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Japanlink - Informationen über Japan in Deutschland


Interview mit Andreas Fels, Gründer und Leiter des Portals "Japanlink"
Die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz

Frühling in JapanWirtschaftswetter: Herr Fels, was fasziniert Sie an Japan?

Andreas Fels: Die Gegensätze, die einem in vielen Alltagssituationen begegnen: Z.B. gelebte Tradition versus Lifestyle nach amerikanischem Vorbild, Hightech versus No-Tech in japanischen Haushalten, Slapstick versus extreme Gewalttätigkeit in manchen japanischen Filmen.

Wirtschaftswetter: Und was an den Japanern?

Andreas Fels: All diese Gegensätze und das japanische Gesellschafts-Prinzip uchi-soto zu meistern und das meist ohne anzuecken.


Wirtschaftswetter : Japaner und Deutsche: Können Sie Gemeinsamkeiten entdecken oder überwiegen eher die Unterschiede?

Andreas Fels: Beide sind in ihrer Gegenwartskultur stark US-beeinflusst. Ferner haben sowohl Japan als auch Deutschland eine ähnliche Nachkriegsgeschichte mit rasantem wirtschaftlichem Aufstieg durchgemacht und ein entsprechendes Selbstbewusstsein aufgebaut. Nun plagen beide Gesellschaften ähnliche Probleme wie Überalterung, Arbeits- und Orientierungslosigkeit.
Erfolgsbranchen wie die Automobilindustrie kämpfen mit Absatzschwierigkeiten - wobei hier wie dort Unternehmen wie Toyota oder BMW den gegenwärtigen Trends zu trotzen vermögen.
Manga-ManiaAbgesehen vom Wirtschaftlichen lassen sich deutliche Unterschiede zwischen Japanern und Deutschen beobachten was das soziale Miteinander angeht: Dieses ist in Japan untereinander zwar meist respektvoll, doch auch stark vom bereits erwähnten "uchi-soto" geprägt. Andere persönlich oder gar freundschaftlich kennenzulernen, die sich nicht innerhalb der eigenen Gruppe (z.B. Abteilung, Abstammung, Klasse, Sportclub) - also "soto"- befinden, ist zumeist sehr schwer bis unmöglich.

Wirtschaftswetter : Würden Sie sagen, dass die Bürger Nippons generell technikaffiner als die Deutschen sind?

Andreas Fels: Definitiv. Dies beginnt bei sprechenden Telefonen und Getränkeautomaten und ist besonders deutlich in der Unterhaltungselektronik zu erkennen. Nicht umsonst ist Japan hierfür einer der größten Testmärkte. Was hier in Nippon keine Abnehmer findet, wird nirgendwo funktionieren. Ein schönes Beispiel für die ausgeprägte Affinität sind die auch hier bekannten Bilder von jungen bis mittelalten Japanern, die tagelang vor Erscheinen eines besonders begehrten Hightech-Gadgets vor einem Elektronikladen kampieren - wie kürzlich noch bei Erscheinen der mobilen Spielkonsole Sony Playstation PSP.

Wirtschaftswetter: Wie kamen Sie auf die Idee zur Webseite "Japanlink"? Können Sie uns ein bisschen aus der Entstehungsgeschichte erzählen?

Andreas Fels: Aus einer ganz pragmatischen Erfahrung heraus. Ich habe Japanologie studiert und musste feststellen, dass es so gut wie unmöglich war, brauchbare Informationen zum Themenkomplex Japan für Referate oder Hausarbeiten im Internet zu finden. Hier gab es nur einige wenige Texte in Englisch und abgesehen von ein paar soziodemografischen und geografischen Daten nichts in deutscher Sprache. Diese Lücke versuchte ich mit einer Bekannten, die ich aus dem Studium kannte und vielen japanaffinen, freien Autoren, seit 1997 zu schließen.

Japanische MenüWirtschaftswetter: Wie funktioniert das Projekt, für wen ist es gemacht, wer nutzt es tatsächlich?

Andreas Fels: Ein festes Team von japanwissenschaftlich vorgebildeten Autoren sowie ein großer Pool freier Schreiber steuert Artikel zum großen Themenkomplex "Japan" bei. So kommt es, dass Artikel über die geschichtliche Muromachi-Periode neben Artikeln über den Merchandising Erfolg "Hello Kitty" erscheinen. Dadurch wird ein umfassendes Bild von Japan und seinen Bewohnern vermittelt, ohne dass wir einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben könnten oder wollten.

Wirtschaftswetter: Wo soll Japanlink noch hin, was wünschen Sie sich für die Zukunft ?

Andreas Fels: Zur Zeit arbeiten wir an einem umfassenden Relaunch der Seite. Dabei haben wir die Struktur der Seite, die Inhalte und das Design von Grund auf überarbeitet. Japanlink wird neben einer Vielzahl neuer Artikel auch neue Services bieten. Die Zugriffszahlen entwickeln sich in den letzten Jahren sehr positiv und wir hoffen natürlich, dass sich dieser Trend auch in der Zukunft fortsetzen wird. Zudem würden wir uns über noch mehr fachlich versierte, freiwillige Mitarbeiter freuen, die vielleicht auch irgendwann tagtäglich neue Inhalte ermöglichen.

Asakusa-LaterneWirtschaftswetter: Ihre Empfehlung für japanische Kultur und Speise in Deutschland?

Andreas Fels: Gerade in den letzten Jahren bieten sich immer mehr Möglichkeiten, auch in Deutschland japanische Filme im Kino anzusehen. Zurecht auch in unseren Breiten populär sind die Regisseure Sabu und KITANO Takeshi. Wer gerade erst beginnt, sich mit der japanischen Kultur auseinander zu setzen, wird bei ihren Filmen an die Hand genommen und lernt durch sie viele Facetten des japanischen Alltagslebens kennen. In Sachen Speise ist gerade zu dieser kalten Jahreszeit japanisches Curry (Kareeraisu) ein Segen. In seiner Schärfe stufenweise variierbar heizt er gehörig ein. Und durch Zugaben in Form von Spinat und Karotten wird der Vitaminhaushalt aufgefrischt. Mal was anderes als das inzwischen auch bei uns beinahe allgegenwärtige Sushi, allerdings auch etwas schwerer zu finden.

Wirtschaftswetter: Und was sollte sich der Reisende in Japan unbedingt anschauen?

Andreas Fels: Der Reisende sollte mit dem modernen Japan, dass er im modernen Tôkyô repräsentiert findet (eine Stadt, die teilweise die Bilder aus japanischen Anime-Filmen aufleben lässt), beginnen und über das ländliche Japan westlich des Millionenmolochs bis hin zur kulturellen Hochburg Kyôto bewegen. Mit diesem Trip, für den man sich mindestens zwei Wochen Zeit lassen sollte, bekommt man einen ersten Eindruck dieses vielfältigen Landes. Pflichtprogramm dabei: Die künstlich aufgeschüttete Insel Ôdaiba im Osten Tôkyôs mit futuristischer Architektur und unendlichen Vergnügungsmöglichkeiten sowie der Ginkakuji-Tempel in Kyôto.

Wirtschaftswetter: Herr Fels, herzlichen Dank für das Gespräch.

Informationen und Kontakt:   japanlink.de

2005-02-28 von Angelika Petrich-Hornetz
Text: ©Angelika Petrich-Hornetz + Gesprächpartner Andreas Fels
Fotos: ©Cornelia Schaible

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