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E10

Der Bio-Alkohol-Kraftstoff bekommt nicht allen

von Angelika Petrich-Hornetz

Im neuen Jahr finden die Autofahrer einen neuen Kraftstoff an ihren Tankstellen vor. E10 heißt das neue Benzin, dem nicht mehr nur bis zu 5 Prozent, sondern 10 Prozent Bio-Ethanol beigemischt sind. Ethanol oder Ethylalkohol wird zum Beispiel aus Getreide oder Zuckerrüben gewonnen, in den USA vor allem aus Mais.
Mit der größeren Beimischung soll gemäß einer 2009 geänderten EU-Richtlinie aus dem Jahr 1998 die Abhängigkeit vom Erdöl und auch der Schadstoffausstoss reduziert werden. Der Nutzen für die CO²-Bilanz ist indes eher fragwürdig, da die Bewirtschaftung von großen, landwirtschaftlichen Flächen zur Gewinnung von Ethanol ebenfalls für Emissionen sorgen, und das auch nicht zu knapp.
Genauso fragwürdig ist die in den USA und Europa groß angelegte Umwandlung von Ackerbauflächen in Spritproduktionsflächen vor dem Hintergrund der aktuellen Getreideknappheit sowie dem bereits seit mehreren Jahren zu beobachtenden Preisauftrieb bei Getreide, der den internationalen Nahrungsmittelmarkt verzerrt sowie die weltweite Nahrungsmittelknappheit verschärft.

Zunächst wird E10 an den Tankstellen zusätzlich angeboten - und E5 wird nicht ersatzlos gestrichen: Jede Tankstelle muss einen Kraftstoff mit geringerer Beimischung bis 5 Prozent anbieten. Die EU-Vorgabe begrenzt diesen Bestandsschutz für E10-ungeeignete Autos zwar auf das Jahr 2013, jedoch werden die Krafstoffhersteller laut Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) (Quelle: ADAC Motorwelt) per Verordnung verpflichtet, in Deutschland auch über das Jahr 2013 hinaus, Benzin mit einer Ethanol-Beimischung von bis zu 5 Prozent anzubieten. Und das ist auch gut so.

Denn nicht hundert, sondern etwa neunzig Prozent aller benzinbetriebenen Pkw in Deutschland sollen E10 überhaupt vertragen. In der Umkehrung heißt das, dass immerhin für zehn Prozent der neue Kraftstoff nicht bekömmlich ist. Es seien vor allem ältere Autos (Baujahr vor 2000), deren benzinführende Teile, wie Kraftstoffleitungen, Benzinpumpen oder Tanks Schaden nehmen könnten, sagen die Autoexperten. Außerdem könne der Verschleiß von Motorventilen steigen. Mit Aluminiumbauteilen soll sich E10 ebenfalls schlecht vertragen. Zudem dürfte der Kraftstoff-Verbrauch etwas steigen, weil Ethanol eine geringere Energiedichte als Benzin hat. Von der Verwendung im Ausland raten u.a. die Automobil-Clubs wegen der Möglichkeit unterschiedlicher, länderabhängiger Gemische ab, solange die EU-Norm noch nicht überall flächendeckend umgesetzt worden ist.

Laut DAT* reiche es bereits, nur einmal falsch zu tanken, um einen nicht für E10 geigneten Wagen nachhaltig zu schädigen. In der Regel (!) sollen immerhin so gut wie alle Neuwagen mit dem neuen Kraftstoff problemlos fahren. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) rät allen Autofahrern, beim Hersteller nachzufragen, ob ihr PKW E10 verträgt. Auf den BMU-Webseiten finden Autofahrer weitere Informationen zu E10: "E10 - Mehr Bio im Benzin". Informationen sowie eine Liste E10-verträglicher PKw bietet auch die *Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT): E10-Verträglichkeit von Kraftfahrzeugen, die auf der Webseite in laufend aktualisierter Form abrufbar ist: Ethanol 10 Prozent Beimischung.
Auch die Automobil-Clubs bieten informieren über E10, wie der ADAC: Neues von der Zapfsäule - E10 und der ACE: E10: der neue Kraftstoff.

Ölkanne


2011-01-01 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos Themenbanner: ©aph
Illustrationen: ©Angelika Petrich-Hornetz

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