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Pass auf die Haie auf

Buchbesprechung
von Jutta Wilke

Es kam heute mit der ganz normalen gelben Post, das Buch "Flaschenpost für Papa" von Hubert Schirneck.Ich hatte schon sehnsüchtig darauf gewartet, weil mich - als bekennende Meereshexe - allein der Titel total neugierig gemacht hat.
Als das Buch da war, habe ich es geschnappt, mich im Schlafzimmer eingeschlossen und ich bin erst wieder herausgekommen, als ich es durchgelesen hatte. Der Titel hat mir nicht zu viel versprochen. Flaschenpost für Papa ist ein wunderschönes Kinderbuch für Kinder ab 9 Jahre und hat zu Recht im Jahr 2005 den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis gewonnen.

Um was es in dem Buch geht? Um ein Mädchen, das Briefe mit der Flaschenpost verschickt. Um eine Mama, die Fachärztin für ungewöhnliche Krankheiten ist, eine Giraffe im Garten, die an den Bäumen der Nachbarn knabbert, einen Mann, der die Lachkrankheit hat und sie nicht mehr los wird. Das reicht. Alles will ich ja schließlich nicht verraten.

Hanna hat Sehnsucht nach ihrem Papa, der sich als Meeresforscher drei Monate im Indischen Ozean aufhält. Drei Monate sind lang, wenn man nicht miteinander telefonieren kann und es auch kein Postamt gibt, das mitten auf dem Meer Briefe zustellt. Doch da hat Hanna die Idee mit der Flaschenpost.
Das hat den Vorteil, dass man keine Briefmarke braucht und auch keinen Briefumschlag. Leere Flaschen haben wir Keller, und den Korken habe ich von Mama.

Ab sofort schreibt Hanna ihrem Papa lange Flaschenpost-Briefe, die der Fischer Janssen für sie mit hinaus auf die offene See nimmt, wo er sie in die Strömung wirft. Hanna erzählt in ihren Briefen alles, was sie erlebt, dabei hat sie den festen Vorsatz, in jedem Brief mindestens auch eine lustige Sache zu erzählen. Oft merkt Hanna erst beim Schreiben, dass die lustigen Sachen manchmal gar nicht lustig sind und dass auch sonst so manches in ihrer Welt durchaus verbessert werden könnte.

Durch das Schreiben fängt Hanna an, über die großen und kleinen Probleme ihres Alltags nachzudenken und nach Lösungen zu suchen. Manchmal gelingt ihr das gut und sie weiß sich prima zu helfen, manchmal aber fühlt Hanna sich auch ganz klein und wünscht sich sehnlich ihren Papa zurück. Zum Beispiel, als sie nicht in der Fußballmannschaft mitspielen darf, weil sie ein Mädchen ist, oder als die Polizei vor der Tür steht, weil die Nachbarn sich über die Giraffe in Hannas Garten beschwert haben. Zum Glück schafft Hanna es, die Polizei abzuwimmeln. Aber darf man die Polizei überhaupt anlügen? Und kann die Polizei ihnen tatsächlich die Giraffe wegnehmen? Täglich entdeckt Hanna neue Rätsel, über die es sich lohnt, nachzudenken.

Es gibt Tage, an denen passiert rein gar nichts. In der Schule ist es langweilig, Karoline stellt nichts an, und es fällt kein Komet auf die Erde. Kennst du das: Man hat den ganzen Tag etwas zu tun, und trotzdem ist einem langweilig. Das ist ein Rätsel.

Hanna wird zur Arzthelferin für Mama, zur Erfinderin, zur Worterfinderin, und sie überlegt, ob sie nicht besser eines Tages Lehrerin werden sollte, um den Menschen das Blödsinn machen beizubringen.

Und endlich, endlich kommt Papa wieder nach Hause und Hanna steht am Fenster und... aber das wird hier nicht verraten.

Mit Flaschenpost für Papa ist Hubert Schirneck ein wunderbar warmherziges Kinderbuch gelungen, das Mut macht, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen, das Lust macht am Um-die-Ecke-denken und auch daran, einfach mal Blödsinn zu erfinden. Kurz: Eine Flaschenpost, die anregt, auch einmal gegen den Strom zu schwimmen. Dass das zum Erfolg führen kann und nicht immer gefährlich sein muss, macht uns Hanna vor. Vorausgesetzt, man beherzigt die Regel, die Hanna am Schluss ihrer Briefe dem Leser nahelegt: Pass auf die Haie auf!

Flaschenpost für Papa
von Hubert Schirneck
ISBN 3-85326-278-3
erschienen im Residenz Verlag


2010-07-30 Jutta Wilke
Text: © jutta.wilke@wirtschaftswetter.de
Fotos Themenbanner: ©aph

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