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Sa(r)gen Sie mal ...

Sarg und Grabstein in der Gegenwart

von Dr. Adelheid Salitz-Schatten

... haben Sie bei Gelegenheit schon das eine oder andere Mal an später gedacht? Um genau zu sein: an Ihr Ableben oder an den Tod eines nahestehenden Menschen? Zugegeben, es ist kein Thema, an das man gerne denkt, aber da dieses Schicksal ja nun wirklich jeden ereilt, sind einige Gedanken durchaus angebracht.

Vor allem die Bestattung will wohlüberlegt sein: Mit der Wahl des Sarges, der Ausstattung und der Begräbnisfeier möchte man dem Dahingeschiedenen noch einen letzten Liebesdienst erweisen und auch allen Anwesenden zeigen, welches Ansehen der Verstorbene hatte. Der so zum Ausdruck gebrachten Wertschätzung stehen allerdings häufig die Kosten entgegen, die mittlerweile ein beachtliches Maß erreicht und so manchen Wunsch nach einer pompösen Bestattung zunichte gemacht haben. Sterben ist in Deutschland ein teures Unterfangen geworden. Die Nachfrage bestimmt den Preis: Wir sind schließlich alle gesetzlich dazu verpflichtet, die Leistungen eines Bestattungsunternehmers in Anspruch zu nehmen. Die Preise für ein normales Begräbnis ohne jeglichen Luxus haben denn auch bereits schwindelnde Höhen erreicht.

Die Verordnungen in Deutschland, die das Bestattungswesen und die Totenkultur regeln, sind im Vergleich zu vielen anderen Ländern extrem streng und nicht immer nachzuvollziehen. Der Gesetzesdschungel ist hier besonders dicht. Und von Ort zu Ort gelten häufig auch noch eigene Bestimmungen, was die Sache nicht gerade vereinfacht.

Sarg und Urne als Kunstwerk

Die strengen Gesetze und die recht starren Bräuche werden allerdings in der letzten Zeit zunehmend aufgeweicht. Das Bestattungsgewerbe versucht, alternative Wege in der Trauerbegleitung zu gehen und entwickelt ganz neuartige Begräbnismethoden. Der Abschied für immer wird allmählich individueller und vielfältiger als bisher. Die Trauernden sollen die Möglichkeit bekommen, selbst aktiv zu werden und sich in besonderer Weise an den Verstorbenen zu erinnern.

Sie können beispielsweise in einigen Bestattungsunternehmen den Sarg oder die Urne individuell bemalen und mit verschiedenen Gestaltungselementen verzieren. Die Vorlieben, das Wesen, vielleicht auch die Hoffnungen und Wünsche des Verstorbenen können bildlich dargestellt werden. Genau so ist es natürlich möglich, einen letzten Gruß direkt auf den Sarg zu schreiben - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer eine gewisse Hemmung verspürt, sich selber kreativ zu betätigen, kann auch seine Vorstellungen im Beratungsgespräch äußern und sie von den Mitarbeitern des Institutes umsetzen lassen – oder einen fertig bemalten Sarg, eine Urne im bunten Design aus einem Katalog auswählen.

Neben religiösen und anderen herkömmlichen Motiven hat die Industrie auch für besonders ausgefallene Geschmäcker etwas zu bieten: So verkaufen mittlerweile einige Fußballvereine Särge und Urnen in ihren Vereinsfarben, und die amerikanische Rockgruppe „KISS“ hat für eingefleischte Fans einen poppig bunt und fetzig bemalten Sarg entwickelt.

Wer für sich selbst oder einen verstorbenen Angehörigen einen bunten oder anderweitig ungewöhnlich verzierten Sarg wünscht, sollte sich vorher allerdings unbedingt nach den regionalen Verordnungen erkundigen: Es gibt nämlich etliche Städte und Gemeinden, die bunte Farben auf dem Friedhof als pietätlos - oder auch ganz ohne Angabe von Gründen - verbieten.

Do it yourself: Särge zum Selberbasteln

Was viele nur von den Vorbereitungen für Halloween kennen, nämlich das Basteln von Särgen, gibt es auch „in echt“: den Sarg für den Eigenbau. Noch recht umstritten, weil pietätlos billig, ist ein Sarg aus Altpapier und Cellulose im Holzdesign, verleimt mit Kartoffel- und Kaktusstärke. Er kommt als 12 kg schwerer Bausatz in einem unscheinbaren Paket mit der Post ins Haus. Zusammengefaltet sieht er ganz unverfänglich aus, wie ein Umzugskarton. Wird er gebraucht, erfolgt der Zusammenbau mit wenigen Handgriffen; dazu muss man noch nicht einmal ein gewiefter Heimwerker mit Profi-Werkzeug sein, die beiliegende Anleitung ist leichter durchschaubar als die mancher Selbstbau-Möbelstücke.
Stabil ist die Kiste trotz des ungewöhnlichen Materials: Bis zu einem Körpergewicht von 200 kg ist der Transport unbedenklich möglich.

Viele konservative, der traditionellen Bestattung verbundene Bestattungsunternehmer lehnen den Do-It-Yourself-Billigsarg trotz seiner unbestreitbaren Vorteile ab; für sie stellt nur der aufwändig (und teuer ausstaffierte) Edelholzsarg oder die hochglanzpolierte Urne ein würdiges Gefäß für die letzte Ruhe dar.

Immer mehr Menschen sehen dies jedoch anders: Zum einen, weil sie nicht einsehen mögen, dass ein kostspieliger hölzerner Behälter zum Verrotten in der Erde vergraben wird. Aber auch pekuniäre Gründe wiegen schwer. Das alltägliche Leben mit all seinen Unkosten stellt manch einen vor große Probleme. Da reißt eine herkömmliche Bestattung ein viel zu großes Loch in den Geldbeutel. Der selbstgebaute Sarg ist aus nachvollziehbaren Gründen erheblich preiswerter und erfüllt dennoch den selben Zweck wie ein teures geschreinertes Stück.

Ein weiterer Vorteil: Durch die Materialwahl zersetzt sich der Pappsarg im Erdreich sehr viel schneller als ein massiver Holzsarg – angesichts der Überbevölkerung der Städte und der damit einhergehenden Verknappung an Bestattungsstätten ein sicher nicht zu verachtendes Argument.

Zu Lebzeiten Kommode, nach dem Tod Sarg

Ein Weimarer Designer geht noch einen Schritt weiter: Er bietet ein Sarg-Set an, das jeder nach eigenen Vorstellungen aus mehreren „Modulen“ zusammenbauen kann. Vier verschiedene Deckel und Böden stehen zur Auswahl, die nach Belieben kombiniert werden können. Der Behälter, der auf diese Weise nach dem Baukastenprinzip entsteht, hat eine ganz eigene, individuelle Form.

Eine amerikanische Firma bietet im Internet einen hölzernen Bastelsarg an. Er kommt per Schiff flach zusammengelegt zum Kunden und kann ohne Werkzeug innerhalb weniger Minuten aufgestellt werden. Die Aufbauanleitung liegt selbstverständlich bei, kann aber auch auf der Homepage des Anbieters studiert werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und gerne rechtzeitig vorsorgt, kann den Sarg auch schon zu Lebzeiten ordern und ihn als Kommode im Wohnzimmer aufstellen – Sarg mit Doppelnutzeffekt sozusagen. Außerdem erspart man auf diese Weise seinen Angehörigen nach dem Dahinscheiden die Qual der Sargwahl und zudem auch noch die Sargkosten.

Eigenbau-Vitrine als Grabstein

Eine ungewöhnliche Idee haben zwei Würzburger Künstler in die Tat umgesetzt und auch bereits patentieren lassen: Sie haben einen Grabstein inklusive Inschriftentafel im Angebot, der nach individuellen Gestaltungsideen aus verschiedensten Materialien selber zusammengebaut werden kann. Die Grundform ähnelt einer Vitrine mit Metalleinfassung. Zwischen die pflegeleichten Glasscheiben kann unterschiedliches Gestaltungsmaterial wie Blumen, Zier- und Erinnerungsstücke, Fotos, Briefe usw. gestellt, gehängt oder gelegt werden. Es stehen mehrere „Grunddesigns“ zur Verfügung, die nach den eigenen Vorstellungen verändert werden können. Der Aufbau gestaltet sich einfacher als der Zusammenbau eines Möbelstückes, denn nur sechs Schrauben sind festzudrehen, dann steht der Grabstein. Er wird als 100 kg schweres Paket geliefert, das alles Nötige enthält, Granitsockel, Umrandung und zwei Regale zum Anbringen der Gestaltungselemente inbegriffen. Auch hier ist bei Interesse Rücksprache mit dem zuständigen Amt zu empfehlen, denn manche Friedhofsverordnungen lehnen eine „eigenbrötlerische“ Grabgestaltung rigoros ab.

Letzte Reise

Gut gewappnet auf „die letzte Reise“

Echte Heimwerker geben sich mit vorgefertigten Bastelsets allerdings nicht zufrieden, sie übernehmen auch die Planung selbst. Ein betagter Franzose verbrachte einen Teil seines Lebensabends mit der Konzeption seines Sarges und bereitete sich umsichtig auf alle Eventualitäten vor. Bei seinem Entwurf und der sorgfältigen Ausführung berücksichtigte er auch die Möglichkeit des Lebendig-Begraben-Werdens und fügte der „Grundausstattung“ seines Sarges noch einen Ventilator für ausreichende Luftzufuhr sowie Proviant für mehrere Tage bei - sogar eine kleine Portion Schnaps befindet sich darunter. Damit er sich im Fall des Falles eines irrtümlichen Begräbnisses auch bemerkbar machen kann, baute er zusätzlich eine bewegungsempfindliche Alarmanlage mit einer beachtlichen Reichweite von immerhin 500 Metern ein. Gruseln Sie sich nicht: Wer kreativ ist - so die Lehre des Franzosen - findet für alles eine Lösung, selbst für die eigene Bestattung. Daran gibt es nichts zu beanstanden.

2005-04-08 by Dr. Adelheid Salitz-Schatten
Text: © Dr. Adelheid Salitz-Schatten
Banner: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos: © Sabine Neureiter
Schlussredaktion: Ellen Heidböhmer

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