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Null Bock

Auf in den Herbst und Winter

von Angelika Petrich-Hornetz

Bild Die Frisur im Herbst und WinterIn schönster Regelmäßigkeit stellt sich nach endlos langen Sommermonaten dann doch wieder die Sehnsucht nach Herbst ein, der mit frischer Luft, folglich Durchatmen und außerdem mit einem extremen Mangel an lästigen Insekten einhergeht.

In schönster Regelmäßigkeit? Nicht so dieses Jahr. Bereits im aktuellen Wettergrau verziehen sich die Mienen zu einem missmutigen Nein-Danke!, obwohl die Temperaturen noch mäßig sind. Wie sich das Einzheitsgrau wohl erst im November bei nasskalten Null Grad anfühlen wird?

Kein Wunder über soviel Missvergnügen. Schließlich war es in Deutschland weitesgehend flächendeckend auch schon vergangene Woche grau und auch in der davor und in den den ersten beiden Septemberwochen und in den letzten beiden und den ganzen August lang - lediglich aufgelockert durch stunden- oder gleich tagelangen Starkregen, mit und ohne Sturm. Von den einzelnen Tornados und den vielen Überschwemmungen wollen wir lieber gar nicht erst anfangen zu reden.

Zuvor, im Juli wurde Deutschland dafür ordentlich durchgekocht, bei 32 bis 39 Grad Ober- und Unterhitze auf mittlerer Schiene. Selbst die Gewässer boten da innerhalb kürzester Zeit keinerlei Abkühlung mehr.
Dabei hatten die meisten Bundesbürger ihre Heizungen frühestens erst zum kalendarischen Sommeranfang abstellen können, so kühl zeigten sich zunächst die angeblich schönsten Wochen des Jahres. Im August wurden die Heizungen gleich wieder angeworfen. Durchgekocht und weichgewaschen stolpern wir nun in die kalte Jahreszeit. Gute Vorbereitung sieht wahrscheinlich anders aus.

Wer weiß, ob nicht gerade das auch einen Einfluss auf die jüngsten Umfragen hatte, bei der die Hälfte der befragten Deutschen angaben, sie hätten Angst vor der Zukunft. Schließlich könnte es wieder eine eiskalte werden.
Derweil liest die Frau neben mir im Zug laut aus ihrer Zeitung vor: "Kartoffelfest!" gibt sie geradezu empört ihren Mitreisenden bekannt und schlägt das Blatt gleich wieder zu. Schon ist die offenbar allgemeine und gesammelte Unlust auf Pflaumen, Kürbisse, Kastanien, Kartoffelfeste und Zwiebelkuchen wieder Gesprächsthema.

Im Supermarkt ein ähnliches Bild: Der Gesichtsausdruck der Angestellten hat sichtbar mehr mit Arbeitsverweigerung als mit Vorfreude zu tun. Pikiertes Naserümpfen, missbilligend heruntergezogene Mundwinkel und lustlos hängende Schultern verweisen seufzend auf die bereits in der zweiten September-Hälfte angelieferte Weihnachtsware, die kein Mitarbeiter auch nur im Mindestens anzupreisen gedenkt. Gekauft werden die Kekse trotzdem. Die Zukunft für die Mitarbeiter: Bald wird das Weihnachtsgedudel wieder täglich durch die Lautsprecher gejagd und gnadenlos bis Weihnachten durchexerziert - also über Monate, jeden Tag und stundenlang ertragen werden müssen.

Draußen sieht es auch nicht besser aus. Die ersten Schnupfenviren zeigen, was sie können. Es lacht die Praxisgebühr. Die ersten Impfempfehlungen geisterten gemeinsam mit der Weihnachtsware durch die Öffenlichtkeit des nur noch so genannten Spätsommers. Da setzt sie auch püntklich wieder ein, die Erinnerung an den Winter des Vorjahres, die weniger mit Weihnachtkeksen und heimischer Gemütlichkeit als mit dreißig Zentimeter dicken Eisschichten auf Straßen und Wegen zu tun hat. Niemand hat Interesse an einer Wiederholung.

Bild InselIm Gegenteil, man ist sich einig. Bis auf ein paar notorische Kinder, die glatt schon wieder anfangen, vom Schlittenfahren und Eislaufen zu träumen, wünschen sich alle eine, wenn auch noch so winzige Wiederauflage des Sommers. Besonders willkommen wäre natürlich ein ganzer goldener Oktober. Auf Rang zwei liegen ein, zwei Wochen Spätsommer. Zuletzt bleibt nur noch der Wunsch nach wenigstens ein paar Tagen Sonnenschein übrig, der Gesicht und Seele streichelt. Hach!

Die Reiseveranstalter müssen gar nicht mehr werben. Das Wetter hat die Werbe- und Marketingabteilungen der Touristikindustrie längst übernommen, die Herbstferien sind ausgebucht, in den Winterferien kaum noch etwas zu bekommen. Am schönsten ist es zu Hause? Von wegen! Nichts wie weg hier!


2010-10-01 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos Themenbanner: ©aph
Illustrationen: ©aph

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