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E-Interview mit Sabine Schutter, VAMV

E-Interview mit Sabina Schutter, wissenschaftliche Referentin des Verbandes alleinziehender Mütter und Väter (VAMV), Bundesverband
Die Fragen stellte Angelika Petrich-Hornetz

Wirtschaftswetter: Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen bei Alleinerziehenden auf. Wie gut fühlen Sie sich von einem Bundestag vertreten, unter dessen 614 Abgeordneten lediglich 2 Ledige, 2 Verwitwete, 3 Getrenntlebende und 21 Geschiedene mit Kindern vorhanden sind?

Sabina Schutter: Zunächst nehmen wir natürlich an, dass gute Familienpolitik unabhängig vom Familienstand gestaltet wird. Der Finanzminister wird ja auch nicht nach seinem Privatvermögen gefragt. Gleichzeit muss man sich vor Augen halten, dass Abgeordnete in ihren Wahlkreisen gewählt werden, und die Lebenssituation sicher ihren Teil zur Wahlentscheidung beiträgt. Die Frage, wie viele Alleinerziehende im Bundestag sind, ist also eher eine Frage von Chancengleichheit.
Wie gut sich der Verband im Bundestag vertreten fühlt, ist eher eine Frage der politischen Teilhabe, der Information, der Beteiligung als Expertinnen und Experten. Hier gibt es deutliche Defizite. Das hat auch damit zu tun, dass echte zukunftsweisende Familienpolitik, die alle Familien angeht, vielfach an pessimistischen Machbarkeitsszenarien und verfehlter Prioritätensetzung scheitert. Hier fehlt es, um an ihren Schwerpunkt anzuknüpfen, an der Motivation, sich über veraltete Normen hinweg für den sachlich richtigen Weg zu entscheiden.

Wirtschaftswetter: Berufstätige Alleinerziehende stemmen in der Praxis das Doppelte - in der Theorie arbeiten sie nur "die Hälfte", nämlich wegen ihren Kindern häufig in Teilzeit. Einelternfamilien verfügen damit trotz ihrer über einen reinen Vollzeitjob hinausgehenden Leistung über weniger Einkommen,und zwar langfristig. Sie bekommen im Alter folglich auch eine geringere Rente und können häufig nur wenig für die private Altersvorsorge zurücklegen. Wie motivierend oder demotivierend wirkt sich das auf die Betroffenen aus?

Sabina Schutter: Alleinerziehende, das geht auch aus aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, verfügen über weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens. Sie sind dennoch hoch motiviert, sich am Arbeitsmarkt zu engagieren. Sie ergreifen deutlich häufiger jede Chance - auch die der prekären Beschäftigung. Das ist die reine Notwendigkeit der Existenzsicherung aber auch die höhere Berufsorientierung der Alleinerziehenden, die dazu führt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die mangelhafte Einkommenssituation und die Aussicht der Altersarmut in diesem Sinne demotivierend wirken, sie führen eher dazu, dass Alleinerziehende sich langfristig erschöpfen und selbst überfordern. Auch hier ist politischer Wille gefragt, über die Förderung Existenz sichernder sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und den Abbau von Diskriminierungen eine Verbesserung der Situation zu bewirken.

Weitere Informationen: Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV)

Aktuelle Informationen vom VAMV, als PDF zum Download: Schwarzbuch Hartz IV und Alleinerziehende

2006-10-01 by Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz und Gesprächspartnerin Sabina Schutter
Foto, Motivationsbanner © Ines Kistenbrügger

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