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Notizen aus den USA

20.Teil

Sind sie eine Führungspersönlichkeit?

von Ines Kistenbruegger

Was ist das wichtigste Merkmal für jemanden, der Karriere machen will? Intelligenz? Nun, die schadet nie. Gute Leistungen, Referenzen und Zeugnisse? Sicherlich kein Hindernis. Teamgeist? Klar, keine Firma möchte darauf verzichten. Betrachten wir aber einmal den neuen Trend in der Wirtschaft, nach Menschen mit Führungsqualitäten zu suchen, so wird deutlich, dass Teamgeist längst passé ist. People Skills sind wichtig, allerdings eher, um eine Gruppe zu leiten und auf den richtigen Kurs zu setzen, als tatsächlich als ein funktionstüchtiges Mitglied einer solchen zu werden ...

So gibt es mittlerweile in den USA auch Reality-TV-Serien für die ehrgeizige und gebildete Bevölkerung.
Donald Trump suchte in der letzten Saison schon zum zweiten Mal nach „The Apprentice“. Eine Reality Show, in der 16 Männer und Frauen um eine Anstellung im Trump Imperium konkurrieren und 15 Wochen lang versuchen, ihre MitkonkurrentInnen auszustechen.
Das Prinzip dieser Sendung ist einfach. Zwei „Teams“ (ich sollte wohl auch diesmal eher Gruppe sagen, denn bei dem Gekeife der Teilnehmer untereinander erscheint das Wort "Team" gänzlich unangebracht) bekommen eine Aufgabe aus der Business-Welt gestellt. So lautete die allererste Aufgabe der Apprentice-Anwärter z. B. Limonade auf der Straße zu verkaufen. Mittlerweile gehören auch Werbekampagnen zu entwickeln, einen Hunde-Service anzubieten oder auch Häuser zu renovieren dazu.
Die "Siegergruppe" wird dadurch definiert, dass diese entweder am meisten Geld verdient, das Werbeprojekt gewonnen, oder die größte Wertsteigerung erreicht hat. Von der Verlierergruppe wird in einem Boardroom-Wortgefecht der Verantwortliche für das Versagen gefeuert.

Ich will mich jetzt gar nicht darüber auslassen, dass ich jede Woche aufs neue erstaunt bin, woher nur diese Bewerber eigentlich kommen (?). Es scheinen ziemlich schräge Typen mit wenig oder kaum common sense zu sein. Natürlich spielt der TV-Faktor eines Bewerbers eine große Rolle. Immerhin gilt es Zuschauerquoten hochzubringen und die Sendung spannend zu gestalten. Trotzdem bin ich ein leidenschaftlicher Zuschauer geworden. Was Big Brother, The Survivor, Fear Factor, und American Idol nicht geschafft haben, das hat nun Donald Trump erreicht. Jeden Donnerstag Abend ab 21:00 hänge ich vor dem Fernseher und sehe zu, wer diese Woche gefeuert wird.

Ein gutes Konzept wie dieses findet natürlich seine Nachahmer. So konnte ich gestern das erste Mal „My Big Fat Obnoxious Boss“ sehen. Eine Scharade auf „The Apprentice“. Allerdings handelt es sich hierbei nur um einen Joke, der sich anschickt, ein paar ehrgeizige und gebildete Teilnehmer dieser Gesellschaft ein paar Wochen auf den Arm zu nehmen. Bringt Geld ein und macht Spass. So durften diese Anwärter im letzten Jahr Geld auf der Straße erbetteln - Männer gegen Frauen. Der Gewinner (natürlich die Frauen) durfte auf unbequemen, geldgefüllten Matratzen ihrNacht verbringen, während die Loser diese auf der Straße wie Obdachlose überstehen sollten. Das in dieser Sendung geführte Wortgefecht im Boardroom verlief so anders als bei Donald Trump. Donald Trump wirft seine Verlierer raus, in dem er ihnen mangelnde Führungsqualitäten vorwirft (You are fired, ist durch ihn eines der neuen Schlagwörter geworden). Bei der Hoax-Show wurde derjenige gefeuert, der den teuersten Anzug trug. Zitat: “Was ich bei Ihnen sehe, ist eine teure Uhr und ein noch viel teurerer Anzug. Der hat mehr gekostet als meiner. Darum: Get the hell out of my office.“ Die Schlussfolgerung dieser Show ist dann sehr einfach zu definieren: Wer guckt nicht gerne zu, wenn sich andere Menschen zum Affen machen.

Donald Trump sucht Führungsqualitäten bei seinen Mitarbeitern. Das Wort „Leadership“ wird aber auch sonst sehr hoch angesetzt. Firmen fordern Ihre Mitarbeiter auf an Leadership-Seminaren teilzunehmen. Eines von Bush’s erfolgreichsten Argumenten gegen Kerry lautete: mangelnde Führungsqualitäten. Dieter Zetsche, amtierender CEO von Daimler Chrysler hier in Detroit, sagte in der Sendung „Leaders on Leadership“ auf die Frage, woher er seine Leadership Skills hätte: Erlernt im Laufe seiner Berufsjahre. Bei der Frage, ob Führungspersönlichkeiten nur führen oder auch einmal geführt werden dürfen, musste er schlucken. Generell, so war die Antwort, könnte und müsste ein Leader auch einmal darauf hören, was seine Untergebenen zu sagen hätten, aber normalerweise sei die Aufgabe eines Leaders, eine klare Richtung vorzugeben.

Der Streitpunkt bleibt, ob Führungsqualitäten erlernbar sind oder ob die Menschen mit diesen gar geboren werden. An diese Frage traut sich kaum jemand heran. Immerhin kann im Moment sehr viel Geld verdient werden, Leadership Trainings zu verkaufen. Sei es in Buchform oder auch als Seminar. Amerikaner sind heiß auf Hinweise, wie ihre Karriere aufgestockt werden kann.
Dabei sind sich die meisten Führungskräfte einig: Nicht die Karriereplanung bringt einen nach oben, sondern der stete Wille das Beste zu geben. Und natürlich müssen sich eröffnende Gelegenheiten beim Schopf ergriffen werden, auch wenn diese risikobehaftet sind. Somit ist eine Karriere ein Zufallsprodukt und wie so häufig im Leben erweist sich einfach derjenige als Sieger, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Detroit, 2004-12-25 copyright by Ines Kistenbrügger
Text: ©Ines Kistenbrügger
Banner Foto: ©Cornelia Schaible, aph

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