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Deutschland spart

oder doch nicht?

von Angelika Petrich-Hornetz

Money, Money Der Verband der deutschen Banken meldete im ausklingenden März 2007, die Deutschen sparten soviel wie nie. Das Geldvermögen privater Haushalte erreichte eine neue Rekordhöhe von 4401 Milliarden Euro oder 4,4 Billionen Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 4182 Milliarden Euro und im Jahr 2003 nur 3900 Milliarden gewesen.
Mit dem Geldvermögen privater Haushalte sind Bankeinlagen (Bargeld, Spareinlagen, Sparbriefe, Termingelder etc.), Bausparguthaben, fesverzinszliche Wertpapiere, Versicherungen, Fonds, Aktien etc. gemeint.

Die Sparquote indes bezeichnet die jährliche Ersparnis in Prozent des verfügbaren Einkommens. Und diese fällt eventuell nach einem kürzeren Intermezzo konitinuierlich zurück: 1991 lag die Sparquote noch bei 12,9 Prozent, sank dann auf ihren Tiefststand im Jahr 2000 bsi 9,2 Prozentpunkten, kletterte bis 2005 auf 10,7 Prozent und lag im Jahr 2006 mit bei 10,5 Prozent wieder leicht darunter. Für 2007 rechnete die Bundesregierung in ihrem Wirtschaftsbericht mit 10,4 Prozent. In den 80er sah die Sparquote der privaten Haushalte mit rund 13 Prozent und in den 70er Jahre mit über 14,5 Prozent im Durchschnitt deutlich anders aus. Offenbar hatte man mehr Geld vom Einkommen übrig zum Sparen. Auch die Nettoinvestitonen der privaten Haushalte, vor allem in den Wohnungsbau, lagen 1995 noch bei 80 Milliarden Euro, zehn Jahre später, 2005, waren es noch 30 Milliarden Euro.

An dem bislang wachsenden Geldvermögen konnten nicht alle Haushalte gleichermaßen teilnehmen. Trotzdem wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die seit 1992 steigende Sparquote sowie das wachsende Geldvermögen auf vermehrtes Ansparen zur privaten Altersvorsorge sowie aus Angst wegen sich schwach entwickelnder Einkommen zurückzuführen sei. Volkswirte interessieren sich indes weniger für Schwankungen, ob der Bürger 2005 vielleicht aus Angst oder 2007 wegen wachsender Zuversicht etwas mehr oder weniger seines Einkommens spart, sondern u.a. wie sich Geldvermögen und Sparquoten in längeren Zeiträumen entwickeln und sich auf die ganze Gesellschaft auswirken.

Anfang des Jahres 2005 warnte das McKinsey Global Insitute (MGI) vor einer Verlangsamung des wachsenden Geldevermögens in Deutschland und datierte das Einsetzen dieses schleppenderen Anstiegs des Nettogeldvermögens (Wert des Geldvermögens abzüglich Verbindlichkeiten) auf das Jahr 2015. Bis 2024 soll es dann immer geringer wachsen, was in Summen ein paar fehlende Billionen Euro ausmacht und sämtliche alternden Industriestaaten betreffen werde. Dies habe Auswirkungen, auf den privaten Konsum und auf das Wirtschaftswachstum der betroffenen Volkswirtschaften, so das Institut vor fast genau zwei Jahren. Das starke Wachstum des Geldvermögens in den letzten Jahren sei nämlich vorwiegend von ZinsesZinsen und Kursgewinnen verursacht. Die Einkommen dagegen stiegen im gleichen Zeitraum weitaus geringer.

In Folge der alternden Gesellschaft werde eine dramatische Veränderung des Sparverhaltens einsetzen prognostizierte MGI und eröffnete 2005 damit auch den privaten Vorsorgern keine allzu rosigen Aussichten, denn die Erträge aus Finanzanlagen werden deutlich sinken. Der Vermögensaufbau, der bisher traditionell gleich nach Haushaltsgründung einsetzt, wird für die nächsten Jahrgänge immer schwieriger und dann wird auch Kapital teurer, private Haushalte sind die größten Nettokapitalgeber, das Geld fehlte für Investitionen.

Mitte dreißig bis Mitte fünfzig, insbesondere zwischen dem 45. bis 46. Lebensjahr wird in Deutschland das meiste Geld gespart. Danach sinken die Spareinlagen der ab End-Fünfziger stark ab. Von den Haushaltstypen sparen am meisten Paare mit Kindern. Das McKinsey-Institut schlug als Gegenmaßnahmen, also zwei Jahre vor dessen Einführung, eine Erhöhung des Renteneintrittsalters vor, außerdem Anlagen mit hohen Renditen, um den negativen Trend zu stoppen. Die Zeit rennt. Mehr Kinder werden erst in ein paar Jahrzehnten Wirkung zeigen, ähnlich eine wachsende Zahl von Immigranten.

Goldsack oder Geldsack?Deutschland spart. Es spart in Sparbüchern und es spart Kinder, es verlangt von einwandernden Unternehmern eine Million Euro, zehn Arbeitsplätze und einen Deutschkurs, aber bitte nicht älter als 45 Jahre. Damit spart Deutschland falsch. Es muss gewinnbringender anlegen, es sollte nicht bei seinen (künftigen) Leistungsträgern, nicht bei Einkommen, Arbeitnehmern und Unternehmern und nicht bei Bildung sparen. Die Quadratur des Kreises. Das Jahr 2024 ist bisher noch nicht das offizielle Ende der Bundesrepublik Deutschland, also lohnen sich kurz-, mittel- und langfristige (Spar- und Investitions-)Pläne und Ideen - und die entstehen in Köpfen.


2007-03-29 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Illustrationen: © Angelika Petrich-Hornetz
Quellen: Bundesamt für Statistik, McKinsey
Foto Themenbanner: © Angelika Petrich-Hornetz

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