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Das bisschen Haushalt

Familiäre Arbeitsteilung in Theorie und Praxis

von Birgid Hanke

Gepflegter Haushalt Ach ja, ach ja!
Es ist dieses Sissyphusale, was mich an dieser Arbeit im Haushalt so fertig macht. Nichts hält vor, sondern läuft kaum, dass frau den Haushalt erledigt hat, sofort wieder auf. Nie, nie, nie gibt es einen endgültigen Schlussstrich. Klappe der letzten Einstellung! Schluss, aus, vorbei!

Ich bin absolut keine perfekte Hausfrau, nicht ordentlich und pingelig, aber habe einen gewissen ästhetischen Anspruch an meine unmittelbare Umgebung. Ich muss mich in meinem Umfeld wohl fühlen, was nicht heißt, alles superordentlich und blank geputzt. Aber Farben, Beleuchtung, die mich umgebenden Gegenstände in bestimmten Aufenthaltsbereichen müssen stimmen. Wozu eben keine leeren Bierflaschen und dreckigen Gläser vom Vorabend am hellichten Morgen gehören, am Ende unmittelbar nach dem Aufstehen, wenn ich die Wohnküche betrete. Also klare ich immer noch vor dem ins Bett gehen einmal auf.

Morgens hätte ich eben lieber frisch aufgebrühten Tee in der Kanne auf dem Stövchen vor meinen wider Willen geöffneten Augen. Diesen Wunsch muss ich mir jedoch schlaftrunken selbst erfüllen. Ein sich selbst deckender Frühstückstisch bleibt für immer und ewig ein unerfüllbarer Traum.
Das ist eben die Falle, dass ich eben nicht auf Dauer alles stehen und liegen lassen kann. Nicht mehr! Es war einmal anders. Aber das ist nun schon einige Jährchen her. Nehme ich mir vor, nichts mehr nachzuräumen, knicke ich irgendwann doch wieder ein.

Ich wünschte mir, ich würde es schaffen, die Kinderzimmertür einfach geschlossen zu lassen, diesen Saustall nicht mehr betreten zu müssen, es wirklich NIE MEHR ZU MÜSSEN. Aber dahinter lauert leider der Schimmelpilz, wenn nicht Schlimmeres mehr. Das können sie später in ihrer eigenen Wohnungen machen, alles so vergammeln lassen. Aber nicht in meinem Haus! Da haben sie sich anzupassen und sich bestimmten Regeln zu fügen, sprich einmal die Woche aufräumen - also Krach, Gebrülle und Geschrei am Wochenende.

Ich habe eine ganz liebe, tüchtige Putzhilfe, die mich immer mit ihren großen Augen anschaut, wenn ich mich für den Zustand der Kinderzimmer und den aufgelaufenen Riesenwäscheberg (nur gewaschen und trocknerverknuddelt) entschuldige, und zu mir sagt:
"Kinder, Kinder, kein Problem." (mehr Deutsch kann sie leider auch nicht, aber ich liebe die Sprache ihrer Augen.)
Dann beginnt sie zu räumen und zu putzen und zu bügeln.
Von Beginn unserer Ehe an habe ich mich geweigert, die Hemden meines Mannes zu bügeln, denn was habe ich mit seinen Hemden zu tun? Würde er meine Blusen bügeln? Ich habe gar keine, (weil die ja zu bügeln wären...)

Meine nette Putzhílfe bedeutet für mich zwar Entlastung, aber auch eine Falle, denn ich habe auch schon die flapsige Antwort von meinem Kind zu hören bekommen: "Was regst du dich über mein Zimmer auf ? Morgen kommt doch Malicha."
Dann steigt in mir heiße Wut hoch über dieses verwöhnte Gör. Was bildet es sich eigentlich ein? Soll es sich doch in Zukunft gefälligst alleine um seinen Dreck und das selbst verursachte Chaos kümmern. Der nächste Meineid, das Kinderzimmer NIEE mehr zu betreten, NIE wieder über dessen Zustand ein Wort zu verlieren, ist schon wieder geschworen. Demnächst wird sich die nächste Generation mit dem Taschengeld an den Kosten für Malicha beteiligen müssen, nehme ich mir außerdem vor.

Das reine Verursacherprinzip: Wer was angestellt hat, beseitigt auch die Folgen, ist eine wunderbare Theorie.
Das hieße in der Praxis: Jeder wäscht seine Wäsche selbst. Das verträgt sich leider nicht mit unserem Umweltbewusstsein. Von den Stromkosten ganz zu schweigen.
Würde ich es zulassen, liefe jeden Tag die Waschmaschine, mit dem Lieblings-T-Shirt und der Lieblingshose, weil ja nur diese beiden getragen werden. ... Eine Stunde Trockner, um jene zwei Teile sofort wieder tragen zu können, nicht zu vergessen.

Jeder kauft nur für sich und nach seinem Bedarf ein, ernährt sich nur nach seinen persönlichen Vorlieben?
Dann schleppte die Kleine wahrscheinlich zuallererst das Magnumkiloglas Nutella und dazu vier Packungen Toastbrot an; meine Große würde sich von Cornflakes, Instantsuppen und Kartoffelchips ernähren, ich mich von Salzmandeln, Macadamianüssen, zwecks Vitaminausgleich ab und zu ein Butterbrot mit grüner Gurke und einem Glas eiskalter Milch. ....Und mein Mann kochte sich einen Fünf-Liter-Topf Linsensuppe, die wir anderen verabscheuen, dessen Inhalt er stoisch Abend für Abend auslöffelte.
„Mmmh, wird von mal zu mal leckerer !“

Aber wir sind nun einmal eine vierköpfige Familie, wo gemeinsam gegessen wird, jeder die ihm zugeteilten Aufgaben zu erfüllen hat, in der Pflichten, aber auch Freuden gemeinsam getragen und erlebt werden. Theoretisch!
In der Praxis sieht das so aus:
Mein Mann hat in den zwei Jahren, seit seine große Tochter aufs Gymnasium geht, an keinem einzigen Elternabend teilgenommen. Auch vor dem Einführungsabend für die Einschulung der Kleinen hat er sich gedrückt. „Ich wusste doch gar nicht, wo das war.“ Die Schule liegt um die nächste Straßenecke, Luftlinie etwa 150 m von unserer Haustür entfernt.
Das rächte sich: Auch seine euphorischen, mit Superlativen gespickten Schilderungen des Fußballspiels, das SEIN Verein gewonnen hat, werden von mir nur mit einem müden Achselzucken honoriert.

Thema Spülmaschine: Meine Große steht davor, als hätte sie so etwas noch nie gesehen.
Küche ausfegen? Da handhabt sie den Besen, als habe sie dergleichen noch niemals in der Hand gehabt. Sie scheint damit völlig überfordert.
Ich fühle mich der Anforderung, als 24-stündiges Dienstleistungscenter zu fungieren, nicht gewachsen. Nein, diese Funktion bin ich auch gar nicht bereit zu übernehmen. Legislative und Judikative in Personalunion innerhalb der Familie? Jawoll, das bin ich! Sind beide Elternteile, denn von uns werden die Regeln bestimmt.
Meinem demokratisch geprägten Über-Ich sträuben sich die Haare. Aber dem Es eines familiären Konglomerats ist nicht anders als diktatorisch beizukommen.
Oder wie eine erfahrene Familientherapeutin einmal zu mir sagte: „Bis zu einem gewissen Alter müssen Kinder einfach wissen und akzeptieren, wo das Klavier steht.“ Die Rolle der Exekutive, der “vollstreckenden Gewalt“ innerhalb des Alltags haben hingegen alle Mitglieder der Familie auszufüllen. Theoretisch!

Die beste Hausfrau bei uns in der Familie ist sowieso unser Vater, der auch das perfekte Vorbild in seiner Mutter hat, deren Lebensinhalt der Haushalt und, "Was denke die Leut`, wenn ich die Fenster nicht jede Woche putze?" Entsprechend hoch das Konfliktpotenzial in unserem Alltag, weil er diesen Maßstab verinnerlicht hat und diese Elle auch in unserem Haushalt anlegt.
Mir ist das so was von schietegooool, was die Nachbarn denken.
Fenster putze ich grundsätzlich nicht. Das macht mein Mann. Wenn er es nicht mehr aushält, weil die Scheiben einfach zu blind und schmutzig sind,und er macht es gut. Viel besser als ich, bei ihm bleiben nie Schlieren und Streifen zurück.
Den Staubsauger liebt er auch mehr als ich. Entsprechend häufiger benutzt er ihn. Ich hasse dieses Teil und ignoriere es, so weit es geht ... Er liebt auch das Einkaufen, also lasse ich ihn ... meistens. Und ich lasse auch mal die ganze Familie auflaufen, was den Inhalt des Kühlschranks anbelangt, denn obwohl wir sehr sparsam einkaufen, wird immer noch viel zu viel weggeworfen ... weil's ja doch wieder zu Doppeleinkäufen gekommen ist.

Meine einzige hausfrauliche Passion, nämlich Kochen, kann ich nur ausleben, wenn ich Freunde zum Essen einlade. Diese zu laben, bereitet mir großes Vergnügen und Freude; ihnen vice versa, sich zu laben und mich zu loben. Koche ich nur für uns, hat immer eine/r was zu nörgeln und meckern.
„Iiiiiiiih! Da sind ja Pilze in der Soße!“
„Pfui Deibel, Milchreis ist doch kein Essen!“
Übereinstimmung bei allen dreien, was die Ablehnung von frischem Gemüse und gesunden Salaten anbetrifft ...
Gemeckert wird immer. Reduziere ich das Abendessen traditionell, wie es bei uns früher zu Hause üblich war, auf Brote mit Wurst und Käse, wird ebenso gejault.
„Warum hast du heute NICHT was Leckeres gekocht?“
Wie sagt meine Mutter, die auch nur eine unwillige Hausfrau ist:
"Im Haushalt sieht man immer nur, was NICHT gemacht ist, niemals wird gesehen und gewürdigt, was gemacht wurde.“
Oder ist jemals eine Hausfrau für schön geputzte Fenster, ein perfekt gewaschenes Handtuch, einen untadelig gesaugten Teppich oder ein toll gebügeltes Hemd gelobt worden?
Nicht umsonst hat die amerikanische Frauenbewegung schon vor etlichen Jahren Haushaltsarbeit klipp und klar als "Shitwork" bezeichnet. It is Shitwork! Oder etwa nicht?

Geputzte FensterWas mich andererseits nicht davon abhält, allerhöchsten Respekt vor meiner tüchtigen Putzhilfe zu haben. Ich hätte sie heute umarmen können, als sie nach vier Stunden Schufterei das Haus verließ, denn alles war tipptopp.
Dann kamen meine Kinder nach Hause, stapften mit schmutzigen Schuhen durch den frisch geputzten Flur, setzten sich einfach nur an den Esstisch und aßen etwas, und dann gab es dreckige Teller, flogen Klamotten und Schulsachen kreuz und quer durch die Gegend und nach zwanzig Minuten sah es wieder so aus, als sei Malicha nie da gewesen.
Ich sagte es bereits: Sissyphus!

2005-03-28 by Birgid Hanke
Text: ©Birgid Hanke
Fotos: ©Ines Kistenbrügger
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Schlussredaktion: Ellen Heidböhmer

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