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Ich bin eine Fehlkonstruktion

von Dr. Adelheid Salitz-Schatten

Fällt Ihnen nicht auch in der letzten Zeit beim Einkaufen eine zunehmende Service-Unfreundlichkeit auf?

Wohlgemerkt: die Verkäuferinnen und Verkäufer sind vielerorts freundlicher geworden, offenbar haben sie die Lektion der letzten Jahre nach hitzigen Diskussionen über die „Servicewüste Deutschland“ gut gelernt.

Ich meine einen anderen Service: Immer häufiger fehlt ein für Menschengehirne lesbarer Preis: An der Ware selber finde ich nichts, am Regalfach finde ich nichts, und ein Schild, das über dem Regal baumelt und ein besonderes Sonderangebot suggeriert, finde ich ebenfalls nicht.

Nun ist es nicht so, dass tatsächlich kein Preisschild da ist. Doch, sogar ein besonders großes, das man nach geglücktem Kauf zu Hause nur nach Anwendung aller möglicher Tricks wie tagelangem Einweichen in Seifenlauge oder Einbüßen von einem bis drei Fingernägeln entfernen kann. Aber dieses Preisschild ist nur für Maschinen, auf Neudeutsch „Computer“ genannt, lesbar. Lang und breit springen mir allerorten die schwarzen Balken in die Augen.

Leider bin ich aber keine Maschine und verfüge auch nicht über ein Computerhirn. Nur selten ist ein VerkäuferIn zum Nachfragen greifbar, denn heutzutage ist leider immer häufiger eine einzelne Person für den Dienst an der Kasse, das Einräumen der Regale, die Verhandlung mit den Lieferanten und die Beratung gleichzeitig zuständig. Offenbar wird vorausgesetzt, dass man sich auch ohne Übersetzung zurechtfindet. Da mir dies nicht gelingen will, muss ich wohl eine Fehlkonstruktion sein.

Auch der bargeldlose Geldverkehr wird zunehmend technikfreundlich und kundenunfreundlich. Überweisungsformulare müssen in Blockschrift ausgefüllt werden, wobei man sich zu bemühen hat, wie ein i-Dötzchen jedes Zeichen in ein genormtes Kästchen zu quetschen. Gelingt einem das nicht, kann der Überweisungsauftrag leider nur mit großer Verzögerung bearbeitet werden, da offenbar in der Bank niemand in der Lage ist, menschliche Schrift zu entziffern. Der Computer jedenfalls kann mit den Angaben nichts anfangen, wenn sie nicht maschinenlesbar sind.

Was soll dieser Kästchen-Irrsinn? Was machen ältere Menschen mit schwachen Augen in solch einem Fall? Sind sie automatisch aufgrund ihrer naturgegebenen Unfähigkeit, genormte Buchstaben zwischen pastellfarbene dünne Strichelchen zu schreiben, vom bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgeschlossen, oder müssen sie sich einen Zivildienstleistenden suchen, der ihnen die Kästchen ausmalt?

Aber was haben die Probleme der Menschen beim Ausfüllen schon für eine Bedeutung – Hauptsache, der Computer kanns lesen!

Ich frage mich jedenfalls, wohin diese Entwicklung noch führen soll. Wenn es in Zukunft noch schlimmer wird mit der Maschinenlesbarkeit um jeden Preis und einer Preisauszeichnung im Strichel - Code (auf Deutsch wie „Kot“ ausgesprochen), dann ist das ganz einfach – Pardon! – im wahrsten Sinne des Wortes Kot - Mist!

2004-05-31 Adelheid Salitz-Schatten
Kontakt: info@wirtschaftswetter.de
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