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Warum?

Fallen Katzen immer auf die Füße und andere Rätsel des Alltags

Buchbesprechung von Angelika Petrich-Hornetz

Wissenschaftliche Themen sind in Deutschland sehr beliebt. Sie werden nicht nur gern gelesen, sondern auch gesehen, so dass sich im TV immer mehr Wissens-Shows längst als Quotenbringer etabliert haben. Sogar auf dem kränkelnden Zeitschriftenmarkt tummeln sich neue Wissenschaftsmagazine. Und auf dem Büchermarkt, gerade im Jugendsegment, kommen immer neue Bücher heraus, die mit schlichten Warum-Fragen ihren jungen Lesern den Alltag wissenschaftlich erklären.

Wir haben jüngst eines der älteren Exmplare von Warum-Büchern neu entdeckt, und zwar "Warum? Fallen Katzen immer auf die Füße ... Und andere Rätsel des Alltags" von Gerhard Staguhn. Dieses Buch nach dessen Lektüre noch objektiv zu beurteilen, ist allerdings nicht mehr möglich, weil es uns so begeistert hat. Die Altersempfehlung von 12 bis 14 Jahren ist etwas eng gefasst und den nicht immer einfach zu erklärenden Phänomenen geschuldet. Man kann die Altersempfehlung jedoch umgehen, wenn man sich als Erwachsener aufrafft, das Buch in kleinen Häppchen vorzulesen, was durch die Kapiteleinteilung sehr gut möglich ist - und damit auch für mehr oder weniger wissenschaftliche Diskussionen und Fragstellungen vor Ort zu sein. Auf die Art und Weise verstehen es auch Jüngere.

Die Unterteilung der Themen und Texte ist so übersichtlich, dass man das Buch genauso gut von hinten nach vorn oder einfach mittendrin anfangen könnte, um die Beiträge zu lesen, die einen zuerst interessieren. Unter Oberthemen sind die einzelnen Kapitel zusammengefassst, die in sich geschlossene "Geschichten" sind - und die lesen sich alles andere als trocken. Sie sind präzise formuliert und gleichzeitig lebendig fabuliert. Die Oberthemen lauten: "Vom Himmel und Erde", "Von Formen und Farben - und anderen Illusionen", gefolgt von "Wind und Wetter - und anderen Misslichkeiten" sowie "Von Ameisen und Katzen - und anderen Viechereien", dann "Von Handys und Kühlschränken - und anderen Nützlichkeiten", darauf folgt "Von Eiscreme und Gummibärchen - und anderen Leckereien" sowie "Vom Verlieben und Lachen - und anderen Menschlichkeiten" und last but not least: "Vom Träumen und Sterben - und anderen Endlichkeiten."

Angesichts dieser Themenvielfalt könnte man behaupten, dass der Autor Mut beweist, sich auch an schwere Kost wie den Tod oder das Ende des Universums zu wagen. Auch deshalb ist die von uns favorisierte Vorlese-Variante, jedenfalls für Jüngere, auch gar nicht so verkehrt, weil man dann einfach, wie bei wissenschaftlichen Theman üblich, auftauchende, weitere Fragen und drängende Kommentare oder sich einstellende Gedankenblitze der Zuhörerschaft einbeziehen kann, so dass aus der "Vorleserunde" eher eine zeitlich etwas ausgedehnte Gesprächsrunde wird. Da es sich vorwiegend um Alltagsphänome handelt, hat den Effekt, dass auch jedem etwas dazu einfällt, und dabei sollte man Kinder nicht unterschätzen, die immer mehr bohrende Fragen stellen oder thematisch passende, eigene Erlebnisse einbringen.

Diese Zeit einzuplanen, lohnt sich - weil es wirklich inspirierend ist. Und es sind in der Tat Geschichten und Anekdoten, die der Autor häufig in und um die Einzel-Themen packt und die Themen damit munter unters "Volk" bringt, wobei es in der Regel zum Schluss auch eine Pointe gibt, die zu weiteren Nachforschungen, zum Nachlesen, aber mindestens zum Nachdenken anregt.

Zum Beispiel endet eines der ersten (astronomischen) Kapitel, "Warum ist die Erde ein Magnet?" mit den bedeutungsvollen Sätzen, Zitat: "Mit einer Umpolung ist ohnehin erst in rund 2000 Jahren zu rechnen. Wer weiß, ob es die Menschheit dann noch gibt."
Tja, die Zeit ist bekanntlich relativ und die Meinungen, ob zweitausend Jahre eher eine kurze oder lange Zeitspanne sind, gehen damit ebenso weit auseinander. In unserer Vorleserunde waren die Kinder und Jugendlichen einigermaßen erstaunt, dass dieser Zeitraum von dem Autor offenbar als "sehr lange" aufgefasst wurde, aber man muss mit dem Autor eines Buches keineswegs immer einer Meinung sein, lernt man hier so nebenbei, um ein Buch dennoch gut zu finden. Unsere Leserschaft empfand jedenfalls zweitausend Jahre als "viel zu kurz". Schließlich sei das mit den Neandertalern doch "auch noch nicht so lange her", aber das wäre doch "viel länger gewesen". Immerhin war das der Lese- und Gesprächsrunde Anlass genug, sich noch eine Woche später angeregt darüber zu unterhalten, was nun lang oder kurz an Zeit sei, wohin die sich die Erde und die Menschheit, das Universum und überhaupt alles entwickeln könnte.

Gott und die Welt - so darf man die Themen-Vielfalt dieses Warum-Buches auch überschreiben. Und all diese Themen passen heutzutage in jedes Kinderzimmer, besonders an langen Winterabenden in der dunklenen Jahreszeit auf der Nordhalbkugel. Genauso begeisternd wie die "unendlichen Weiten" beschreibt der Autor aber zum Beispiel auch die Funktionsweise eines schnöden Kühlschranks oder die titelgebende Drehleistung der Katze im Fall oder an und für sich eher langweilige physikalische oder chemische Vorgänge, die bei diesem Autor stellenweise fast magisch erzählt werden, als hätte man wie im Märchen im Kleiderschrank den Ausang zur "Anderswelt" gefunden . Spätestens bei den rhythmisch leuchtenden Glühwürmchenweibchen ("Warum glühen Glühwürmchen?") auf tropischen Bäumen sind die Leser regelrecht verzaubert - aber immer noch ganz von dieser Welt. Dass exakt diese Welt und selbst ihr schnödester Alltag weitaus spannender ist, als üblicherweise bemerkt wird, ist das große Talent dieses Buches.

Das Buch macht definitiv neugierig auf noch mehr Fakten, Details, Erkenntnisse und Forschungsergebnisse so wie auf Wissenschaft, Natur und Technik als solche, so dass die Leser über das Buch hinaus regelrecht gepackt werden: Da wird eine Neugier beschworen, die gestillt werden will. Gleichzeitig wird die Achtung vor dem ingesamten Wunder des Lebens gestärkt, das doch erstaunlich wenig selbstverständlich ist. Diese Erkenntnis macht sich Kapitel für Kapitel breit und ruft neben dem Staunen gleichzeitig eine gewisse Bescheidenheit gegenüber den eigenen, kleinen Alltagssorgen hervor. Die Leser können sich der Bewunderung gegenüber all diesen wundersamen und zauberhaften Vorgängen, Funktionsweisen und "erhabenen" physikalischen Gesetzen kaum noch entziehen.

Natürlich liegt diese gelungene Vermittlung von auch manchmal an sich eher trockenen Themen an der Sprache: Manche Bandwurmsätze des Autors könnten einerseits ohne die richtige Betonung für sehr junge Leser, undurchschaubar werden, aber erstens traut man Kindern und Jugendlichen meistens zu wenig zu und - wozu sind Erwachsene eigentlich da?. Die können auch mal ihren Mund aufmachen. Es sind nämlich andererseits gerade die verschachtelten Sätze, die eine nicht minder verschachtelte und komplexe Wirkliichkeit überaus verständlich nahebringen - und dabei so märchenhaft wirken, als wären die Erde (inklusive Kühlschrank), die Natur und das Universum echte Zauberwelten. Exakt das sind sie auch, man muss sie sich nur genau anschauen, sie liegen direkt vor uns, so könnte man die Kernsaussage dieses Warum-Buch zusammenfassen. Wenn Wissenschaft, Natur und Technik so ansprechend vermittelt werden, braucht sich wohl niemand mehr um zu wenig tüftelnden Nachwuchs Sorgen zu machen.

Die uns vorliegende Ausgabe stammt aus dem Jahr 2004, so ist einiges natürlich schon etwas veraltet, zum Beispiel technische Gerätschaften, die in dem Buch noch in der Entwicklung sind, befinden sich längst im Feldversuch, als Prototyp getestet oder sind schon in Serie gegangen - oder sie sind längst ausgemistet, wie der Röhrenfernseher. Aber das stört kaum, ist in der Rückschau sogar ganz reizend, wenn man die Neugier und die Muße hat, dem wissebegierigen Nachwuchs auch noch den neuesten Stand irgendwo herauszusuchen oder sich selbst etwas beweisen will. Schön wäre es natürlich, wenn es eine Neuauflage gäbe und noch mehr (ein paar gibt es schon) Nachfolge-Bände hätten wir natürlich auch gern. Es gibt schließlich noch tausende andere, geradezu "märchenhafte" Phänomene, die ganz real sind, aber die nicht jeder so erhellend erklären kann wie dieser Autor.

Fazit: Eine Schatzkiste voller Wissen, Geschichten, Einblicken, Überblicken und Details über Alltagsphänomene, die man so nicht überall serviert bekommt - sprachlich so wunderbar, dass Groß und Klein inspiriert und fasziniert werden.


Zum Buch:
"Warum? Fallen Katzen immer auf die Füße und andere Rätsel des Alltags"
von Gerhard Staguhn, Zeichnungen von Joachim Widmann
Deutscher Taschenbuch Verlag (DTV)
ISBN 978-3423621908
Altersempfehlung: 12 bis 14 Jahre
224 Seiten

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Warum fallen Katzen immer auf die Füße ...?: und andere Rätsel des Alltags


2012-11-06 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Fotos Themenbanner: ©Cornelia Schaible

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