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Digitaler Gründergeist

Statt Absturz, Neustart für die Computermesse CeBIT

von Annegret Handel-Kempf

Computer-BildschirmeVon Internet-Telefonie bis zum mobilen Fernsehen stand die modebewusste, digitale Welt im Mittelpunkt der neu gestalteten IT-Ausstellung.

Erst Runterfahren und dann neu Starten, lauteten die Ansagen ans Funktionsgefüge der CeBIT 2007 die vom 15. bis 21. März in Hannover stattfand: Gebeutelt von Absagen vieler Großer der Mobilfunk- und Unterhaltungselektronik, war für die Deutsche Messe AG mit rund 6000 Ausstellern, nach dem Spitzenstand von 7800 Unternehmenspräsentationen im Jahr 2000, ein vorläufiger Tiefpunkt erreicht. Immer mehr der einstigen CeBIT-Stammkunden bevorzugen die neuerdings jährliche Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin im Herbst, beziehungsweise die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas am Jahresanfang. So manche Aussteller haben auch nach der bedeutendsten Telekommunikationsmesse, der 3GSM in Barcelona, die schon vor der CeBIT Mobilfunk-Neuheiten präsentiert, keine Lust, den Messemarathon im ersten Quartal zu verlängern.

Als Gastgeber der digitalen Welt versteht sich die Informationstechnologie- (IT)- und Telekommunikations (TK)-Messe CeBIT nach ihrem Neustart. Als Ergebnis des Zusammenwachsens von Unterhaltungselektronik- und IT-Daten-Produkten, zeigte sie in den vergangenen Jahren immer mehr Fernseher, Musikanlagen und Digitalkameras. Obwohl jetzt verstärkt die digitalen IT- und TK-Ausstattungsinteressen des Mittelstandes ins Zentrum gerückt wurden, gab es auch für private Telefonierer, PC-, Internet-, TV- und Multimedia-Nutzer weiterhin ansehnliche bis skurrile Neuheiten zu entdecken. Die thematischen Schwerpunkte Verkehrslenkung und Navigation, RFID-Funkchips, Fotografie und Fotobearbeitung, Sicherheit, Hochauflösendes Fernsehen HDTV und Internet-Telefonie VoIP machen nicht vor der Wohnungs- oder Autotür von Privatleuten Halt.

Unterwegs auf den IT-Zug aufspringen

Stichwort Reisen: Wer gerne ins Blaue fährt, kann gut auf herkömmliche Reiseführer verzichten. Der Merian-Scout-Navigator versorgt den Urlauber unterwegs spontan mit den neuesten Publikationen zum anvisierten Ziel. Das multifunktionale, mobile Navigationssystem navigiert, leitet und informiert mit dreidimensionalen Karten, geschriebenen und gesprochenen Texten, Bildern, sowie Hörspiel-Einlagen.

Unverwechselbar schaut künftig das nach Angaben von Fujitsu Siemens kleinste und leichteste Navigationssystem am Markt aus: Im Web kann man den Pocket LOOX mit Mustern, Texten, Bildern und privaten Fotos verzieren. Das fertige Cover kommt mit der Post und lässt sich – ebenfalls ganz leicht – einsetzen.

Die nach Herstellerangaben weltweit schlankste 28-Millimeter-Weitwinkel-Digitalkamera (94,9 x 51,9 x 22 mm) ist die Lumix FX30 von Panasonic. Mithilfe ihrer hohen Monitor-Auflösung lassen sich die aufgenommenen Bilder sofort überprüfen.

Hightech am Highway: Wer auch auf dem Motorrad nicht auf kristallklaren Empfang seiner Lieblingssongs aus dem Radio verzichten oder sich ohne Nebengeräusche mit seinem Biker-Freund unterhalten will, konnte auf der CeBIT das drahtlose Headset von Cardo Systems aus Pittsburgh/USA ausprobieren. Es hört auf Stimmkommandos – die hoffentlich auch nicht vom Fahrtwind verweht werden.

Das T-Shirt wird zur Fernbedienung für den IPod beim Groove Rider von Urban Tool aus Wien und kommt Anfang April auf den Markt. In das maschinenwaschbare Kleidungsstück sind Sensoren eingenäht, mit deren Hilfe an der Hemdenoberfläche Funktionen des Musikabspielers zum Starten, Zurückspulen oder Lauter- und Leiser-Stellen bedient werden. Das Gerät selbst ist in einer Spezialtasche untergebracht. Vom gleichen Hersteller gibt es übrigens ein Kissen mit Telefonfunktion: Via Bluetooth ist das mit Lautsprecher und Mikrofon gefüllte Digitalkissen perCushion kabellos mit dem Handy verbunden, wodurch – ohne den Kopf aus der Ruheposition zu heben – bei Anruf direkt im Freisprechmodus kommuniziert werden kann.

Eine mobile Telefondose, etwa für Wochenendhäuser oder Schiffe, ist der XSJack T2 von 4GSystems: Er verbindet die gewohnten und vorhandenen Endgeräte, wie Analogtelefon, Faxgerät oder Anrufbeantworter mit dem GSM-Mobilfunknetz. Auch zuhause oder im Büro kann das Verbindungsglied zwischen Festnetz- und Mobilfunkwelt sofort in Betrieb genommen und, anstelle eines Festnetzanschlusses, ständig genutzt werden. Gerhard Zacharias von 4GSystems, dem Hamburger Zulieferer für Mobilfunknetzbetreiber: Die Verbindung läuft über Funk, aber der Dienst ist ein Festnetz-Dienst. Die mobile Telefondose schätzen besonders Menschen, die keine Lust haben, zuhause auch noch mit dem Handy zu telefonieren, und stattdessen lieber ein normales Telefon mit großen Knöpfen benutzen und in den XSJack T2 einstöpseln. Wer diesen Service nutzt, kann seine Festnetznummer mitnehmen und ist unter Festnetz-Tarif erreichbar.

Noch ist es nur ein Zukunftsdesign aus den NEC-Forscherlabors, aber vielleicht in nicht allzu ferner Zeit auf dem Markt: Das P-ISM Pen-Style Personal Networking Gadget Package ist kaum größer als ein Füller. Der mobile Zwerg lässt sich als Mobiltelefon und Projektor nutzen, hat einen Camera Scanner und schafft den Zugang zum Internet.

LEDDer Prototyp eines LCD-LED-Projektors, den NEC erstmals auf der CeBIT zeigte, ist doppelt so groß wie eine Schachtel Zigaretten und projiziert Aufnahmen vom Handy an die Wand. Statt einer schweren Lampe, sorgen beim NP1 langlebige Leuchtdioden (LEDs) für helle und brillante Bilder. Beispielweise in Flughafen-Lounges können mit ihm Filme, die übers Handy aus dem Internet geholt werden, oder Präsentationen auf eine weiße Ebene geworfen werden. Er leuchtet eine etwa DIN-A3-große Fläche aus. Der Mini-Beamer wiegt 210 Gramm und könnte in der jetzigen Bauform 2008 auf den Markt kommen.

Ein UMTS-Alleskönner will der handliche VPA Compact GPS von Vodafone sein. Sein Unterhaltungs- und Informationsangebot: Fotografieren, Fernsehen, im Internet Surfen, Staumeldungen Abrufen und vor allem auch Navigieren übers Globale Positionssystem (GPS). Und natürlich Telefonieren. Da eine Tastatur fehlt, wird der Schriftverkehr, den das Smartphone ermöglicht, überschaubar bleiben. Gesteuert wird das Gerät durch Berührung eines Sensorbildschirms.

Modische Mini-Computer zum Mitnehmen

Ein Handy, ein Notebook? – Der Ameo von T-Mobile ist beides, allerdings besonders zierlich, zumal seine Volltastatur an einer Magnetschiene angesteckt und abnehmbar ist. Der Personal Digital Assistent (PDA) hat eine Acht-Gigabyte-Festplatte, ein Fünf-Zoll-Farbdisplay, kommt über HSDPA schnell ins Netz und lässt sich für Videotelefonie und als Navigationsgerät einsetzen. Fotografieren, Unterlagen Präsentieren und mithilfe von Stereo-Lautsprechern Musizieren kann er übrigens auch.

Für Reisende wird es bald keine Notebooks mehr geben, die 3,4 Kilogramm wiegen. Die Kunden akzeptieren nicht mehr als 800 Gramm, skizzierte Hans-Dieter Wysuwa, Senior Vice President bei Fujitsu Siemens Germany, auf der CeBIT-Preview in München den aktuellen PC-Leichtigkeitstrend.

Die nächste Generation mobiler Computer sind Ultra Mobile PCs (UMPCs). Deren Chips müssen besonders im Auto energiesparend arbeiten, wenn sie mit der Fahrzeug-Elektronik verbunden sind: UMPCs sind leicht im Kommen und mögen weder gewichtigen Verbrauch noch schwere Akkus. Den derzeit leichtesten dieser tragbaren Mikrocomputer, die nur aus einem auf der Handfläche ablegbaren Bildschirm zu bestehen scheinen, zeigte Samsung in Hannover: Der Q1b ist jetzt mit HSDPA-Technologie ausgestattet, also mit der Nachfolgetechnologie des mobilen Telekommunikations-Datenübertragungssystems UMTS, die bei - in absehbarer Zukunft - bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde deutlich schneller ist. Über den Taschen-PC können deshalb jederzeit unterwegs Daten abgerufen und via HSDPA, mit besserer Qualität als bislang gängig, Internet-Telefonate (VoIP) geführt werden. Zugleich ist der Q1b ein Navigationssystem.

Schon 2008 werden tragbare Klein-Computer noch winziger: Hans-Jürgen Werner von INTEL hatte bei der CeBIT-Preview bereits das Internet für die Hosentasche angekündigt. Ausrollbare Bildschirme und Tastaturen bewahren bei solchen extremen Winzlingen Augen und Hände vor Miniaturisierungs-Strapazen.

Als Zweitnotebook für Trendsetter präsentiert ASUS das ein Kilogramm leichte U1F, das bei Verwendung seines mitgelieferten Sechs-Zellen-, anstelle des eingelegten Zwei-Zellen-Akkus, dann doch ein wenig aufträgt. Um auch mit wenig Power auszukommen, ist das TFT-Display mit weißen LEDs, anstelle herkömmlicher Kalt-Kathoden-Röhren, beleuchtet. Stabil und haltbar soll der Klavierlack-Edel-Mini-Rechner durch eine Edelstahl-Kante und eine mit echtem Rindsleder überzogene Handauflage sein.

IT-Markttrend: Consumerisierung für attraktives Arbeiten

Bei Notebooks lassen sich die Nutzer immer mehr vom Design und vom persönlichen IT-Nutzen leiten, berichtete Hans-Dieter Wysuwa, Senior Vice President bei Fujitsu Siemens Germany, beim CeBIT-Preview. Der Hersteller-Brand, verbunden mit Aussehen, Form, Farbe und individuellem Geschmack, würde die Kaufentscheidung viel stärker beeinflussen als technische Merkmale. Hans-Jürgen Werner von Intel zufolge, ist das Notebook das erfolgreichste IT-Produkt der vergangenen drei Jahre.

Andrew Brown, Lead Analyst für Mobile Computing beim IT-Marktbeobachter IDC sagt: Auch im Business-Bereich zeigt sich ein Trend zur stärkeren Ausrichtung auf Consumer-orientiertes Design und Features, die so genannte Consumerisierung. Der PC-Markt zielt bewusst auf Differenzierungen durch Features ab, Design spielt dabei eine große Rolle.

Ein ultramobiles Gerät für ultramobile Anwender, so beschreibt Ulrich Jäger von Toshiba den schwarz-weißen Portégé R400, der aus der Zusammenarbeit seines Unternehmens mit Microsoft hervorgegangen ist. Im Kern beinhaltet dieses lobende Etikett tatsächlich die augenfälligen Neuheiten des Windows Vista Ultimate PCs: Er verbindet die Vorteile eines Handhelds und eines Notebooks, wobei ein Tablet-PC integriert ist. Als weltweit erster mobiler PC kann der Portégé Email-Benachrichtigungen in Echtzeit empfangen und anzeigen. Ein zusätzliches, an der Vorderseite angebrachtes, Stromsparendes OLED-Display präsentiert jederzeit aktualisierte Informationen über Emails, Benachrichtigungen und Termine, ohne dass dazu der Notebook-Deckel aufgeklappt werden muss. Praktisch: Das eigentlich nach innen gewandte 12.1-Zoll-Widescreen-LCD-Display im Deckel lässt sich drehen.

Fujitsu Siemens Computers stellte auf der CeBIT sein erstes LIFEBOOK mit eingebauter Kamera und integriertem UMTS für Videotelefonie vor. Emails lesen, Zugriff auf Unternehmensanwendungen, aber vor allem die Teilnahme an Video-Konferenzen sollen mit diesem Notebook und seinen drahtlosen Hochgeschwindigkeitsverbindungen unterwegs kein Problem sein. Mit zwei Akkus ist er für Überstunden aufgeschlossen, sein Ultraleichtgehäuse vermindert die Arbeitslast.

Das leichteste 14-Zoll-Widescreen-Notebook der Welt ist mit 2100 Gramm das Samsung X11-Pro T7400 Brian, das dennoch einen DVD-Super-Multi-Brenner integriert. Ihre leichten und schmalen Notebooks der X-11-Serie präsentierten die Koreaner auch in Rubinrot.

Das nach Herstellerangaben erste Notebook der Welt, das ein integriertes SideShow-Zweitdisplay auf seinem Deckel besitzt, ist das ASUS Zwölf-Zoll-Widescreen Notebook W5Fe. Auch wenn der Computer ausgeschaltet oder im Ruhemodus ist, lässt sich über den Zusatzbildschirm schnell auf die Daten zugreifen.

Weniger ist mehr. Das gilt auch für PCs, die es jetzt in der Drei-Liter-Variante, also klein, leise und Stromsparend, gibt. Ein solches Modell ist beispielsweise der Drei-Liter-PC Aspire L100 von Acer. Doris Panknin, Product Managerin PCs bei Acer Computer Deutschland nennt die Gründe zu diesem Trend: Platz- und Stromsparende PCs mit geringem Betriebsgeräusch sind heute gefragter denn je. Außerdem achten sowohl die Unternehmens- als auch Privatkunden verstärkt darauf, dass der Rechner nur mit den wirklich benötigten Komponenten und Leistungsmerkmalen ausgestattet ist, um die Gefahr von Systemausfällen, Reparaturen oder Inkompatibilitätsproblemen zu reduzieren. Fürs digitale Zuhause sieht der Drei-Liter-PC, dessen Festplatten bis zu 400 Gigabyte Speicherraum bieten, Anschlüsse für Kopfhörer, Mikrofone, Digitalkameras, Scanner und Videokameras vor.

Voll im Bild über multimediale Kommunikationswelten

Analog-TelefonierenMultimedia im Telefon war einer der Trends auf dieser CeBIT: Das Ultra Video-Handy SGH-F500 von Samsung, das ab Mai zu haben ist, unterhält neben dem üblichen Display, das sich um Telefonie, Kalender und andere Funktionen kümmert, auf einem zusätzlichen Multimedia-Display mit Video-Filmen. Im Laufe des Jahres soll es auch noch einen Ultra TV-Handy-Genossen bekommen, mit dem ebenfalls digitaler Lifestyle gelebt werden kann. Wird das Display gedreht, kann das flache SGH-F500 auf den Tisch gestellt werden: So rufen auch längere Videoclips keinen steifen Arm hervor. Angeschlossen beispielsweise an den 700 Gramm leichten, netzunabhängigen Mini-Projektor Pocket Imager SP-P310ME, dessen Lichtleistung sich gegenüber Vorgängern verdoppelte, kann das Film- oder Fernseh-Erlebnis sogar über eine relativ großformatige Bildfläche unterwegs mit anderen geteilt werden.

Noch ist es Vision, unterwegs Fernsehsendungen auf dem Handy aufzuzeichnen und sie später auf dem Laptop oder dem heimischen Fernseher anzusehen. Eine Nummer kleiner funktionieren abwechslungsreiche Formen der Mitnahme-Television schon: Vodafone stellte bereits jetzt Möglichkeiten für Interaktives Fernsehen über Mobile-TV vor, bei dem man sich live in Sendungen einklinken kann. Selbstgedrehte Videos sollen bei dem Mobilfunkanbieter, als eine Form des von den Nutzern geschaffenen Webs 2.0, anderen auf dem Handy zur Verfügung gestellt werden.

PC überflüssig: Ein kabelloser Netzzugang zu einem Breitband-Internet-Anschluss genügt dem Internet-Telefon AiGuru S2 von ASUS. Über die eingebaute Windows Vista SideShow Funktion kann der Telefonierende gleich seine Emails abrufen.

High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) war ebenso ein Trendthema auf der CeBIT und eine Technologie, die der Bandbreite bei der Datenübertragung im UMTS-Netz flinke Beine macht: Vodafone realisierte in Hannover erstmals eine schnelle mobile Datenanbindung über UMTS-Breitband mit einer Geschwindigkeit von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde, also eine Vervierfachung der aktuellen maximalen Mobilfunkgeschwindigkeit zum Herunterladen von Daten aus dem Internet. Unterschiede zu schnellen DSL-Festnetzdatenleitungen sind bereits bei den ab spätestens Sommer 2007 verfügbaren 3,6 Megabit-pro-Sekunde Download-Geschwindigkeiten kaum noch signifikant.

Einen Highspeed-Internetzugang zum Mitnehmen, den mehrere Familien- oder Teammitglieder gleichzeitig nutzen können, zeigt das Hamburger Unternehmen 4GSystems. Der 3,6 Megabit HSDPA-Router XSBox R4v ist bereits jetzt auf 7,2 Megabit vorbereitet und ohne Software-Installation, direkt in Betrieb zu nehmen. Als Wege nutzt er die drahtlose Funkverbindung WLAN oder das verkabelte Ethernet. Gerhard Zacharias, Key Account Manager des 2002 gegründeten Zulieferers: Hier gibt es nicht mehr die Unterscheidung Festnetz oder Mobilfunk, sondern nur noch Zuhause oder unterwegs. Ein Szenario mit dem kompletten Festnetz-Ersatz, der auch einen Telefonanschluss integriert, könnte Zacharias zufolge so aussehen: Router auf den Tisch stellen. Alle machen ihre Notebooks auf und surfen los, da sich das Gerät mit dem HSDPA-Netz verbunden hat.

Die Grenzen zwischen Mobilfunk, Internet und Festnetz verschwimmen immer stärker: Auf verschiedenen Wegen wollen Mobilfunk- und Internetanbieter auch die beständigsten Festnetzkunden abholen. So stellte Arcor zur CeBIT einen Komplettanschluss für Sprache und Multimedia vor: Hier wird die Trennung zwischen Sprache, via Integrated Services Digital Network (ISDN), und schnellem Internet, via Digital Subscriber Line (DSL)-Hochübertragungsraten, aufgehoben.

Stattdessen gibt es nur noch das Internetprotokoll (IP) als Wasserleitung, die jeweils einen eigenen Kanal für jede Anwendung, wie Telefonieren, Surfen im World Wide Web und Fernsehen, bereitstellt. IP ist bei Arcor künftig das einzige Protokoll auf dem Kupferkabel, ISDN existiert nicht mehr. Für den Kunden heißt das, dass seine normalen Telefongespräche, ohne dass er es recht mitbekommen soll, künftig nur noch Voice over IP (VoIP), also Internet- anstelle von Festnetztelefonaten, sind.

Dennoch dürfte das Gespräch nicht in Rauschen und Undeutlichkeit untergehen. Die Qualität soll aufgrund von durchgehender, garantierter Bandbreite nicht darunter leiden, hieß es bei Arcor dazu im Vorfeld der CeBIT. Gesichert werden soll die Sprachqualität durch die neue Netztechnik Next Generation Network (NGN), die, den Vorstellungen des Telekommunikationsanbieters zufolge, auch für eine unterbrechungsfreie Übertragung von TV-Bildern via DSL sorgt. Mit dem Komplettanschluss kann man daher zeitgleich telefonieren, fernsehen und surfen, versprechen die Eschborner. Bei NGN im eigentlichen Sinne, verschmelzen herkömmliche mit Internet-basierten Kommunikationsnetzen.

Internetfernsehen macht’s möglich: Wer den Beginn eines Fußballspiels oder eines Films verpasst, kann die Sendung künftig auch ohne vorheriges Programmieren, noch während der Ausstrahlung, von Anfang an sehen. Ganz neu ist diese Restart-Funktion in Deutschland, die Arcor-Kunden ab der zweiten Jahreshälfte einzig durch Drücken der Timeshift-Taste aktivieren. Voraussetzung ist die Buchung eines IPTV-Pakets für Internetfernsehen.

Wer keine Lust hat, unzählige Handy-Tarife zu vergleichen, spart vielleicht mit einer Software, die eine Verbindung zu den geringsten Kosten in alle Netze herstellt. Die erste Software dieser Art kommt vom Hamburger Unternehmen Cellity. Einmal aufs Handy geholt, leitet sie den Anrufer automatisch um, sollte sie eine günstigere Verbindungsmöglichkeit als den Tarif des eigenen Anbieters auskundschaften. Der Mobilfunknutzer selbst muss nur, wie sonst auch, die Nummer seines gewünschten Gesprächspartners wählen.

Musik mit Verwöhnfaktor

RadioMit digitalen, komprimierten Musikdateien, also MP3, sorgt der ultraflache und ultrachice YP-K3 (mit 1 Gigabyte und mit 4 Gigabyte) von Samsung bei Managern, sowie anderen Musik- und Design-Fans, für gute Laune. Sobald er seinen Besitzer morgens geweckt hat, bietet er außerdem Radio, Musik-Videos oder die Möglichkeit, in aller Ruhe schöne Bilder von lieben Menschen auf dem selbst leuchtenden, organischen OLED-Display zu betrachten.

Eine Musiktankstelle, die das Aufnehmen von Radio- oder CD-Songs als zusammengepresste, digitale Dateien so einfach macht, wie einstmals das Sichern unkomprimierter Songs mit Leerkassetten, präsentiert Hama mit seiner MP3-Stereoanlage Rip & Play. Multimedia (MMC)- oder Secure Digital (SD)-Speicherkarte, Universal Serial Bus (USB)-Stick oder MP3-Player einstecken, Knopf drücken und schon sind die gerade laufenden Lieder als MP3-Dateien abgespeichert.

Gerät einfach anschließen und Musik draufziehen, auch im Internet gekaufte Musikdateien: Das funktioniert mit dem Zwei-Gigabyte-MP3-Player DMP 420 von Hama.

Papu-Chan und Pala-Chan heißen die beiden neuen MP3-Player von Toshiba, die walfisch-ähnlich, in niedlicher Form und rosaroter, beziehungsweise weißer, Farbe, kleine Wellen im digitalen-Musik-Design-Markt aufwirbeln. Die ein Gigabyte oder bis zu 15 Stunden Songgenuss fassenden Walfischbäuche lassen sich auch als USB-Speicher einsetzen.

Ohne eigene Membran kommt der volltönende Vibrationslautsprecher FD 500 von Hama aus, dessen Vorführeffekt für Überraschungen gut ist: Angeschlossen an MP3-Player, Notebook oder eine andere Audioquelle versetzt er jede ebene, feste Oberfläche auf der er steht, in Schwingungen. Die Töne kommen so beispielsweise direkt aus dem Tisch und bei jedem der daran sitzenden Zuhörer in gleicher Lautstärke an.

Monitore mit Mehrwert

Rund 32 000 Menschen arbeiten weltweit in 16 Samsung-IT-Entwicklungszentren, um beispielsweise das weltweit erste 19-Zoll-Thin Film Transistor (TFT)-Display hervorzubringen, das sich besonders für Spiele-Fans eignet und die Bildbearbeitung durch ambitionierte Hobbyfotografen unterstützt: Der Klavierlack-schwarze SyncMaster 931BW wurde als Windows-Vista-Premium-Monitor zertifiziert, da seine Bildqualität, Reaktionszeit und das breite Format gut mit den Merkmalen des neuen Microsoft Betriebssystems Vista zusammenpassen. Die meisten Spiele und Filme werden gegenwärtig im 16:9-Kino-Format hergestellt, das auf einem Widescreen-Monitor, ebenso wie andere Anwendungen, die viel Darstellungsfläche benötigen, gut zur Geltung kommt.

In den Bildschirm wandern Funktionen: Einen Bildschirm, der Display, PC und TV-Monitor in einem ist, und den Server komplett im Bildschirm verschwinden lässt, stellte Cybernet Manufacturing Inc. aus Irvine, USA, vor.

Die 22 Zoll große Bildfläche des SCALEOVIEW H22-1W von Fujitsu Siemens bietet genügend Platz für Filme, PC-Spiele und Office-Anwendungen, gegebenenfalls auch mehrere davon nebeneinander. Über die digitale High Definition Multimedia Interface (HDMI)-Schnittstelle wird mit blau-violettem Laser von High Density Digital Versatile Disc (HD-DVD)- und Blu-ray-Playern oder von Set-Top-Boxen hochauflösende Unterhaltung auf den großformatigen Breitbildschirm geholt. Auch Lautsprecher sind in den für Windows Vista zertifizierten Monitor eingebaut.

Höchster Genuss mit vollständig und hoch auflösenden Bildwelten

High-Definition (HD)-Ready azuschaffen, das bei der Anzahl der Bildpunkte nur halbe Qualität abbildet, lohnt sich bei Fernseh- und Abspielgeräten nicht mehr. Der Trend geht zum vollen Genuss aller Bilddetails mit Full HD. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen will erst 2010 auf hochauflösendes, digitales HDTV-Programm mit brillanter produzierten Inhalten umstellen. Solange es kaum TV-Sendungen gibt, bei deren Darstellung die hochauflösenden Qualitäten der trendigen Full HD-Fernseher (1920 x 1080 Pixel) zur Augen verblüffenden Geltung kommen, sind Videos in der fein definierten Bildqualität umso wichtiger. Abgespielt werden sie mit den neuen HD DVD- oder den konkurrierenden Blu-ray-Geräten. Sie geben mithilfe von blau-violettem Laser den hoch auflösenden Standard in der Qualität des Speichermediums wieder. Ein Blu-ray-Player der zweiten, verbesserten Generation ist der BD-P1200 von Samsung, der mit seiner Full HD-Videoqualität von 1080 Pixeln sämtliche Bildpunkte eins zu eins auf den Full HD-Bildschirm, oder via Projektor als Breitbildgenuss in hochauflösender Kinoqualität auf die Wand, überträgt.

Sharp bringt mit dem BD-HP 105, der auch JPEG-Fotos in HD-Auflösung auf dem Fernseher abbilden kann, im Mai seinen ersten Blu-ray-Player auf den Markt. Wird ein High-Definition-Film von einem Blu-ray-Player mithilfe eines HDMI-Beamers auf eine zweidimensionale Leinwand projiziert, erscheinen die Bilder dreidimensional. Der nach Herstellerangaben kleinste und leichteste 3CCD-Camcorder, mit Einzelwürdigungen der Farbwerte rot, grün und blau, für selbst produzierte Full-HD-Videos ist der HDC-SD1 von Panasonic. Direkt auf Digital Versatile Discs (DVDs) zeichnet sein Bruder HDC-DX1 auf.

Spätestens mit der diesjährigen CeBIT, auf der Sharp den mit einer 108-Zoll-Bildschirmdiagonale (273 Zentimeter) größten Full HD Liquid Crystal Display (LCD)-TV der Welt zeigte, stehen die Zeichen auf Full-HD. Der Riese soll einen sechsstelligen Betrag kosten und sehr spät in diesem Jahr zur Verfügung stehen.

Familie vor großem FlachbildschirmMartin Beckmann von Sharp dazu: Die Nachfrage nach Flachbildfernsehern explodiert. Gunter Kürten, Marketing-Spezialist bei Sharp fügte hinzu: Die 100-Hertz-Technologie, die uns von der Röhre her ans Herz gewachsen ist, kommt jetzt auch für LCD. Durch Verdoppelung der Bildwiederholungsfrequenz von 50 auf 100 Hertz soll es bei LCD keine Nachschleifeffekte mehr geben und die Darstellung sehr ruhig sein. CeBIT-Highlights der Japaner waren 52- und 46-Zoll-LCD-TVs der AQUOS HD1E-Serie (LC-52HD1E und LC-46HD1E, ab Mai): Neben einer 100-Hertz-Bildwechselfrequenz bieten die Full-HD-Geräte schnelle Reaktionszeiten gegen Bild-Ruckeln, zwei HDMI-Schnittstellen zur Wiedergabe von digitalen Bild- und Tonsignalen, sowie eingebaute Festplattenrekorder.

Wer seine Video Home System (VHS)-Video-Sammlung auf dem digitalen Speichermedium DVD archivieren will, kann dies auf Knopfdruck mit dem Kombi-Rekorder RD-XV48-K-TE (ab April) von Toshiba erledigen. Aufnahme und Wiedergabe via 160-Gigabyte-Festplatte sind ebenfalls möglich.

Der größte, tatsächlich kaufbare Fernseher kommt übrigens von Panasonic: Er hat eine Bildschirmdiagonale von 103 Zoll (264 Zentimetern) und kostet schlappe 80 000 Euro.


2007-04-01 by Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Handel-Kempf
Illustrationen: © aph

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