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Computerspiele

Spaß beim Lernen zuhaus'- aktiv mit der PC-Maus

Ein Blick auf Computerspiele, die Eltern keine Bauchschmerzen verursachen

von Annegret Handel-Kempf

Erstmals werden qualitativ hochwertige Computerspiele von Bundesregierung, Bundestag und Branchenverbänden gemeinsam ausgezeichnet, doch viele haben ein leicht mulmiges Gefühl dabei: Kinder könnten indirekt zur Bewegungsarmut vor Bildschirmen und dadurch zu geistiger Lähmung, beziehungsweise Aggressivität, ermutigt werden.

Fakt ist: Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat den Deutschen Computerspielpreis am 31. März 2009 erstmals im Rahmen einer festlichen Gala in München verliehen. Er will damit kulturpolitischen Einsatz für Qualität im Computerspielmarkt ausdrücken.
Die Förderung kulturell und pädagogisch wertvoller, interaktiver Unterhaltungsmedien in Deutschland soll so ganz nebenbei auch den Wirtschaftsstandort Deutschland schützen. Made in Germany dominiert, wenn in neun Kategorien, beispielsweise bestes Kinderspiel, ähnlich dem Deutschen Filmpreis, dotierte Förderpreise vergeben werden. Die Jury generiert ihre Mitglieder aus Wissenschaft, Politik, Jugendschutz, Fachpresse und Wirtschaft.
Es ist spannend, was bei so viel Anspruch heraus kommt. Gute Vorbilder gibt es für die teilnehmenden Entwickler, zu denen auch Studenten und Schüler gehören, jetzt schon.

Keine Angst vor den dunklen Seiten der Computerspiele müssen Eltern bei den hier vorgestellten und bereits vielfach prämierten Klassikern haben, die besonders von Kindern intensiv getestet wurden.

Der Hotzenplotz geht um und macht schlau, nicht dumm

Eigentlich machen sie alles richtig, die Macher vom Räuber Hotzenplotz und Neues vom Räuber Hotzenplotz auf CD-Rom: Szenen der bekannten Geschichten von Ottfried Preußler, von denen Kinder nie genug bekommen können, wechseln sich mit interaktiven Spielen ab, die dazu verhelfen, dass die Handlung weitergeht. Lese- und Schreibanfänger können dabei – gut unterhalten - ihre neuen Fähigkeiten anwenden und trainieren. Selbst vierjährige Vorschulkinder finden sich mit ein bisschen Hilfe durch ältere Geschwister oder Eltern besonders in den fröhlichen Geschicklichkeitsspielen schnell zurecht.
Doch im Gegensatz zu den endlos unterhaltsamen Schlaumäusen, die ebenfalls aus dem Bildungsverlagshaus Cornelsen stammen, haben selbst die größten Kasperle-Theater-Fans nach einigen Durchgängen erst mal wieder genug von der eigentlich genial konzipierten Hotzenplotz-Show. Auch wenn sie teils sogar das Publikum mit Fragen, wie in einem echten Theater, einbezieht: Denn vor jedem Spiel kommt immer wieder die ausführliche Erzählwiederholung der zugehörigen Szene. Und das macht nicht nur Kinder irgendwann zappelig, besonders, wenn das Spiel bei Kleineren nicht gleich erfolgreich beendet wurde und sie stets von vorne anfangen wollen.
Dennoch: Eindeutig kein billig hingeschludertes Computerspiel, vor das man seine Kinder besser nicht lassen sollte. Stattdessen sind die liebevollen, bekannten Zeichnungen von F. J. Tripp, interaktiv grafisch umgesetzt, hervorragend gepaart mit den Stimmen bekannter Schauspieler. Edutainment im besten Sinne, das Zehnjährige sicherlich nicht mehr vom Hocker hebt, Jüngere, ab etwa vier Jahren, jedoch hoch motiviert, ihre Merkfähigkeit, Beobachtungsgabe, Reaktionsvermögen, logisches Denken und den Spaß am Lesen zu mehren.
Favoriten unter den ausgetüftelten Rätseln, Aufgaben und Spielen sind bei den Vier- bis Sechs-Jährigen das Flaschenpost-Angeln, und der Wirbel im Spritzenhaus, der eine ähnliche Motivationsspritze ist, wie die Schatzsuche, die als Belohnung bei den Schlaumäusen auf Mitspieler wartet.

Neues vom Räuber Hotzenplotz
ISBN 3-464-90098-3, CD-ROM für PC und MAC

Der Räuber Hotzenplotz
ISBN 3-464-90095-9, CD-ROM für PC und MAC

Deutsch lernen wie im Märchen

Bei Fürst Marigor und die Tobis und Marigors Rache an den Tobis erleben die Kinder interaktiv so spannende Abenteuer, dass es ihnen egal ist, dass es sich eigentlich um Lernsoftware zum Deutschunterricht in der zweiten, beziehungsweise dritten Klasse handelt. Erstklässler buchstabieren beispielsweise hoch motiviert die Wortgruppen um ein Grundwort, unter denen sich ein Unsinn-Wort umtreibt. Dieses wollen sie möglichst schnell vertreiben und damit die Tobis vor dem schrecklichen Auge beschützen. Strahlend beobachten die kleinen Computer-Helden, wie aufgrund ihrer angewandten Wort-Lernerfolge die öd-graue Insellandschaft allmählich wieder Farbe annimmt, und damit der Fluch des rachelustigen Fürsten an Strahlkraft verliert.
BildschirmSchade nur, dass bei Fürst Marigor und die Tobis die strenge Logik über Bord geworfen wird: Die Tobis befreien sich aus der Mitte des Sees, indem sie eine Flöte spielen – die allerdings in einem am Ufer liegenden Rucksack steckt. Die vielfältigen Aufgaben indes fügen sich durchaus logisch in die spannende Geschichte rund um die Rettung der Tiere und Wesen des Nordwalds ein, in der sich auch ABC-Schützen bestens in den fünf Welten des Tobiwalds, Sees, der Höhlen- und Zwergenwelt, sowie des Gebirges, zurechtfinden.
Erfolg ist garantiert und somit viel Spaß am Lernen, das mit Marigor spielerisch wortfit für die Schule macht, dabei Begeisterung am Lesen weckt und erhält. Fazit der beiden Fürstenmärchen: Nicht mehr ganz jung, aber immer noch oho!

Fürst Marigor und die Tobis
ISBN 978-3-464-84984-2

Fürst Marigors Rache an den Tobis
ISBN 978-3-464-84990-3

Gewonnen in der Kategorie bestes Kinderspiel hat schließlich das unterhaltsame Schachlernprogramm Fritz Fertig von Koch Media, Deep Silver, Terzio Möllers & Bellinghausen Verlag. Als bestes deutsche Spiel und gleichzeitig als bestes Jugendspiel wurde die gelungene Umsetzung von Das Schwarze Auge - Drakensang von dtp entertainment und Radon Labs ausgezeichnet. Als bestes Browserspiel wurde Ikariam von Gameforge, ein Aufbaustrategiespiel und gleichzeitig Wirtschaftssimulation prämiert.


2009-04-01 Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Handel-Kempf
Fotos Themenbanner: ©aph

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