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Königinnen des Tennisballs

Saisonfinale bei der WM in Istanbul und Vize-Sportlerin des Jahres 2012

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Kerber ist eine der Königinnen des Tennisballs
von Annegret Kempf

Das gab es seit Anke Huber 2001 nicht mehr: Eine Tennis-WM unter deutscher Beteiligung. Vom 23. bis 28. Oktober 2012 konnten hiesige Fans der Kielerin Angelique Kerber die Daumen drücken, als die weibliche Elite beim nach Punkten und Preisgeld mit am höchsten dotierten Turnier in Istanbul antrat. Nur bei den vier Grand-Slam-Wettkämpfen im WTA-Kalender der Damen sind noch mehr Meriten zu verdienen. Die Teilnahme an der Tennis-WM war Symbol für das gute Ende eines supererfolgreichen Jahres fürs deutsche Damen-Tennis, speziell für die Fünfte der Weltrangliste, Angelique Kerber. Auch wenn der WM-Sieg an die WTA-Nummer 3 Serena Williams ging, die – noch ein Level höher angesiedelt – ebenfalls das Tennis-Jahr ihres Lebens spielte.

Die Mitstreiterinnen von Angelique und Serena zeigen, wer 2012 Top in der Welt des Damen-Tennis war und mit Sicherheit auch 2013 noch tonangebend sein wird.
Einmal jährlich wird die auf acht Teilnehmerinnen zahlenmäßig stark begrenzte Weltmeisterschaft der Spitzenspielerinnen ausgetragen, 2012 zum zweiten Mal in der Türkei. Welche weiblichen Cracks bei den WTA Championships antreten durften, entschieden komplexe Rechenmodelle. Packende, persönliche Biographien eines Kräfte- und Nerven-aufreibenden Tourenjahres in den Spitzengruppen der World Tennis Association (WTA) spiegelten sich in der letztlichen Besetzung.
Wer sind die auf Sieg trainierten Damen, die 2012 beim spannenden Saisonabschluss-Hartplatzturnier im Sinan Erdem Dome um die Krone im Tennis-Zirkus kämpften?

Titelverteidigerin im Einzel war die Tschechin Petra Kvitova (WTA-Jahresend-Platz 8). Vier Top-Athletinnen hatten sich bereits einen Monat vor den „TEB-BNP Paribas WTA Championships – Istanbul 2012“, wie der finale Höhepunkt des Tennisjahres bei den Damen offiziell heißt, qualifiziert: Victoria Azarenka (Nummer 1 der WTA-Liste), Maria Sharapova (2), Serena Williams (3) und Agnieszka Radwanska (4).

Weitere sieben kampfstarke Akteurinnen zitterten auch dann noch um die verbliebenen vier Tickets: Unter ihnen Angelique Kerber, die sich 2012 zur neuen deutschen Nummer eins hochgepowert hat. Als mittlerweile Fünfte der Weltrangliste ist sie für manche Dame, die sie in den Vorjahren noch kaum gegrüßt hatte, zur Angstgegnerin geworden.

Beim WTA-Turnier in Peking schaffte die 24-Jährige in den ersten Oktober-Tagen 2012 mit ihrem 60. Saisonsieg Klarheit: Mit einem 6:1, 2:6, 6:4-Erfolg über Caronline Wozniacki (10) zog sie ins Viertelfinale ein und sicherte ihre WM-Teilnahme 2012 damit rechnerisch 100-prozentig ab. Seit Anke Huber 2001 ist sie die erste Deutsche, die regulär als eine der besten acht Tennisspielerinnen der Welt antreten durfte. Andrea Petkovic (nach Verletzung Ende 2012 125. der Weltrangliste) kam 2011 als Ersatzspielerin nicht zum Einsatz.

„Das ist eine tolle Sache, das Jahr 2012 zu beenden“, kommentierte Kerber ihr WM-Ticket, nachdem sie in einem harten Kampf ihre Freundin Caroline doch noch bezwungen hatte. „Wer mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mich für Istanbul qualifiziere, den hätte ich ausgelacht.“

Was für ein Jahr, was für atemberaubende 15 Monate lagen bereits Anfang Oktober 2012 hinter der Kielerin: Sie räumte in Paris und Kopenhagen ab, stand in Eastbourne und Cincinnati im Finale, und zog bei sechs weiteren Top-Events ins Halbfinale ein, darunter in Wimbledon. Die meisten anderen Spitzenspielerinnen hat sie in dieser Saison mindestens einmal bezwungen. Mehrmals wehrte sie Matchbälle ab und gewann danach. Das verdankt sie ihrer neuen Einstellung: „Ich gebe keinen Ball verloren – egal, wie es steht. Du musst auch in schlechten Zeiten stark sein – auf und neben dem Platz.“

Premiere: Acht Spielerinnen aus acht verschiedenen Ländern
Zeitgleich mit Kerber, freuten sich Kvitova und Sara Errani (6), dass ihre Erfolge in Peking die Zahlenspiele auf dem Weg nach Istanbul zu ihren Gunsten entschieden. Für den verbliebenen achten WM-Platz gab es vier Bewerberinnen: Li Na (7), Samantha Stosur (9), Marion Bartoli (11) und Wozniacki (10). Li Na siegte im Viertelfinale von Peking gegen Radwanska. Damit hatte auch sie ihr Ticket gelöst. Zum ersten Mal in der 42-jährigen Geschichte der WTA Championships präsentierte, dank Li, jede Spielerin ein anderes Land.

Doch so spät in der Saison gibt es immer wieder Ausfälle, weshalb Stosur als letztliche WM-Ersatzspielerin gute Chancen hatte, doch noch zum Zug zu kommen.

Und das waren sie im Überblick: Die Top-Spielerinnen 2012 und zugleich WM-Konkurrentinnen von Deutschlands Durchstarterin und Vize-Sportlerin des Jahres, Angelique Kerber:
Nummer eins in der Welt ist zum Jahreswechsel 2012/2013 Victoria Azarenka. Mit voller Wucht und einem Sieg bei den Australian Open startete die rückhandstarke 23-Jährige ins Tennisjahr 2012. Damit wurde sie zur ersten Weißrussin, die den Gipfel der WTA-Liste erklomm. Zweimal traf sie bis zur WM 2012 auf Deutschlands Nummer eins: Beide Duelle verlor die Kielerin. Beim Top-besetzten Turnier in Tokio setzte sich Kerber im September erstmals gegen Azarenka durch: Kampflos, weil die Weißrussin aufgrund einer Kreislaufschwäche nicht antrat. Eine echte Revanche-Partie gab es deshalb erst in Istanbul Ende Oktober 2012, wo Kerber nach langem Kampf knapp unterlag und damit ihre Chancen auf einen Einzug ins Halbfinale verspielte. Azarenka war bereits früher im Oktober in Peking die Beste aller Spielerinnen gewesen. Dort hatte Kerber verletzungsbedingt während des Matches gegen Sharapova aufgeben müssen. Kerbers Management zufolge, hatte es sich um eine Vorsichtsmaßnahme gehandelt, weil sie ihre WM-Teilnahme nicht gefährden wollte. Kräfte-Sparen war auf beiden Seiten zum Ende einer langen Tennis-Saison geboten.

Auf Position zwei startete bei der WM 2012 mit Maria Sharapova eine der bestbezahlten Sportlerinnen der Welt. Angelique Kerber wurde bei den Australian Open 2012 von der Russin abserviert, die dann aber das Finale gegen Azarenka verlor. In Paris unterlag die 188 Zentimeter große Wahl-Amerikanerin 2012 beim Hallenturnier im Viertelfinale der späteren Gewinnerin Kerber. In Miami gewann die Königin der Roten Teppiche das Finale gegen Radwanska. Den Stuttgarter Porsche holte Sharapova im Frühjahr 2012 ab. Der French-Open-Sieg vervollständigte ihren Karriere-Grand-Slam. Sabine Lisicki (WTA-Platz 18) schlug Sharapova im Achtelfinale von Wimbledon 2012 und stieß damit den Tennis-Star nach nur einem Monat wieder von Platz eins der Weltrangliste. Deren schon legendäres Stöhnen hat jedoch nichts mit Niederlagen zu tun, sondern gehört zu ihrer Spieltechnik, wie ihre kraftvollen Aufschläge. Bei den Olympischen Spielen im Sommer unterlag die 25-jährige im Finale Serena Williams.
Erstmals seit 2007 durfte die auch als Modell arbeitende Sportlerin 2011 wieder an der WTA-WM teilnehmen. Doch es lief nicht gut für sie: Niederlagen gegen Li Na und Samantha Stosur sorgten für eine frühe Heimreise schon nach der Vorrunde. Anders 2012: Da unterlag sie erst im Finale der wiedererstarkten Serena Williams.

Serena Williams ist für die Weltranglistenerste Azarenka „die größte Spielerin aller Zeiten“, so deren Statement nach den US Open 2012, die Williams ebenfalls souverän gewann. Mit ihren Tennisschlägern hat die Amerikanerin, die mit 17 Jahren die erste ihrer insgesamt vier US-Open-Trophäen gewonnen hatte, bereits 15 Grand-Slam-Titel eingesammelt. Sie will noch mehr: Steffi Graf hatte 22 geschafft.
2012 errang Williams zwei Major-Titel. 30-jährig, nach körperlichen Rückschlägen durch Fuß-OP und Lungenembolie, die nicht nur ihr Comeback, sondern auch ihr Überleben gefährdeten. Ab 2002 war sie 122 Wochen lang die Nummer eins der Welt. Eine Dekade später ist die Fortuna der Tennisbälle wieder auffällig oft auf ihrer Seite: Königin von Wimbledon 2012, erst beim Grand-Slam-Turnier, dann bei den Olympischen Spielen mit zwei Goldmedaillen, die sie – zusammen mit ihrer älteren Schwester Venus – zu einer der zwei erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten bei Olympia machten. In Istanbul agierte sie 2012 gefährlicher denn je. Denn sie arbeitet ständig an sich, wie ihr Kommentar nach den US Open zeigte: „Ich überlege jetzt schon, was ich besser machen kann.“

Vier von sechs Duellen verlor Kerber gegen die Nummer vier der WM-Liste 2012, Agnieszka Radwanska. Zuletzt im Halbfinale von Tokio. Die 23-jährige Polin schaffte es 2012 ins Endspiel von Wimbledon, wo sie in Serena Williams ihre Meisterin fand. Drei Titel hat die Weltranglisten-Vierte 2012 gewonnen: In Dubai, Miami und Brüssel. Die Krakauerin hat zudem Weltmeisterschafts-Erfahrung: Schon 2009 war sie als Ersatzfrau bei den WTA Championships in Doha zum Einsatz gekommen. In Istanbul war sie bereits 2011 dabei. Und jetzt wieder. „Das ist ein Ziel, das jede Spielerin zu Beginn des Jahres hat. Ich bin so froh darüber, dass ich es geschafft habe“, kommentierte sie ihr 2012er-Ticket in die Türkei. Bis ins Halbfinale schaffte es die Polin 2012, nach einem Ausdauer-Match gegen Errani.

Glück im Spiel und zeitgleich in ihrer Liebe zu dem großen Tennistalent Adam Pavlasek hatte 2011 die Tschechin Petra Kvitovà, als sie das WM-Finale gegen Azarenka gewann. Die 22-jährige Titelverteidigerin, die im WTA-Ranking zwei Wochen vor Beginn der WM 2012 eine Position vor Kerber lag, musste sich auf der „Challenge Race“-Liste für die WM-Plätze einen Rang hinter ihr einreihen: Die Zulassungs-Arithmetik ist extrem kompliziert. „Wie ein Traum“ war ihr Sieg 2011 für die amtierende Weltmeisterin, die damit auf den zweiten Weltranglisten-Platz vorgeschossen war. Ungewiss war ihre Form zur WM 2012: In Tokio hatte die Linkshänderin mit einer Niederlage gegen die Kroatin Petra Martic in der zweiten Runde überrascht. In Istanbul musste sie sich 2012 nach einer verpatzten ersten WM-Runde einem Virus geschlagen geben: Für sie rückte Samantha Stosur nach.

In die Top Ten katapultierte sich die kleine Italienerin Sara Errani 2012 mit ihrer Finalteilnahme bei den French Open. In dieser Saison überraschte Kerbers Angstgegnerin mit einem Höhenflug, ähnlich dem von Angelique. Dem tränenreichen Freudentaumel von Paris folgte ein Energieschub, der bis zu den US Open reichte, bei denen sie Kerber im Achtelfinale abservierte. Vier WTA-Turniere hat die 25-Jährige 2012 im Einzel gewonnen. Sie arbeitete sich in ihrer bislang besten Saison bis auf Rang sechs vor. Ihre Kraftreserven schienen unerschöpflich: Im September 2012 triumphierte sie mit ihrer Partnerin Roberta Vinci erstmals auf Doppel-Weltranglistenposition eins. In Istanbul unterlag sie jedoch einen Monat später im Viertelfinale nach einem starken Match Radwanska.

Die 30-jährige Li Na darf nicht unterschätzt werden. 2012 lief es nicht so rund für die Chinesin, wie 2011. Damals erreichte sie mit dem Titelgewinn bei den French Open ihren bisherigen Karrierehöhepunkt. Angelique Kerber dürfte noch ihre Niederlage gegen Na im Finale des Premier-Turniers von Cincinnati im Kopf haben. In Istanbul 2012 nahm die Chinesin Kerber die letzte kleine Chance aufs Halbfinale: Kerber war in ihrem 82. Turnierspiel dieses Jahres erschöpft, müde und an den Knien behandlungsbedürftig.

Nach ihrem US-Open-Sieg von 2011 hätte sich die Australierin Samantha Stosur von dieser Saison vermutlich mehr erhofft, als maximal Halbfinalteilnahmen. Dennoch hielt sich die 28-Jährige 2012 wacker unter den Top Ten und brachte Kerber beim Fed Cup im April eine Niederlage bei.

Beinahe hätte Marion Bartoli Deutschlands Senkrechtstarterin Angelique Kerber beim Hallenturnier von Paris im Finale geschlagen. Doch bei der erfahrenen, 28-jährigen Französin wechselten in dieser Saison überraschende Leistungen gegen etablierte Gegnerinnen mit Niederlagen gegen Newcomerinnen stetig ab. Auch für eine WM-Teilnahme reichte es am Ende nicht ganz. Spezialität der Französin: Sie spielt Vor- und Rückhand beidhändig, wie einst Monica Seles.
Sie bekam 2012 ebenfalls kein WM-Ticket: 2011 war die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste (67 Wochen), Caroline Wozniacki, in der Vorrunde in Istanbul ausgeschieden. Trainerwechsel trugen wohl zu einer durchwachsenen Saison 2012 der sehr talentierten 22-Jährigen bei.


2012-12-23 Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Kempf
Fotos Banner: ©aph

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