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Ode an den Apfel

Zurück zum puren Geschmack

von Angelika Petrich-Hornetz

 Bild ApfelSeit Eva den Apfel vom Baum der Erkenntnis pflückte und ihn an Adam weitereichte. ist das Obst in Verruf geraten. Dabei ist noch nicht einmal geklärt, ob es überhaupt ein Apfel war und nicht doch ein Granatapfel oder eine ganz andere Frucht. Überlassen wir die Suche nach der detailierten Wahrheit anderen und wenden uns lieber der Frage zu, ob Äpfel, die in der Gegenwart, als solche gut für uns sind

Die ganzjährig gepflegte Schale mit frischen Äpfeln gehört inzwischen schließlich nicht mehr zur täglichen Tischbegrünung, wie es vielleicht der ein oder andere noch aus seiner Kindheit kennt. Gewaschen waren sie stets auch schon, so dass heimkehrende Kinderhorden - auch die heute eher eine Seltenheit - herzhaft zubeißen konnten. Und zwar, ohne, dass sie dadurch in die Gefahr von zuviel Zucker und Fett gerieten, weil zunächst der Obstkorb leer gefuttert wurde statt der Kühlschrank, wie heute üblich. Quasi war der Apfel damit der Hot Dog von damals und Obst das Fast Food der 70er Jahre.

Wenn die Horden damals von draußen hereinkamen, mussten sie vorher im Freien gewesen sein. Das beinhaltet "Bewegung", so dass wahrscheinlich nicht nur das Obst, sondern auch das Mehr an körperlicher Beätigung etwas zur allgemeinen Fittness beitrug.

Was den Apfel als Kostform so gesund gemacht ist seine gelungene Mischung aus einer erstaunlichen Vielfalt von Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen, die einzeln, jedoch vor allem zusammen der Gesundheit zumindest nicht abträglich sind. Die "Apfelforscher" (gibt's wirklich) haben schon einiges Erkenntnisvolles geleistet - und werden dabei sogar öffentlich gefördert.

So stellte das Nutri-Netzwerk (nutricon-net.org) um Professor Dieter Schrenk einen Zusammenhang zwischen Äpfeln und der Darmgesundheit her. Die im Apfel enthaltenen Polyphenole, aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen, haben womöglich sogar einen Effekt auf Tumore, andere auf Ablagerungen in Gefäßen und schützen Zellen, auch auf die im Kopf. Vieles liegt zwar noch im Dunkeln, was noch entdeckt werden will, doch das Puzzle, wie die unterschiedlichen Schätze des Apfels wo wirken, setzt sich langsam zusammen. Die Volksmedizin greift da manchmal beherzt voraus (in anderen Fällen daneben) auf, was erst später laborfest bewiesen werden kann. Ob der Apfelsaft als Hausmittel gegen Husten, der eine entzündungshemmende Wirkung haben soll, auch noch zu wissenschaftlichen Ehren kommt, muss daher noch etwas abgewartet werden.

Aber jeder kennt den Spruch an apple a day keeps the doctor away. Dass es für die meisten gesunden Menschen tatsächlich vollkommen ausreicht, dem zu folgen und ein oder, zwei Äpfel am Tag - mit Schale - zu futtern, statt sich teure Nahrungsergänzungmittel einzuverleiben, dürfte auch ohne das Genom des Apfels zu entschlüsseln, dem gesunden Menschenverstand zu vermitteln sein.

Erstaunlich, dass es auf Erden sage und schreibe rund zwölftausend Apfelsorten geben soll. Der gewöhnliche Städter kennt höchstens nur die paar, die gerade im Supermarkt um die Ecke verfügbar sind, wie Elstar, Cox, Braeburn oder - Pink Lady. Diese rosafarbene Dame fiel in den letzten Jahren allerdings durch ein ausgefeiltes Marketingprogramm extrem auf und hat sie in relativ kurzer Zeit zum bekanntesten Apfel in Europa aufsteigen lassen.

Bei aller Vorsicht vor inhaltsleeren Kampagnen: Zweifellos lässt sie die Geschmacksnerven jublieren: Das feste, cremeweiße Fruchtfleisch beinhaltet eine harmonisch, feine Mischung aus Süße und Säure, die knackig auf dem Gaumen zergeht, was durchaus an den widersprüchliche Gedichtespaß drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft erinnern mag. Sie prickelt dabei jedoch wesentlich angenehmer auf der Zunge, als jede noch so gut gemachte saure Fabrik-Süßigkeit.

Erfunden hat dieses Gedicht von einem Apfel deraustralische Züchter John Cripp, der die Sorten Golden Delicious und Lady Williams kreuzte. Er gab seinem Baby den Namen Cripps Pink, der echte Name der Sorte, die mit Pink Lady einen Markennamen verpasst bekam und auch in Deutschland angebaut wird.
Der globale Siegeszug führte dazu, dass der Apfel sogar eigene Fernsehspots bekam, als wär's ein Schokoriegel, dem zur Markt-Einführung ein riesengroßer Werbeetat anhängt wird. Und mit dem Riegel-Vergleich sind wir wieder beim Fast-Food der Vergangenheit, dem schnellen Obstverzehr in den 70er Jahren.

Vertrieben wird die Lady von einem weltweiten Händlernetz, die sich die TV-Reklame dank der Verkaufszahlen auch leisten kann. Das aber verleitet, neben allem Erfolg des einen Apfels und einer wissenschaftlich immer mehr und lange schon allgemeinen Anerkennung der Gesundheitswirkung aller Äpfel dazu, die runde Frucht als solche nicht mehr nur als schnödes, heimisches Obst zu betrachten, das einem im Herbst von Gartenbesitzern regelrecht hintergeworfen wird, sondern endlich auch als Lifestyle-Produkt und die Delikatesse wiederzuentdecken - die sie tatsächlich ist - sowie als solche - ähnlich wie einen guten Wein - zu genießen. Die Lady färbt damit nicht zu knapp auch auf ihre weniger werbewirksamen Kollegen ab und befördert den Apfel damit ins allgemeine Medien- und Konsumentenbewusstsein.

Der Apfel, so lernen unerwartet damit auch fernsehsüchtige Kinder von heute wieder, ist also keineswegs nur wegen seine Inhaltsstoffe für Laborinsassen und gesundheitsbewusste Erwachsene interessant, sondern vor allem wegen seines vorzüglichen Geschmacks ein leckeres Früchtchen für Groß und Klein.

Die rosafarbene Dame hat mit ihrer Öffenlichkeitsarbeit damit einiges geleistet. Bricht etwa die Zeit für eine neue Apfelkultur heran? Viele zelebrieren diese schon lange - jedes Jahr aufs Neue, wenn Erdbeeren und Kirschen längst passé sind. Und was die preiswerte Wirkung auf Hirmblutbahnen sowie -zellen betrifft, muss sich Deutschland natürlich jetzt erst richtig schämen, nicht flächendeckend am Schulobstprogramm der EU teilzunehmen, denn ein schnöder, kleiner, heimischer Apfel pro Tag für jedes Schulkind sollte doch wenigstens drin sein, oder?

Übrigens Kultur: Sommerbeeren und andere in allen Ehren, der Apfel ist uns Nordhalbkugelbewohnern ähnlich dem Tannenbaum das ganze Jahr lang zumindest tischtreu. Und wenn er nicht vom Baum der Erkenntnis gepflückt wurde, wuchs der Apfel mindestens am Baum des Lebens.
Bild ApfelSchiller konnte laut eines - nicht geprüften - Berichts von Goethe nur mit dem Geruch angefaulter Äpfel aus seiner Schreibtischschublade dichten. So wissen wir nun, dass die Ode an die Freude mit Husten und Äpfeln zu tun hat. Und wenn Sie sich jetzt bitte noch einen herrlichen Apfelkuchen vorstellen mögen - der nebenbei bemerkt nachweislich die Geselligkeit und damit die soziale Teilhabe fördert - rennen Sie sicher gleich in den nächsten Lebensmittelladen und rufen hinein: "Äpfel!" Recht so. Und: Guten Appetit!


2010-07-01 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Illustrationen: ©aph
Fotos Themenbanner: ©aph

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