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Notizen aus den USA

8.Teil

Vom Fliegen

von Ines Kistenbruegger

Nach einem Kurzbesuch in Deutschland, um ein ganz normales Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen und vom Studienstress auszuspannen, bin ich wieder zurück in Ferndale/Detroit. Ich stürze mich auf das neue Jahr 2004.

Seit sechs Tagen gehöre ich zu den Personen mit Nichteinwanderungsvisum, die in den USA eindeutig mit Fingerabdruck und Foto registriert sind. Das ist eine Neuerung im amerikanischen Sicherheitssystem. Bei meiner Rückkehr wurden mir am Detroiter Flughafen Fingerabdrücke abgenommen und ein Foto von mir gemacht.
Der Nachteil ist, dass nun die Wartezeiten bei der Passkontrolle noch länger sind. Der Vorteil ist, dass allerdings die Wartezeiten an der Gepäckausgabe im Anschluss an die Passkontrolle nicht mehr ganz so lang wirken. Davon habe ich leider nicht profitieren können. Mein Koffer wurde in Amsterdam vergessen. Immerhin war der Service von NorthWest Airlines so gut, dass dieser Koffer mir am nächsten Tag direkt nach Hause geliefert wurde. Nur hatte zu meiner persönlichen Freude nicht unbedingt beigetragen, dass alles das, was in irgendeiner Form zerknittertbar oder zerbrechlich war, auch tatsächlich zerknittert und zerbrochen worden war. Hurra.

Aber was beschwere ich mich eigentlich, immerhin ist tatsächlich alles angekommen. Im Gegensatz dazu erinnere ich mich sehr gut an ein Paket, welches ich mir im Sommer aus Deutschland hatte schicken lassen. Ganz normal mit der Post. Ich wollte meine gesamte Winterbekleidung und einige Gegenstände nicht mit meinem anderen Gepäck im Flieger befördern, denn ich hatte ohnehin schon Übergepäck. Das Paket brauchte drei Monate, um hier in Ferndale anzukommen und letztendlich fehlten drei Gegenstände. Von meinem geliebten Winterstiefeln war nur einer dabei gewesen. Wer ist die einbeinige Frau mit Schuhgröße 36?

So viel zum Thema: Wie gehe ich mit Sachen um, die mir nicht gehören. Leider hatte ich meine Sachen nicht versichert. Zum Glück fehlte nichts, was irgendwie von Wert war. Immerhin, von nun an werde ich nur Sachen versichert über den Atlantik schicken. Oder im Handgepäck mitnehmen. Wenn es nur nicht zu groß oder schwer ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als zu viel Handgepäck, wenn man alleine reisen muss. Denn dann kann keiner auf die Taschen aufpassen, wenn man mal eben in ein Geschäft gehen will. Ich hasse diese kleinen Flughafengeschäfte, die viel zu kleinen Gänge, durch die man nicht passt, ohne entweder andere Menschen anzurempeln oder mit der Handtasche hängen zu bleiben sowie alle möglichen Dinge vom Regal zu reißen. Je weniger Handgepäck desto besser, denke ich immer und handle beim Packen inzwischen auch danach.

Mein Hinflug mit British Airways und auch der Rückflug mit NorthWest waren angenehm. Diesmal hatte ich sogar Glück und es gab im Bordprogramm sogar Filme, der mich interessierten. Somit waren schon einmal zwei Stunden meines 9-Stunden-Fluges überbrückt. Wie leider viel zu häufig auf solchen Langstreckenflügen saß ich neben einem Mann, der meinte die gesamte mittlere Armlehne und noch ein Stück von meinem Sitz annektieren zu können. Ich denke manchmal bei der Sitzverteilung werden kleine Menschen immer neben große gesetzt, damit die Platzverteilung besser passt. Dankbar bin ich schon, wenn der Mann neben mir nicht auch noch die aktuelle Tageszeitung vollständig ausgebreitet lesen muss. Natürlich in der Weise, dass ich mich weit zur Seite lehnen muss, um nicht ständig die Zeitung ins Gesicht zu kriegen oder überhaupt das kleine ausklappbare Tischchen benutzen zu können.

Mein grausamster Sitznachbar ist allerdings nicht so schnell zu überbieten. Dieser Typ hatte nichts besseres zu tun als in den ersten zwei oder drei Stunden des Fluges zehn Bier zu trinken und irgendwelche Pillen zu schlucken. Danach fiel der besagte Mann in eine Art Koma und fing an furchtbar laut zu schnarchen. Der Höhepunkt meines Flugspaßes war erreicht, als er dann zur Seite fiel und versuchte es sich auf meiner Schulter bequem zu machen. Ich habe ihn natürlich so unsanft wie möglich zurückgestoßen. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, noch drei oder vier Mal in meine Richtung zu fallen.
Wie sehr muss ich British Airways loben, die diesmal auf meinem Hinflug meinem Sitznachbarn nach dem vierten Bier mitteilten, er könne kein neues mehr bekommen. Ich hatte wirklich schon Panik, wieder einen der bereits oben genannten Spezies "Ichbesaufmichrücksichtslosunddannfalleichaufmeinesitznachbarin" erwischt zu haben.

Vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach ein wenig fluggeschädigt. Im letzten Jahr habe ich alleine 120 Stunden in einem Flugzeug verbracht. Das sind fünf ganze Tage und es scheint mir viel zu sein. Wenn ich allerdings bedenke, dass viele Leute tatsächlich noch wesentlich mehr reisen, dann ist das wohl eher durchschnittlich. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen in Fliegern eigenartig verhalten.

2004-01-05 copyright by Ines Kistenbruegger
Text: ©Ines Kistenbruegger

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