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Studiengebühren Pro und Contra VII

Contra: Familien sind ohnehin schon über Gebühr belastet


Interview mit Ursula Walther, Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes (BEV) und stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats (BER).
von Angelika Petrich-Hornetz

Am 26.01.2005 entschied das Bundesverfassungsgericht über die 6. Novelle des Hochschulrahmengesetzes. Das bis dahin geltende bundesweite Verbot von Studiengebühren ist nichtig. Einige Bundesländer planen Studiengebühren einzuführen, andere nicht. Wir baten Gegner und Befürworter von Studiengebühren um eine Stellungnahme und Einschätzung.
Unsere nächste Gesprächspartnerin ist Ursula Walther, Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbandes (BEV) und stellvertretende Vorsitzende des Bundeselternrats (BER).

Wirtschaftswetter : Frau Walther, Sie haben Germanistik und Anglistik studiert. Wie haben Sie Ihr Studium in Erinnerung, wurden Sie finanziell unterstützt?
Ursula Walther: Zuerst erhielt ich ein Stipendium nach dem Honnefer Modell. Damals zahlten die Studenten noch an jeden Professor ein so genanntes Hörergeld. Das wurde uns armen Studenten erlassen. Später gab es Bafög, das ich teils zurückgezahlt, teils "abgekindert" habe.

Wirtschaftswetter : Was hält der Bundeselternrat von Studiengebühren, gibt es dazu eine einheitliche Meinung?
Ursula Walther: Der Bundeselternrat lehnt Studiengebühren ab. Die Elternvertreter - Landeselternvertretungen, Bundeselternrat und Elternverbände - lehnen Studiengebühren mit der Begründung ab, dass die Kosten für Bildung nicht noch stärker ins Private verlagert werden dürfen. Weiter sagen die Elternvertreter: Die Familien seien ohnehin schon über Gebühr belastet, Bildung sei schließlich kein reines Privatvergnügen, sondern gebildete junge Menschen nützten ja wiederum der Gesellschaft.
Der Bayerische Elternverband sieht die Sache etwas differenzierter: Wenn es schon um allgemeine Bildungschancen geht, dann müssten eher die Kindergärten gebührenfrei sein als die Universitäten, denn hier entscheiden sich bereits die Lebenswege. Wer bis zum Abitur gekommen ist, gehört ohnehin zu den Privilegierten. Am liebsten ist den Elternvertretungen natürlich die kostenlose Bildung für alle, das ist völlig klar.

Wirtschaftswetter : Wie beurteilen Sie die sogenannten nachlaufenden Modelle für Studierende aus Familien, die finanziell weniger gut ausgestattet sind? Ist die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung des Erststudiums, die dann erst im Berufsleben zurück gezahlt werden müssen, zumutbar?
Ursula Walther: Siehe oben, Beschluss des BER - ein eindeutiges Nein zu Studiengebühren. Persönlich finde ich Studiengebühren nur solange nicht ganz so dramatisch wie sie wirklich den Universitäten zugute kommen - die Zustände dort sind unhaltbar und bedürfen dringend der finanziellen Unterfütterung - vorausgesetzt, dass die Studenten Darlehen erst dann zurückzahlen müssen, wenn sie sich das wirklich leisten können.

Wirtschaftswetter: Die Bundesrepublik Deutschland hat ein demografisches Problem. Eine große Zahl von Akademikerinnen verzichtet bereits ganz auf Kinder. Immer noch verdienen Frauen weniger, selbst wenn sie voll berufstätig sind. Werden sich Studiengebühren Ihrer Meinung nach auf die Kinderzahl von jungen Akademikerinnen auswirken?
Ursula Walther: Nein. Darüber gibt es auch keine Stellungnahmen der Elternvertretungen. Ganz persönlich glaube ich nicht, dass Studentinnen nun das Studium an den Nagel hängen, weil es zu teuer wird, und stattdessen an Herd und Gitterbettchen zurückkehren.

FamilieWirtschaftswetter: Eltern zahlen auch außerhalb der Universitäten immer mehr für die Ausbildung ihrer Kinder, z. B. wurde in vielen Bundesländern die Lernmittelfreiheit abgeschafft. Rütteln die Länderparlamente mit der zunehmenden Privatisierung von Ausbildung am Generationenvertrag?
Ursula Walther: Was hat das mit dem Generationenvertrag zu tun?

Wirtschaftswetter: Anders gefragt: Warum sollte eine kleine Angestellte mit ihren Abgaben dem jungen Akademiker das Studium finanzieren, und warum sollte der junge Akademiker mit seinen Abgaben der kleinen Angestellten den Lebensabend finanzieren?
Ursula Walther: Aus Solidarität. Andernfalls könnten wir die Gesellschaft zumachen.

Wirtschaftswetter: Frau Walther, vielen Dank für dieses E-Gespräch.

2005-05-17 von Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz und Gesprächspartnerin Ursula Walther
Foto "Ursula Walther": © Hans von Draminski
Foto "Familie": © Cornelia Schaible
Schlussredaktion, Korrektorat: Ellen Heidböhmer

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