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Fliegerinnen

Interview mit Heidi Galland, Präsidentin der Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V.

Die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz

Heidi Galland ist die Präsidentin der Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V. Dort sind z.Zt. etwa 300 Pilotinnen organisiert. Aufgenommen werden als Mitglieder alle Berufs- und Privatpilotinnen, die eine gültige Lizenz für Motorflugzeuge, Hubschrauber, Motorsegler, Segelflugzeuge, Ultralight-Flugzeuge oder Ballone besitzen. Auch eine fördende Mitgliedschaft ist möglich. Die Aktivitäten des Vereins sind vielseitig und zahlreich. Neben Angeboten zur Weiterbildung finden hier auch Berufspilotinnen eine Plattform um ihre Interessen und Belange. Es werden Wettbewerbe unterstützt, Fly-Ins und Rallyes veranstaltet und die Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Organisationen und Verbänden gepflegt.

Wirtschaftswetter : Frau Galland, was fliegen Sie für eine Maschine, und was macht für Sie persönlich den besonderen Reiz aus, durch die Luft zu düsen?
Heidi Galland : Ich bin einmotorige Flugzeuge geflogen. Cessna 172 und 182. Mobil zu sein ist wohl der größte Reiz und auch die Vogelperspektive möchte man immer wieder neu erleben.

Wirtschaftswetter : Wie kamen Sie persönlich zum Fliegen?
Heidi Galland : Durch Anregung aus dem Freundeskreis.

Wirtschaftswetter : Gibt es den typischen Einstieg in die Luftfahrt bei Pilotinnen, oder ist der sehr unterschiedlich? Heidi Galland : Eher unterschiedlich. Man kann direkt vom Abitur auf eine Flugschule gehen, oder man kommt durch die Sportfliegerei zu dem Entschluss, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Zwischen Männern und Frauen gibt es da keinen Unterschied.

Wirtschaftswetter : Fliegt die Angst eigentlich immer mit, oder tritt sie nach einer gewissen Zeit in den Hintergrund, wie etwa beim Autofahren?
Heidi Galland : Das Wichtigste in der Fliegerei ist eine solide Ausbildung, einwandfreies Fluggerät und viel fliegen, also Praxis. Die Selbstüberschätzung kann zu Situationen führen die Angst produzieren. Bleibt man bei dem kalkulierbarem Risiko, braucht man keine Angst zu haben.

Wirtschaftswetter: Sie sind Präsidentin der Vereinigung Deutscher Pilotinnen e. V. Wieviele aktive Mitglieder zählen Sie, und welche Ziele verfolgt der Verein?
Heidi Galland : VDP steht für Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V. Wir wurden vor 36 Jahren gegründet und zählen heute ca. 300 Mitglieder. Unser Hauptanliegen ist, Frauen in der Luftfahrt zusammenzubringen - so sind in unserer Vereinigung Linienpilotinnen, Motorfliegerinnen, Segelfliegerinnen, Hubschrauberpilotinnen, Ultra-Light- Fliegerinnen und Ballonfahrerinnen vertreten. Unter www.pilotinnen.de stellen wir uns im Web vor und veröffentlichen unsere Veranstaltungen.

Wirtschaftswetter: Unter Ihrem Dach versammeln sich die verschiedensten Fliegerinnen. Gibt es darunter eine Hauptgruppe? uUnd wie schaffen Sie es überhaupt, den unterschiedlichen Interessen entgegenzukommen?
Heidi Galland: Die Hauptgruppe sind die Motorfliegerinnen. Sie fliegen einmotorige Flugzeuge, die von den Pilotinnen geschäftlich oder privat genutzt werden. Die unterschiedlichen Interessen sind das Reizvolle in unserer Vereinigung. Zu unseren Veranstaltungen, Fly-Ins, Rallyes und Fliegertreffen kommen Pilotinnen aus allen Luftfahrtsparten. Egal was sie fliegen, Flieger verstehen sich immer. Ein reger Gedanken - und Erfahrensaustausch ist somit gegeben. Durch unser Netzwerk haben wir darüber hinaus die Möglichkeit der schnellen Information

Wirtschaftswetter: Was würden Sie jungen Mädchen und Frauen empfehlen, die sich für die Fliegerei interessieren? Was sollten Sie mitbringen, und an wen sollten sie sich zwecks einer guten Ausbildung wenden?
Heidi Galland: Hier muss man natürlich unterscheiden zwischen Beruf und Sport.
Für eine gute Ausbildung in beiden Bereichen gibt es Flugschulen. Für die Linienpilotinnen natürlich auch die Fluggesellschaften. Für das private Fliegen kann man sich über seinen Flugverein ausbilden lassen oder sich direkt an eine Flugschule wenden. Interesse an Technik, räumliches Denkvermögen und schnell im Kopf sein (Rechnen und Reaktion) gelten als gute Voraussetzungen

Wirtschaftswetter: Wird einem das Talent zum Fliegen auch ein bisschen in die Wiege gelegt, oder kann es wirklich jede und jeder lernen?
Heidi Galland: An der Wiege sollte schon etwas gebastelt sein, sprich Veranlagung muss da sein. Ansonsten gilt es, den "Virus Fliegen" zu haben, die notwendigen Voraussetzungen - Abitur, englische Sprachkenntnisse, ein finanzielles Polster - und den notwendigen Ehrgeiz zu besitzen, um sein Ziel erreichen zu können.

Wirtschaftswetter: Und wie wird man Hubschrauberpilotin?
Heidi Galland: Dafür gibt es eine ganz spezielle Ausbildung, da das Hubschrauberfliegen besondere Anforderungen an die Bewegungen im dreidimensionalen Raum stellt.

Wirtschaftswetter: Worin liegen die großen Unterschiede zwischen einem Hubschrauber, einem Ballon oder einem Flugzeug? Wer ist eher für das eine oder für das andere geeignet?
Heidi Galland: Die Unterschiede sind wie folgt:
- Der Hubschrauber ist das beweglichste Fluggerät im Luftraum
- der Ballon das gemütlichste
- das Flugzeug das schnellste
Aber Fliegen ist Fliegen und in der Ausbildung zeigt sich die Veranlagung für das eine oder das andere Fluggerät.

Wirtschaftswetter: Pilotinnen erscheinen uns heutzutage so selbstverständlich wie Autofahrerinnen. Dabei war es beileibe nicht immer so. Gibt es in der Gegenwart überhaupt noch erwähnenswerte Vorbehalte, Vorurteile oder gar Nachteile oder finden fliegende Frauen inzwischen die gleiche Akzeptanz bis hin zur Bewunderung wie männliche Piloten?
Heidi Galland: Pilotinnen haben seit ihren Anfängen bis heute Akzeptanz und Bewunderung genossen, wie im übrigen auch die Piloten. Pilotinnen wie Elly Beinhorn wurden zu Vorbildern. Sie zeigten, dass Frauen trotz der Vorbehalte, die man gegen sie hatte, ihre Ziele erreichen konnten - auch heute gibt es Frauen gegenüber noch Vorbehalte, die man aber durch entsprechende Leistung sehr schnell ausräumen kann. Wenn man von Nachteilen sprechen möchte, so bleibt die "Familienplanung" Dauerthema, denn Pilotinnen müssen in diesem Fall eben auch die Kinder bekommen und diese mit oder ohne Partner großziehen.

Wirtschaftswetter: Wie viele Berufspilotinnen sitzen inzwischen an den Steuerknüppeln von Passagiermaschinen?
Heidi Galland: Z.Zt. sind 3,1 Prozent der Berufspiloten in Deutschland weiblich. Weltweit sind es 2,5 Prozent. Die Deutsche Lufthansa gibt 3,3% an - 157 Pilotinnen im Cockpit bei 4828 Piloten. Das Luftfahrtbundesamt weist per 31.12.2003 insgesamt 15.635 Lizenzen aus - Verkehrsflugzeugführer, Verkehrshubschrauberführer, Berufsflugzeugführer, Berufshubschrauberführer, Privatflugzeugführer - jedoch nur PPL-A mit IFR - Privathubschrauberführer. Bei 2,5 Prozent Anteil wären dies 391 Pilotinnen. Dazu kommen noch die privaten Flugzeugführerinnen - nur PPL-A, Segelfliegerinnen, Motorsegelfliegerinnen und die Ballonfahrerinnen. Sie sehen, die Zusammensetzung ist sehr vielschichtig.

Wirtschaftswetter: Frau Galland, was macht eigentlich eine gute Co-Pilotin aus?
Heidi Galland: Ihr Wille "Kapitän" zu werden! Sie weiß, dass Sie so gut sein muss wie der "Pilot in command". Also wird sie alles daran setzen, dieses Ziel zu erreichen.

Wirtschaftswetter: Ein Luft- und Raumfahrtingenieur erzählte uns kürzlich ein paar Witze zwischen Piloten und Technikern, die diese übereinander erzählen. Gibt es ihn wirklich, den großen Unterschied: Wer fliegen kann - kann nicht schrauben und umgekehrt oder zählen solche Geschichten eher zum Flieger-Latein?
Heidi Galland: Hier habe ich mich bei einem erfahrenen Piloten schlau gemacht und bekam die Antwort: Tendenz ja - jedoch keine Verallgemeinerung. Sehr diplomatisch - finde ich.

Wirtschaftswetter: Ist die Sport-Fliegerei für jedes Alter geeignet, oder gibt es ein bestimmtes Alter, ab dem das Risiko zu groß werden könnte?
Heidi Galland: Darüber entscheidet das sogenannte Medical, die Fliegeruntersuchung, die je nach Alter und Pilotenart in bestimmten Abständen durchgeführt wird, wobei auch die Erfahrung berücksichtigt werden muss.

Wirtschaftswetter: Was kostet eine Flugausbildung sowie die Anschaffung und Haltung eines Sportflugzeugs?
Heidi Galland: Bei der Flugausbildung muss man je nach Ausbildungsart und Umfang, zwischen 10 und 15.000 Euro aufwenden.
Anschaffung und Haltung: Hier gibt es natürlich große Unterschiede - die mit ein oder zwei Zahlen nicht dargestellt werden können - wenn man von einem Anschaffungspreis von gebrauchten Maschinen, die eine mit 80 PS und eine andere mit 260 PS ausgeht, liegt dieser ca. zwischen 65.000 und 250.000 Euro.
Dazu kommen die Unterhaltskosten wie Versicherung, Hallenmiete, Jahresprüfung und sonstige Kosten wie Reparaturen und Vereinsmitgliedschaften. Bezogen auf oben genanntes Beispiel belaufen sich diese Kosten jährlich auf ca. 7.000 bzw. 14.000 Euro. Zuzüglich der variablen Ausgaben wie Sprit und Landegebühren, die im übrigen sehr unterschiedlich sind.

Wirtschaftswetter: Und was macht die Pilotin, die zur Zeit kein Flugzeug ihr eigen nennen kann? - Wie teuer ist es, eins zu leihen statt kaufen?
Heidi Galland: Je nach Flugzeug und Ausrüstung (Instrumentierung) unterschiedlich. Z.B. kleine Ein-mot mit Sprit - ca. 75 bis 150 Euro - eine PA 28, 180 PS gewerblich ca. 180 Euro - eine Mooney IFR ausgerüstet (Instrument Flight Rules) ab 250 Euro aufwärts. Die Preise verstehen sich pro Stunde.

Wirtschaftswetter: Haben Sie als Luftfahrt-Profi einen Tipp für Laien und Anfänger gegen Höhenangst?
Heidi Galland: Fliegen - fliegen - fliegen! Es gibt aber auch Kurse gegen Flugangst

Wirtschaftswetter: Wie zu Wasser oder im Schnee, ist auch in der Luft immer mehr los. Es werden ständig neue Arten, sich (sportlich) zu betätigen, entwickelt. Was halten Sie persönlich von Sky-Diving, das immer abenteuerlichere Formen annimmt? Ist das eher etwas für die Kids, oder können die Pilotinnen dem Luftsprung durchaus etwas abgewinnen?
Heidi Galland: Abenteuersport hat nichts mit Fliegerei zu tun. Die goldene Regel in der Fliegerei heißt: Das Risiko nüchtern abwägen und kein unnötiges Risiko eingehen.

Wirtschaftswetter: Mögen Sie uns Ihre schönste Route verraten? Gibt es sie oder gilt: Hauptsache - über den Wolken?
Heidi Galland: Hauptsache über den Wolken ist schon richtig, vorausgesetzt man findet auch ein Wolkenloch, um als VFR-Flieger (nach Sicht) wieder herunterzukommen. Jedoch bieten Berge, Wasser, Felder, Wälder und Städte in den unterschiedlichen Jahreszeiten wunderbare Eindrücke. Mein schönster Flug war von Süddeutschland über Frankreich, der italienischen Küste entlang, über die griechischen Inseln und über die Alpen wieder nach Hause.

2004-09-18 von Angelika Petrich-Hornetz
Text: © all rights reserved by Angelika Petrich-Hornetz und Gesprächspartnerin Heidi Galland
Fotos: © all rights reserved by Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V. (VDP)
Schlussredaktion: Ellen Heidböhmer

Kontakt und Information Vereinigung Deutscher Pilotinnen e.V. :
Im Web: www.pilotinnen.de

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Lese- und Info-Tipps:
Als Frau in die Luft ging von Jutta Rebmann, Stieglitz. Lebendig erzählte Fliegerinnen- und Luftfahrtgeschichte.

Am liebsten in der Luft von Susanne Aeckerle, Piper Verlag. Portraits und Geschichten um Pilotinnen, leider ohne Bilder.

Warum sie oben bleiben von Jürgen Heermann, Insel Verlag. Wissenswertes zwischen Start und Landung, der passende, verständlich geschriebende Flugbegleiter für Passagiere.

Jacqueline Auriol, eines ihrer Bücher "I Live to Fly". Wikipedia-Infos: Jacqueline Auriol - über die schnellste Frau der Welt.

Pilotenausbildung bei der Lufthansa
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