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Happy Halloween + Reformationstag

Als gruselig entlarven sich am 31. Oktober wieder nur einige Erwachsene


von Angelika Petrich-Hornetz

Der deutsche Einzelhandel freut sich über Halloween, kein Wunder, sorgt das ursprünglich britische Fest, das in den ehemaligen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent anschließend zur großen Kürbis- und Verkleidungssause ausgebaut wurde, auch in deutschen Geschäften jedes Jahr aufs Neue für einen schwunghaften Handel mit Süßigkeiten, Kostümen und Party-Zubehör. Ansonsten sind die Meinungen über die anglo-amerikanische Fest-Variante zur Ehre der Toten in Deutschland zwiegespalten. Einige Erwachsene reagieren auf Halloween bedeckt über offen ablehnend bis geradezu hysterisch.

Während Kinder, sofern man sie lässt, am Trick or Treat gewöhnlich ihren Spaß haben, rümpfen diese dann die Nase und das noch nicht einmal unbedingt auf dem Land, im Gegenteil: In den Dörfern sieht man viel mehr mit Kerzen erleuchtete Kürbisse in den Vorgärten, die umherziehende Kinder zum Klopfen, Klingeln und Spruch-Aufsagen einladen als in den reichen Städten, wo bekanntlich auch die geizigsten Pfeffersäcke wohnen.

Damit scheinen ausgerechnet die noch von christlichen Traditionen geprägten Dorfgemeinschaften weitaus weniger Probleme damit zu haben, vormittags in der Kirche den Reformationstag zu feiern und abends Süßigkeiten an lustig verkleidete Kinder auszugeben als die säkularen Stadtpflanzen.
Sicher, in Städten hat man schon eher die Chance, auch die unangenehmeren Seiten von Halloween kennenzulernen als in einem gemütlichen Dörfchen mit funktionierender Nachbarschaft inklusive darin eingebundener Kinderschar. Andererseits nervt das miesepetrige Gemecker auf das sicherlich teilweise schon etwas sinnenleerte, aber fröhliche Kürbisfest mindestens genauso.

Als gruselig entlarven sich jedes Jahr am 31. Oktober weniger die Kinder, als einmal mehr die sauertöpfischen Erwachsenen, die vorwiegend harmlose, verkleidete Kinder auf deren redliches Klingeln hin per Telefonanlage oder klassisch aus dem Fenster mit wüsten Beschimpfungen eindecken. Schaurig auch diejenigen, die redlich an der Haustür vorstellig werdende Kinder ungefragt fotografieren oder höchst eigenmächtig mit Fragen eindecken, die einer polizeilichen Vernehmung gleichkommen. Der reinste Horror sind die Oberlehrerhaften, die für ein paar Süßigkeiten allen Ernstes verlangen, zig Strophen Gedichte aufgesagt oder Lieder vorgesungen "zu bekommen". Zu Halloween lassen einige Zeitgenossen damit ganz ungeniert ihre Masken fallen und die urdeutsche Variante von "Kinderfreundlichkeit" tritt offen zu Tage - Schwankend zwischen Dauer-Miesepetrigkeit und exorbitanter Erwartungshaltung an die nächste Generation erscheint einigen von ihnen Spaß als solcher schon verdächtig.

Das schlägt sich auch regelmäßig in den Medien sowie in immer langweiliger werdenden Zeitungs-Kommentaren nieder: Kritik am angeblichen Konsumterror, Kritik an Kindern, die angeblich zu nachlässig oder zu sorgfältig verkleidet seien, die zu viel oder zu wenig sagten, die zu frech oder zu schüchtern auftreten - Die Kinder sollen in Deutschland wie gewohnt gefälligst dies und das und jenes.
Einige Erwachsene können sich aus diesen pathologischen Befehlsmustern offenbar nie lösen, noch nicht einmal ein einziges Mal für ein paar Stunden im Jahr - und begreifen genau deshalb auch nicht, dass sie es sind, die gefälligst etwas zu geben haben, statt sich selbst wie gefräßige Monster aufzuführen.

Bild Sonnenuntergang im HerbstAußerdem scheinen sie vergessen zu haben, dass es einst arme Kinder in England und Amerika waren, die mit Halloween wenigstens einmal im Jahr am Vorabend zu Allerheiligen die Gelegenheit bekamen, sich mit Süßigkeiten den sonst hungrigen Bauch zu füllen. Arme Kinder sind in den reichen Industrieländern inzwischen wieder eine vom großen alternden Rest der Gesellschaft hingenommene Normalität, so dass die gute britische Tradition, der Toten zu gedenken und gleichzeitig die Kinder zu beschenken inzwischen wieder hochaktuell ist und damit bestens in die Gegenwart passt.

Kinder lassen sich den Spaß sowieso nicht nehmen, egal wie langweilig so manch ablehnender Erwachsener auf das Dauergeklingel am 31. Oktober auch reagieren mag, das in diesem Jahr auf einen Freitag und im nächsten Jahr auf einen Samstag fällt. Die frühere EKD-Vorsitzende Käßmann hatte einst die Idee, zum Reformationstag und damit auch zu Halloween "Hallo-Luther"-Bonbons verteilen zu lassen. Eine schöne Sache: So schließt das eine das andere nicht aus. Kinderlachen hört man inzwischen viel zu selten, vor allem im Dunkeln. In diesem Sinne:
Schönes Reformationsfest und Happy Halloween!


2014-10-31, Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Foto + Foto-Banner: ©aph

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