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Bilder aus Australien II

Aufgalopp in den Sommer!

von Astrid Wehling

Melbourne Cup Girls

Wann fängt in Australien der Sommer an?

Ganz genau genommen und nach dem Kalender - am 21. Dezember. Fragt man die Leute auf der Straße, kommt häufig die Antwort: “Am 1. Dezember”. Inzwischen weiß ich, warum viele den ersten Dezember nennen, denn an dem Tag wurden früher die Sommeruniformen an die Soldaten verteilt. Vielleicht ist der erste Tag auch einfach besser zu merken als der 21.
Doch bei genauerer Beobachtung kommt nur eine Zeit als wahrer Sommeranfang in Frage. Denn da werden die luftigen Kleidchen aus dem Schrank geholt und das Bier kaltgestellt: Der „Spring Racing Carnival“ ist der Höhepunkt der australischen Galopprennsaison, und er läutet unangefochten den Sommer ein.

Spring Racing Carnival

Fünf Wochen lang, im Oktober und November, treffen sich Trainer, Besitzer, Jockeys und Pferde aus aller Welt in Victoria/Australien. Von Geelong bis Werribee wird geritten, gewettet und gefeiert.
Der absolute Höhepunkt des jährlichen Carnivals ist der „Melbourne Cup Day“. Seit 1861 wird in Flemington/Melbourne am ersten Dienstag im November eines der berühmtesten und bekanntesten Galopprennen der Welt ausgetragen. 24 Pferde, viele davon aus Übersee, kämpfen auf 3.200 Metern um die begehrte Trophäe. Ein Ereignis, das schon Wochen vorher seine Schatten voraus wirft. Da werben Couturiers, Champagner- und Parfumhersteller mit ihren neuesten Kreationen. Und die Restaurants und Hotels stellen ihre Melbourne-Cup-Angebote vor.
Denn während sich in Melbourne Stars und Sternchen bei Champagner und Austern treffen, freut sich der Rest Australiens auf einen Tag, an dem kaum gearbeitet und der Einzug des Sommers gefeiert wird.

Der Melbourne Cup Day

Im Staat Victoria mit seiner Hauptstadt Melbourne ist der erste Dienstag im November ein offizieller Feiertag, doch praktisch ruht in ganz Australiens ab Mittag die Arbeit in den meisten Büros, Geschäften und Betrieben.
Vormittags werden firmeninterne Wetten abgeschlossen. Irgendein Kollege hat sich immer die Mühe gemacht, eine Tafel mit den teilnehmenden Pferden und Jockeys zu basteln. Wer es richtig ernst nimmt, hat natürlich vor der Arbeit noch schnell seinen offiziellen Tip abgegeben. Die Wettbüros fahren Sonderschichten, denn am Melbourne Cup Day zocken nicht nur die Profis, sondern auch die Menschen, die sonst bei einem Pferd gerade einmal das Vorderteil vom Hinterteil unterscheiden können. Das Wetten gehört einfach dazu. Wie praktisch, dass es in vielen Pubs und Bars eine Wettannahmestelle gibt. Und wie gut, dass man notfalls auch per Telefon seinen Einsatz machen kann. Da ist es auch nicht nötig, Rennlisten zu studieren. Gesetzt wird einfach auf das Pferd mit dem verrücktesten Namen oder auf den niedlichsten Jockey. Ein paar Zahlen? Australienweit wurden 2004 zum Melbourne Cup 122 Millionen australische Dollar, etwa 77 Millionen Euro, verwettet.

Das Rennen in den Sommer

Melbourne, 2. November, 12:00 Uhr: Langbeinige Schönheiten führen die neueste Mode vor. Der größte Kaufhauskonzern Australiens prämiert die schönste Besucherin und den best gekleideten Herrn. Nachdem Paris Hilton im letzten Jahr ihren Auftritt hatte, drängt sich die Presse dieses Jahr um die australische Miss World und um Carson Kressley, den US Star aus “Queer Eyes for a Straight Guy“. Er weiß, wie man Männer und Frauen richtig anzieht. Und man sieht vor lauter Hüten, Federn und Pailletten kein Pferdeohr mehr. Promis und die, die es gerne wären, drängeln sich in den aufwendig dekorierten Zelten.

Sydney, Broome und Brisbane, 13:00 Uhr: Hier füllen sich inzwischen die Pubs, Sportbars und Konferenzräume. Statt Austern und Champagner wie in Melbourne gibt es kleine Häppchen und Sekt, Bier und nochmals Bier. Doch Hüte und Kleider stehen in Größe und Kreativität denen im fernen Melbourne in nichts nach.
Die Spielautomaten klingeln und dröhnen. Frittenduft zieht durch die Säle und ich fühle mich fast wie zu Zeiten der Altweiberfastnacht in Düsseldorf. TV-Geräte werden überall aufgebaut, der richtige Kanal eingestellt, Lunch wird aufgefahren und spätestens jetzt ist jeder in fröhlicher Partystimmung.

14: 30 Uhr: Die Stimmung in Australien ist gut, die Spannung steigt

In Melbourne wird das letzte Küsschen in die Luft gehaucht und noch eben ein Autogramm gegeben. In Adelaide und in Alice Springs werden noch schnell der schrägste Hut und die wildeste Krawatte gekürt, bevor dann endlich um Punkt 15:10 Uhr der Startschuss fällt. The Winner IIGanze vier Minuten mitfiebern, anfeuern, hoffen, jubeln - vor Ort an der Rennbahn oder anderswo vor einem Bildschirm. Dann der Zieleinlauf und der Sieg. Glückliche Pferdetrainer, Besitzer und Jockeys in Melbourne, verwirrte TV-Zuschauer in ganz Australiens, denn der Rennkommentator im Fernsehen ist diesmal erst in der Wiederholung richtig zu verstehen. Doch dann wird mit Pferdeverstand geprahlt und anschließend der Gewinn abgeholt oder enttäuscht der Wettschein zerrissen.

Das Rennen ist vorbei - die Party geht weiter

16:00 Uhr: In Melbourne sinken die Caterer nach 80.000 zubereiteten und servierten Mahlzeiten erschöpft auf die Stühle. Die Sponsorenzelte leeren sich, und 100.000 Menschen machen sich auf den Heimweg oder verlagern die Feier in einen der unzähligen Clubs Melbournes. Auch in Sydney, Perth und Hobart ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Überall wird kräftig weitergefeiert. Wer will denn heute auch noch arbeiten? Schließlich fängt der Sommer jetzt erst an und da geht sowieso alles langsamer.
…… ach ja, war da noch etwas? Richtig: Die Pferde! Gewonnen hat den Melbourne Cup 2004 – übrigens bei strömendem Regen und starken Sturmböen - die sechsjährige, australische Stute „Makybe Diva“, die Siegerin des Vorjahres. Doch das wurde dann für die meisten sehr schnell wieder zur Nebensache.

2004-11-11 von Astrid Wehling
Text: © by Astrid Wehling
Fotos: © by Astrid Wehling

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