Wirtschaftswetter       Banner Wirtschaftswetter-Themen, Schwerpunkt La Dolce Vita Link Wirtschaftswetter-Werbung


Raffinierte Technik gegen Klettermaxen und Langfinger

von Annegret Handel-Kempf

Haus Entspannt in den Urlaub fahren, das funktioniert nur im guten Gefühl, dass Haus oder Wohnung vor Einbrechern geschützt sind. Auch jenseits der Urlaubszeit lässt man tagsüber das eigene Heim angstfreier zurück oder geht abends beruhigter ins Bett, wenn Sicherheitstechnik die Wächterfunktion gegenüber uneingeladenen Besuchern übernimmt.

Sobald es mit Beginn der kalten Jahreszeit früh dunkel wird, steigt die Zahl der Einbrüche auch jenseits der Ferien der Kriminalstatistik zufolge an. Bis Ende März machen sich die Langfinger, vorzugsweise an Wochenenden zwischen 17 und 21 Uhr, besonders über Reihen-, sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser in reinen Wohngebieten her. Damit Bewegungsmelder mit Halogenstrahlern und Sirenen-Alarmanlagen nicht bei jeder streunenden Katze losgehen, sollten die anvisierten Kaufobjekte auf Herz und Nieren geprüft, und eine fachgerechte, individuelle Beratung der Schnäppchenjagd auf der Suche nach geeigneten Sicherheitsvorrichtungen vorgezogen werden.

Tipps von den Freunden und Helfern

Gute Tipps zum sinnvollen Schutz des Lebensumfeldes gibt es von der Polizei. Etwa ein Drittel der Einbruchsversuche wird den Behörden zufolge durch Sicherheitstechnik bereits im Versuchsstadium verhindert. Herstellerverzeichnisse, etwa zu Einbruch hemmenden Fenstern, Terrassen- und Balkontüren stellen die Freunde und Helfer häufig im Internet bereit - unter den Webadressen der Polizeibehörden des jeweiligen Bundeslandes. Kostenlose Prospekte zum Thema Einbruchschutz liegen in jeder Dienststelle bereit. Damit die Versicherung im Schadensfall nicht grobe Fahrlässigkeit geltend machen und die Schadenwiedergutmachung verweigern kann, ist möglicherweise eine individuelle Information oder ein Testbesuch durch einen Kriminalpolizeilichen Fachberater sinnvoll. Einfach beim nächstgelegenen Revier nachfragen, ob, beziehungsweise wo genau, ein solcher Service, wie es ihn etwa in Berlin gibt, angeboten wird.

Auf den richtigen Widerstand kommt’s an

Langfinger Soll der kritische Betrachter oder ein ungebetener Gast nicht zu viele Schlupflöcher vorfinden, die Einbrechern Tür und Tor öffnen, ist es sinnvoll, bereits beim Bau eines neuen Hauses, beziehungsweise beim Umbau, an knacksichere Schutzvorrichtungen zu denken. Auch beim Einzug in eine neue Wohnung müssen entsprechende Vorkehrungen noch vor der Möblierung getroffen werden, vorausgesetzt, der Vermieter ist damit einverstanden und übernimmt vielleicht sogar einen Teil der Kosten.

Warum nicht einfach Rollläden runter und die Langfinger bleiben draußen? Schön wär’s, doch eignen sich nur in Einzelfällen DIN-geprüfte, einbruchhemmende Rolläden der Widerstandsklasse zwei als Barriere vor Wohnungseinbrechern. Standardrollläden ohne Zusatzsicherungen, die tagsüber sowieso nicht heruntergelassen werden sollten, um nicht zu Abwesenheits-Meldern zu werden, lassen sich leicht hochschieben oder aus den seitlichen Führungen ziehen.

Fenster, sowie Fenster-, Balkon- und Terrassen-Türen, die im Erdgeschoss liegen oder die mit Aufstiegshilfen wie Balkonen, Vordächern, Gartenmöbeln und Mülltonnen problemlos erklettert werden können, sind deshalb besonders davor zu schützen, aus den Verankerungen gehoben zu werden. Zu diesem Zweck wird ein Aufhebelschutz ab Widerstandsklasse zwei nach DIN V ENV 1627 empfohlen, wie ihn geprüfte, Einbruchhemmende Fenster oder Fenster-Türen bieten. Fenster, die nach der bis April 1999 gültigen Norm, der DIN V 18054, getestet wurden, entsprechen der Widerstandsklasse zwei.

Leicht erreichbare Fenster-, Terrassen- und Balkontüren müssen nach Einschätzung der Polizei generell mit einem abschließbaren Fenstergriff ausgerüstet oder mit aufschraubbaren Sicherungen versehen werden. Da ein abschließbarer Fenstergriff allein die unerwünschten Besucher noch nicht ausreichend abschreckt, sind jedoch die DIN-geprüften, einbruchhemmenden Fenster zu bevorzugen. Ein Herstellerverzeichnis bietet beispielsweise die Polizei in Bayern an. (Siehe unten, Informationen)
Deren Rahmen, Beschlag und Verglasung dürfen beim Praxistest keine Schwachstelle aufweisen. Die regelmäßige Fremdkontrolle einer verarbeitungsgenauen Produktion ist an den Gütezeichen „VdS“, „ift zertifiziert“ und „DIN geprüft“ zu erkennen. Verschließbare Teleskopstangen oder Gitter sollen das Einsteigen in offen stehende Fenster von Feucht- und Nutzräumen verhindern helfen.

Tür

Gehärteter Stahl gegen die Korkenziehermethode

Die Qualitätskontrolle einbruchhemmender Türen ist ebenfalls an den genannten Zeichen zu erkennen. (Siehe Infos unten) Wichtig ist, genauso wie bei der Fenstermontage, auch bei ihrem fachgerechten Einbau eine Montagebescheinigung zu verlangen, um so später im Versicherungsfall ihre Funktionstüchtigkeit nachweisen zu können. Stahl- beziehungsweise Feuerhemmende Türen taugen nur dann als Panzer gegen Langfinger, wenn es sich um DIN-geprüfte Multifunktionstüren handelt, die Einbruch- und Feuerhemmung in sich vereinen. Keller- und Nebeneingangstüren sollten wie die Eingangstüren einbruchhemmend nach DIN V ENV 1627 (alte Norm DIN V 18103) sein und mindestens Widerstandsklasse zwei aufweisen.

Der nachsperr- und nachschließgesicherte Schließzylinder am Türschloss darf nicht überstehen, sonst lässt er sich mit einer Rohrzange abbrechen. Ein Aufbohrschutz aus Hartmetall bietet Schutz gegen Türknacker, die mit der Bohrmaschine anrücken, wobei Außensteckdosen auf jeden Fall abschaltbar sein müssen. Die Stiftung Warentest empfiehlt besonders den CES 810 RE 5, der zudem einen Ziehschutz integriert. Einbrecher, die eine Spezialschraube in den Zylinder drehen und ihn wie einen Korken herausziehen wollen, haben keine Chance, weil sich die Schraube nicht in den gehärteten Stahl drehen lässt. Sinn machen auch zusätzliche Abdeckungen, die das Aufbohren oder das Herausziehen des Schließzylinders unmöglich machen sollen. Sicherheits-Türschilder, das sind Schutzbeschläge, die sich nicht von außen abschrauben lassen, schützen den Schließzylinder und das Einsteckschloss gegen Einbruchwerkzeuge. Bandsicherungen haken sich in den Türrahmen an der Bandseite ein, also dort, wo sich die Tür in den Scharnieren dreht, und wo Einbrecher besonders gerne ansetzen.

Haus Extra-Sicherheit versprechen Doppel- oder Querriegelschlösser, besser bekannt als Panzerriegel, bei denen ein Metallriegel den linken und den rechten Türrahmen unterhalb des Türschildes verbindet. So gut wie keinen Hebelpunkt lässt ein Stangenriegelschloss frei, da diese Mehrfachverriegelung die Tür zudem oben und unten verriegelt. Dieser Extra-Schutz kostet allerdings mehrere Hundert Euro. Testergebnisse und Anbieter-Adressen zu den einzelnen Türsicherungen gibt es bei der Stiftung Warentest, auch online.

Diebe scheuen das Licht des Bewegungsmelders

Außerdem sollte in Haus- beziehungsweise Wohnungstür ein Weitwinkelspion (mindestens 180°) eingebaut und beim Öffnen der Tür ein Sperrbügel vorgelegt sein. Licht schreckt Einbrecher ab. Ein Bewegungsmelder hilft dabei, außer Einbruchgefährdeten Bereichen auch den Zugangsweg beziehungsweise den Bereich vor der Tür gut genug zu beleuchten, um die mehr oder weniger willkommenen Besucher zu identifizieren. Letzteres wird zudem durch eine Türsprechanlage, kombiniert mit einer Videokamera, erleichtert.

Für Türen und Fenster bieten sich beispielsweise Öffnungs-, Verschluss- und Durchbruchmelder an. Im Haus lassen sich einzelne Räume mit Bewegungsmeldern oder Infrarot-Lichtschranken überwachen. Besonders raffiniert gestaltet sich die Kontrolle von Wänden mittels Alarmdrahttapeten und Körperschallmeldern.

Beim Kauf einer Einbruchmeldeanlage ist die Wahl des richtigen Alarmanlagengrads, beziehungsweise der geeigneten Alarmanlagenklasse, sehr wichtig, da sie der Höhe des jeweiligen Einbruchsrisikos entsprechen sollte. In den Polizeilichen Beratungsstellen vieler Bundesländer gibt es Adressennachweise zu qualifizierten Errichterunternehmen. Überfall- und Einbruchmeldeanlagen sind in Normen und Regelwerken ihrer Qualität entsprechend in verschiedene Grade eingeteilt, wobei Grad eins, der unterhalb der polizeilichen Anforderungen liegt, zu vermeiden ist. Die angeschafften Geräte müssen von einer nach DIN EN 45011 akkreditierten Prüf- oder Zertifizierungsstelle getestet sein und eine entsprechende Prüfnummer haben.

LangfingerBei einer so genannten Außenhautüberwachung werden Türen und Fenster oder andere zu sichernde Öffnungen mit Kontakten kontrolliert. Lediglich die durch Bewegungsmelder überwachten Bereiche, die einen Einbrecher besonders anlocken, umfasst eine Fallenüberwachung. Beides lässt sich auch kombinieren. Überfall- oder Einbruchmeldeanlage sollten ausgelöst werden, bevor die ungebetenen Gäste die mechanischen Sicherungseinrichtungen hinter sich gelassen haben. Das überwachte Areal darf nicht vor dem Unscharf-Schalten betretbar sein. Für Wartungen benötigen Sie genaue Verlege-, Verdrahtungs-, Anschluss- und Verteilerpläne.

Alarmiert wird fern oder nah oder in einer Kombination aus beidem: Beim Externalarm wird durch optische und akustische Signale der Täter abgeschreckt, beziehungsweise die Aufmerksamkeit der Nachbarn geweckt. Beim Fernalarm wird der elektronische Hilfeschrei an eine eingreifende Stelle weitergegeben. Durch den Internalarm werden die Bewohner aufgeschreckt, sofern sie zuhause sind, und die Anlage im Inneren scharf geschaltet.

Einbruchkontrolle über das Handy

Mehrere Funktionen vereint der beim Elektroinstallationshandwerk erhältliche Europäische Installationsbus (EIB), der alle Geräte des Haushalts vernetzt und mit Sensoren ausstattet. Bei technischen Schäden, insbesondere Brand-, Rauch- und Wasserschäden, oder bei Einbruchversuchen alarmiert der EIB festgelegte Notdienstzentralen. Damit Einbrecher gar nicht erst auf die Idee kommen, ein Haus heimzusuchen, wirken die Räume durch Ein- und Ausschalten der Beleuchtung, sowie durch Öffnen und Schließen der Rollläden, mithilfe des EIB belebt. Viele Funktionen des Europäischen Installationsbusses, zu denen auch die intelligente Organisation von Energieverbrauchern gehört, können über Handy auch jenseits der heimischen Vier Wände kontrolliert und gesteuert werden. Das Netzwerk aus Bewegungsmeldern, Thermostaten, Helligkeits-, Wind- oder Feuchtsensoren reagiert auf Veränderungen in seiner Umwelt, wobei die angeschlossenen Geräte über Infrarot, eine konventionelle Stromleitung, Funk oder eine Datenleitung kommunizieren.

Tür

Infraschallwellen als Wächter des Hauses

Elektronisch gesteuerte Alarmsysteme reagieren auf Veränderungen im Infraschallbereich. Da sich die fürs menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Infraschallwellen wandeln, wenn bei einem Einbruch die Außenhaut des Hauses durchbrochen wird, löst die montagefreie Anlage sofort lauten Sirenen-Alarm aus, der auf Wunsch telefonisch weitergeleitet wird. So soll vermieden werden, dass bei Bewegungen von Mensch und Tier, Zugluft und hörbaren Frequenzen wie Gewitter oder Überschallknall Fehlalarme initiiert werden. Die komplette Außenhaut zusammenhängender Räume mit bis zu 600 Quadratmetern Gesamtfläche wird über mehrere Etagen bewacht, auch bei gekippten Fenstern, da die Anlage nach der Aktivierung die Luftvolumina der zu sichernden Räume mit ihrer jeweiligen Schwingung misst und sich auf die vorgefundene Situation einstellt.

Mechanische Sicherungen wichtiger als Alarmanlagen

Dummies oder Attrappen von Videokameras und Alarmanlagen werden übrigens von professionellen Einbrechern schnell als Scheinschutz-Technik überführt. Selbst echte Einbruchmeldeanlagen verhindern nach Erfahrung der Polizei keinen Einbruch, sondern melden ihn nur. Ihre abschreckende Wirkung besteht darin, dass sie das Risiko der Tür- und Fensterknacker, entdeckt zu werden, deutlich steigern. Voraussetzung für einen wirklichen Einbruchschutz sind mechanische Sicherungen, die gut aufeinander abgestimmt sind, da sie den Eindringlingen in spe Widerstand entgegensetzen. Ideal ist es, mechanische Sicherungstechnik mit elektronischer Überwachung, die einen Überfallalarm umfasst, zu kombinieren.

2005-10-06 by Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Handel-Kempf
Illustrationen: © Angelika Petrich-Hornetz

zurück zu: Themen 

wirtschaftswetter

Kontakt: info@wirtschaftswetter.de
© 2003-2017 Online-Zeitschrift Wirtschaftswetter