Wirtschaftswetter      Banner Wirtschaftswetter-Lifestyle, Link Werbeseite

How I've learned to drive auf der linken Seite

Achtung Linksverkehr

von Anja Glauch

Angefangen hatte alles mit dem Entschluss, nach England zu gehen, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Daheim in Deutschland wurde alles gut verpackt und für das Auto eine Garage angemietet, denn ich wollte nicht ewig bleiben, sondern nur für eine kurze Weile - und was sollte ich denn mitten in London mit einem Auto?

Rechts- oder Linksverkehr Zwei Jahre später und um ein einige Berufs- und Umzugserfahrungen reicher, ergab es sich dann, dass ich nun nicht mehr mitten in London lebte, sondern etwas außerhalb. Jetzt konnte mein Auto also nachreisen.

Ganz autolos war ich zwischenzeitlich jedoch auch nicht unterwegs. So hatte ich erste Erfahrungen als Beifahrerin gesammelt. „Lebenserfahrungen“ würde ich es wohl eher nennen wollen, wenn man auf der ‚vermeintlichen’ Fahrerseite des Autos sitzt, kein Lenkrad vor sich hat und zu allem Übel beim Abbiegen in die Spur des Gegenverkehrs einfährt. Brrrr, das war nichts für schwache Nerven, zumal der Londoner Verkehr schon nicht ganz einfach ist, selbst wenn man es gewohnt ist, auf der linken Seite zu fahren.

Das Fahren auf der linken Seite hat übrigens auch einen historischen Hintergrund, denn in früheren Zeiten war das Pferd ein herkömmliches Fortbewegungsmittel. Während der Reiter also eine Hand benötigte, um die Zügel zu halten, hatte er die rechte Hand frei, um sich mit dem Schwert gegen eventuelle Angreifer zu verteidigen. Das wiederum führte dazu, dass sich Pferd und Reiter auf der linken Seiten des Weges hielten. Was Linkshänder in diesem Falle gemacht haben, ist mir nicht bekannt.

Zurück im „Hier und Heute“ wollte ich nichtzdestotrotz den Versuch wagen und mich endlich selbst hinters Steuer setzen. Ausnahmslos jeder teilte mir, gefragt oder ungefragt, mit, dass meine Sicherheitsbedenken und die Angst, einmal urplötzlich auf der falschen Strassenseite mit einem entgegenkommenden Fahrzeug Aug in Aug zu stehen, völlig überflüssig seien. Nur glauben konnte ich das irgendwie nicht.
Die vielen Round-abouts (Kreisverkehre), die hier vielerorts anstelle von Ampelkreuzungen eingerichtet sind, sind genauso legendär wie real. So erinnere ich mich noch sehr gut an meine erste Fahrt nach England bei der wir uns sogleich verfuhren. Also hielten wir an, um nach dem Weg zu fragen, die Antwort war zu typisch:

„Turn right on the next roundabout, than left on the next roundabout and right on the next roundabout.“

Mir wurde schon beim Zuhören schwindlig ...

Nach einigen Testkreisen konnte ich mich ganz gut an sie gewöhnen und ich muss zugeben, dass ich mittlerweile einen halbwegs organisierten Kreisverkehr gar nicht so dumm finde. Schließlich muss man nicht ewig an verwaisten Ampelkreuzungen auf Grün warten und der Verkehr geht normalerweise immer flüssig weiter.

Wie fährt man also am besten in solch einen Kreisverkehr rein? Genauso wie in einen deutschen Kreisverkehr, nur links herum: je länger man im Kreis bleiben will, oder je weiter man ‚herum’ will, umso weiter rechts sollte man sich einordnen. Doch HALT! was sag ich da? Wir sind doch in England, also gilt: so einordnen, wie es am besten passt und der Rest kommt dann schon. Die sprichwörtlich deutsche Genauigkeit wäre hier übertrieben.

Doch zurück zum Anfang. Ist es nun schwer, in England zu fahren oder nicht? Hierzu gibt es eine eindeutige, nicht wissenschaftliche, aber durch private Umfragen, felsenfest unterlegte Antwort: Es ist genauso einfach oder schwer wie in Deutschland. Persönlich finde ich den Linksverkehr selbst im „falschen“ Auto - ich fahre immer noch mit einem deutschen Auto, d. h. das Lenkrad befindet sich links - völlig normal. Freunde aus Deutschland haben sogar erzählt, dass sie nach einigen Jahren UK Aufenthalt mit einem „Lenkrad Links“ Auto, wieder zurück in Deutschland, eher Probleme haben sich dort an den Rechtsverkehr anzupassen und prompt auf der falschen Straßenseite gelandet sind. Das hat man nun davon.

Fazit: Linksfahren ist überhaupt kein Problem, man muss sich einfach nur trauen und wenn man mag für die ersten Tage einen kleinen Erinnerungszettel ans Lenkrad heften: „Links fahren!“

Mehr über Sicherheit im britischen Straßenverkehr: Think! Safety information for road users

2003-12-10 copyright by Anja Glauch
Text© all rights reserved by Anja Glauch
Foto, Bannert©Angelika Petrich-Hornetz

zurück zu: Lifestyle

zurück zu: Startseite 

wirtschaftswetter.de
© 2003 - 2017 Wirtschaftswetter Online Zeitschrift