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Die Ochsentour

von Angelika Petrich-Hornetz

Kaum einer hat es gemerkt. Ausgerechnet im chinesischen Jahr des Ochsen, sitzt ein solcher auch im Weißen Haus. Nun würde außerhalb von Asien wohl kaum jemand behaupten, der neue US-Präsident sei ein Ochse. Doch Barack Obama wurde mitten im Jahr 1961 geboren, und das und auch das Jahr 2009 gelten in China und in vielen anderen asiatischen Ländern nun einmal als Rinder-Jahr.

Weitaus amerikanischer dürfte die ebenfalls verwendete Bezeichnung Büffel ausfallen, doch so weit hergeholt ist der Ochse gar nicht. Was der Wirtschaft dieses Jahr weltweit und besonders den Amerikanern blüht, macht eher den schlichten Eindruck einer Ochsentour als den eines glücklichen Prärie-Büffels.

Sei es drum, das Jahr des Ochsen oder des Büffels, so wie auch der Chef im Weißen Haus haben kein besonders ausgeprägtes Faible für Experimente und Leichtsinn, glaubt man den chinesischen Astrologen. Und Obacht all den Obama-Anhängern, die auf nichts weniger als die Erfüllung all ihrer Träume spekulieren und über die Reden des US-Präsidenten regelmäßig in Tränen der Glückseeligkeit ausbrechen, Zitat: „The stoical Ox is soft-spoken, he carries a big stick.“, (Zitatende) heißt es bei der Autorin Theodora Lau, die sich mit dem chinesischen Tierkreis befasst.

Also, Vorsicht und gleichzeitig willkommen Hierarchie, strikte Anweisung, Führung im Befehlston, Sparsamkeit plus altgediente Regeln und Traditionen: Kein anderes Zeichen als der Ochse/Büffel ist mehr auf dem Teppich geblieben. Das heißt in der rauen Wirklichkeit: Ausgerechnet ein junger Demokrat im Weißen Haus dürfte konservativer und bodenständiger regieren, als viele bisher dachten. Und dann sind auch noch der Zeitgeist, die Wirtschaftslage und das astrologische Jahr auf seiner Seite. Ein bisschen zuviel des Guten?

In der Tat kann einem durchaus mulmig werden, bei dem Gedanken an Obamas tierische Polit-Kollegen, wie zum Beispiel die englische Premierministerin und Büffel-Dame Margaret Thatcher, die Eiserne Lady. Richard Nixon war jedoch keineswegs ein Ochse, wie man allein aufgrund seines Geburtsjahres 1913 annehmen könnte. Sein Geburtag lag nämlich noch im Jahr der Ratte. Genauso hinken die jüngsten Vergleiche von Barack Obama mit Jimmy Carter, denn auch Carter ist eine Ratte - und teilt, zumindest nach dem chinesischen Mondkalender, ein ganz anderes Schicksal als die im Büffeljahr Geborenen. Doch Bundeskanzler Willy Brandt, der sich für einen berühmten Kniefall keineswegs zu schade war, war ein echter, geborener Ochse. Immerhin schließen sich Hoffnung, Teamwork und Rinder damit nicht aus.

Trotzdem wird wohl niemand von einer Ochsentour erwarten, übermütig vom Boden abzuheben oder sich auch nur unangenehmer Arbeit zu entziehen zu können: No work – no pay, lautet das Motto des realistischen Büffels. Und der kann durchaus unangenehm werden – wenn auch nach etwas längerer Einwirkungszeit. Vielleicht müssen sich daher einige Zeitgenossen des kalten Krieges, die möglicherweise andere Ziele als der neue US-Präsident verfolgen, rechtzeitig warm anziehen. Doch glücklicherweise ist der Ochse intelligent und geduldig genug, unterschiedliche Interessen und Vorgänge rechtzeitig wahrzunehmen – was ihm übrigens viele gar nicht zutrauen. Deren Pech.

Wer sonst könnte so ein anstrengendes Jahr heil überstehen? Der starke Drache? Dieses einzige Fabeltier im chinesischen Tierkreis ist großzügig und möchte glänzen, doch für viel Glanz und Gloria wird es dieses Jahr wenig Gelegenheit geben und Erbsenzählen ist seine Sache nicht. Oder die/der so kluge wie diplomatische Katze/Hase? So viele Komplikationen, wie dieses Jahr geboten werden, verträgt sie schlecht. Oder das liebenswürdige und bodenständige Schwein? Es wird geschlachtet, wenn es am fettesten ist, sagen die Chinesen. Das muss also schon vergangenes Jahr der Fall gewesen sein. Wo man auch hinschaut, es bleibt nur einer übrig, der einen geradezu extrem an die Wand gesetzten Karren wieder flott machen könnte: der Ochse.

Wobei dieses Jahr niemand umhin kommt, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, ob man 2008 die Fahrtroute dieses Karrens nur partout nicht sehen wollte. Für solche kritischen Bemerkungen war im chinesischen Tierkreis traditionell eigentlich immer der realistische Hund mit seinem latenten Hang zum Pessimismus zuständig. Doch der letzte Hund im Weißen Haus, George W. Bush, verlor vor lauter Angst wohl irgendwann den Überblick. (Update 2020: offenbar wiederholt sich dieser Vorgang gegenwärtig).

So schlecht sieht das Jahr des Ochsen mit einem Ochsen im Weißen Haus also gar nicht aus, der immerhin als kluger Sach- und Schwerstarbeiter gilt. Und die weltweite Verlässlichkeits- und Vertrauenskrise ist ja nur allzu offensichtlich. Nur die Asiaten, die haben sprichwörtlich schon immer die Gleichzeitigkeit von Krisen und Chancen erkannt. Kein Wunder also, dass der chinesische Premierminister Wen Jiabao Ende Januar bestens gelaunt in Deutschland eintraf und Bundeskanzlerin Angela Merkel wie eine gute, alte Freundin begrüßte - schließlich sind beide Pferde - und Exportweltmeister. Wen Jiabao steht zum chinesischen Neujahrsfest gewiss auch unter dem Eindruck des Anfangs - und nicht des Endes. Vor allem geht es jedoch um knallharte, gemeinsame Wirtschafts-Interessen, zum Beispiel, um eine weltweit funktionierende Wirtschaft, in die man überhaupt exportieren kann.

Selbst für Börsianer, für die sich derzeit die Pink-Slip-Partys häufen, bleibt immerhin ein Trost: Ein Rind ist schließlich auch das Sinnbild für steigende Kurse, und nicht der sonst so starke Bär, den wir in den vergangenen 12 Monaten so oft zu sehen - und zu spüren - bekamen. Die Zeit des Glücksspiels mag vorbei sein, im Jahr des Büffels oder Ochsen müssen Erfolg und Anerkennung erst einmal erarbeitet werden. Doch dieses Herangehensweise eröffnet immerhin die Möglichkeit endlich solide zu werden.

Wie geht es nun dem Büffel selbst auf seiner Ochsentour? Erst 2010 soll es für Obama anstrengend werden, fürs Ochsenjahr 2009 prognostizierte Theodora Lau lediglich, Zitat: „Mit großen Schwierigkeiten hat er in diesem Jahr nicht zu rechnen, wohl aber mit unwillkommenen Reisen oder Gästen.“ Nun ja, das gehört wohl zum Berufsrisiko im Weißen Haus.

Und wer zieht in Deutschland den an die Wand gesetzten Wirtschaftskarren frei? Ist das Pferd, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), kaltblütig genug dazu? Oder muss der SPD- Kanzlerkandidat, Ziege/Schaf Frank-Walter Steinmeier ran? Werden die grüne Ziege/Schaf Renate Künast zusammen mit dem Pferd Jürgen Trittin eingespannt? Oder– im Vergleich zu Künast und Steinmeier - die ältere Ziege Oskar Lafontaine (die Linke)? Wer sucht, der findet: Auch in Deutschland gibt es Ochsen, zum Beispiel Guido Westerwelle (FDP), 1961*, im gleichen Jahr wie Barack Obama geboren. Wer hätte je gedacht, dass beide so viel gemeinsam haben? Rein chinesisch-astrologisch gesehen, natürlich.

So, oder so, dieses Jahr wird kein leichtes sein, oder etwas tröstlicher vom chinesischen Premierminister Wen Jiabao formuliert, der den Schneefall in Berlin während seines Deutschlandbesuchs als gutes Vorzeichen deutete - und Heine zitierte: „Das Wesen des Frühlings erkennt man erst im Winter“. Wie wahr.

Zitate von Theodora Lau aus:
„The Handbook of Chines Horoscopes“
und „Das große Buch der chinesischen Astrologie“,
Zitat Wen Jiabao: Heinrich Heine

*Guido Westerwelle, früherer Außenminister und Vize-Kanzler verstarb 2016 nach langer Krankheit.


2009-02-03 Angelika Petrich-Hornetz, Wirtschaftswetter - wiederaufgelegt am 2020-07-29
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos Themenbanner: ©Cornelia Schaible, Astrid Wehling
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