sendungen zur NRW-Wahl, drängte sich der Eindruck auf, dass aktuelle Beschlüsse und Maßnahmen der Regierenden von der Allgemeinheit derzeit eher abgelehnt werden.

Eines der umstrittesten Themen: Deutschland in Afghanistan - die Unsicherheit, was dabei herauskommen soll, beschäftigt viele, kaum jemand glaubt noch fest daran, dass militärische Mittel Demokratie erzwingen können. Die Atomkraft ist ein genauso heißes Eisen und enthüllt einen weiteren großen Graben zwischen den Auffassungungen der Regierenden und den Regierten, die fürs Abschalten sind - möglichst schnell. Geld sollte, so heißt es fast unisono landauf, landab in Talkshows, Meinungsforen und Experteninterviews lieber in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden. Nicht nur die Branchenvertreter aus eigenem Interesse heraus, sondern auch der Mann und die Frau auf der Straße erhoffen sich dadurch nicht zuletzt die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und der atomare Abfall - ohne Aussicht auf eine sichere, letzte Ruhestätte - macht laut Medienberichten den meisten nur noch Angst.

Die nächste Dauerbaustelle, der Arbeitsmarkt wird auch nicht unbedingt positiver gesehen: Dass Firmenabwanderungen in Länder, in denen statt Gehalt lediglich ein symbolischer Obolus gezahlt werden muss, steigende Arbeitslosigkeit, und Löhne von drei Euro und weniger unter anderem die Verwahrlosung ganzer Stadtteile mit sich bringen, hat sich mittlerweile herumgesprochen, genauso, dass die Regierenden damit nicht fertig werden.
Viele potenzielle Wähler schämten sich außerdem für einen von Steuergeldern finanzierten Hotelfachmann, der Erwerbslose beschimpfte und diejenigen lobte, die für Hungerlöhne arbeiteten, die indes auf einen Euro mehr in ihrer Tasche wohl vergeblich hoffen. Das Beste wäre sowieso, so ist man sich in TV- und Radio-Talkrunden weitesgehend einig, wenn die Verursacher der Finanzkrise die Welt wieder in Ordnung bringen müssten.

Gleich loslegen sollten hierbei die Banken - und die Milliarden fürs hoch verschuldete Griechenland und deren High-Life locker machen, heißt es am Stammtisch, auf der Straße und in den Kommentaren, nicht wenige Experten schließen sich dem an. Geradezu als unverschämt wird es empfunden, wenn jetzt schon wieder der Steuerzahler herangezogen werden sollte, wo er doch gerade erst die Banken gerettet hat, und zwar so erfolgreich, dass das globale Casino längst wieder geöffnet hat.
Man wünscht sich endlich wieder Gerechtigkeit her - und gleichzeitig vor- und zurück in bessere Zeiten: Die unguten Entwicklungen der letzten zehn Jahre müssten gestoppt werden, hört man viele rufen und schreibt so mancher Leserbrief. Denn, wenn das alles so weiterginge - ein böses Ende würde es nehmen.

Und dieses abzuwenden, traut man, wenn überhaupt, lediglich den ewig gleichen Regierenden zu.


2010-05-06 Juliane Beer
Text: © Juliane Beer
Illu: ©aph
Fotos Themenbanner: ©Cornelia Schaible

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