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Steaks statt Lebkuchen - Weihnachten 2022

Die Vorweihnachtszeit wird dank der Fußballweltmeisterschaft in Katar etwas anders als gewohnt ausfallen

von Angelika Petrich-Hornetz

Nun, ja, es ist ja noch ein bisschen hin, aber eine der schönsten Freuden ist bekanntlich die Vorfreude. Und ja, ich bekenne mich, ich freue mich auf die Weltmeisterschaft in Katar. Ich kenne einiges von der berechtigten Kritik und teile sie, und zwar insbesondere an den Arbeitsbedingungen der Arbeiter in den Stadien.

Am Timing der Spiele gibt es aus persönlicher Sicht aber gar nichts auszusetzen, es hätte gar nicht besser kommen können: Nach mehreren Jahrzehnten gnadenloser Vorweihnachtzeit bei "Oh Tannenbaum" und "Ihr Kinderlein kommet", in stiller Andacht vor Kerzenschein und Adventslichtern auf Kommando stets seelig zu versinken, vier Wochen durchgehend milde, um nicht zu sagen, geradezu dümmlich lächelnd bei sämtlichen mit Christbaumstollen und Lebkuchen überfüllten Weihnachtsbasaren als Grüßtante kopfnickend herumzustehen - und trotz Grippewarnung alle Hände zu schütteln und Bussi-Bussi geben zu müssen - hat sich fürs Jahr 2022 erledigt.

Gut, die eigentlichen Weihnachtstage bleiben unangetastet. Beinahe hätte mich Fifa-Vize Platini in restloses Entzücken versetzt, wenn das Finale tatsächlich am 23. Dezember stattgefunden hätte. Einen schöneren Weihnachtsabend vor dem ganzen Weihnachtsradau könnte ich mir gar nicht ausmalen. Es sollte aber nicht sein, sonst hätte es wahrscheinlich nicht nur einen Riesenaufstand mindestens der halben Christenheit, sondern auch der Spieler und weiterer WM-Beteiligter gegeben, die vollkommen schmuck- und geschenkelos innerhalb von nur wenigen Stunden um die halbe Welt nach Hause hätten jetten müssen. So bleiben ihnen bei der aktuellen Planung immerhin noch fünf Werktage für ihre Weihnachtsvorbereitungen, sollten sie diese nicht bereits bis Oktober erledigt haben, vor denen mir jedes Jahr schon im September graut, wenn ich nur daran denke.

Also bleibt die Frage wie gewohnt im Lichterglanz erfüllten Raume stehen, ob man zu seinen oder ihren Eltern fährt, womit man anschließend wieder einmal wahlweise verfroren oder verschwitzt stundenlang im Auto hockt und entsprechend genauso lange auf die Straße oder in die winterliche Einöde starren kann. Wie fast jedes Jahr muss man auch noch mindestens einmal wieder kilometerweit zurückfahren, weil immer das Geschenk für Tante Renate noch auf dem Wohnzimmertisch vergessen worden ist, obwohl man den dafür Zuständigen jedes Jahr regelmäßig auswechselt. Trainerpech. Doch solche Pflichten werden mit den Aussichten auf die Vorweihnachtszeit 2022 schon um mehrere Nikolaussäcke leichter. Kein Adventsbasteln. Keine Plätzchen backen. Keine so albernen wie überflüssigen Geschenke einpacken. Keinen Weihnachtsbaum (die Familie weiß noch nichts von ihrem Glück, nicht schmücken zu müssen), kein Xmas-Glitzer-Gedöns, bis es einem zu den Ohren herausläutet, denn das Finale findet am 18. Dezember statt, am vierten Adventssonntag, juchhuuu!

Es tut mir schon etwas leid für all diejenigen, die noch nicht das Vergnügen hatten, gleich mehrere Jahrzehnte lang Weihnachtsfreuden nachgehen zu können, gleichwohl auch um die Freunde und Familie, aber unter diesen Umständen werden sie sicher Verständnis dafür haben, dass der alljährliche Adventskaffee und das gemeinsame (stundenlange und wahnsinnig anstrengende) Kuchen- und Keksbacken, dass wir natürlich jahraus, jahrein auch für alle befreundeten Kinder regelmäßig mit veranstalteten, ohne jemals eine ähnliche Gegeneinladung erhalten zu haben, weil ja offensichtlich alle anderen außer angeblich wir um Weihnachten "immer sooooo viel zu tun" haben, in jenem Jahr aus den besten Gründen schlicht storniert werden muss.

Schließlich dürfte es bereits um den 21. November losgehen, mit dem besten aller Fußballturniere: Weltmeisterschaft! Ha! Wegen der festen Verabredung mit unserem Fernsehgerät sind wir ab sofort und durchgehend bis Weihnachten leider wochenlang unabkömmlich. Diese nächsten Wochen voller Spannung, Jubel, Tränen, Enttäuschungen und Glücksgefühle erfordern nun einmal högschde Konzentration. Gleichzeitig nehmen sämtliche Weihnachtsmärkte in Deutschland ihren Betrieb auf, die wir ignorieren müssen, sollte es kein Public Viewing geben. Zuckrigen Glühwein und Brummschädel-Grog können Winter-Fußball-Abstinenzler auch ganz gern mal alleine trinken.
Raffte man sich dennoch auf, dürfte es berechtigte Hoffnungen auf überfüllte Pubs mit Bildschirm geben und darauf, dass da und dort endlich einmal etwas anderer Gesprächsstoff gehandelt würde als der, wie denn "das vergangene Jahr" so war, als wäre es etwa schon vorbei - oder für wen der Lieben man welche oder noch keine Geschenke habe. Die Geschenke fallen 2022 aus! Die Kinder sollen sich selbst etwas aussuchen und sind auch mit der Finanzierung hochzufrieden. Und die Erwachsenen haben sowieso schon alles, als dass sie ernsthaft wirklich jedes Jahr noch mehr unnützes Zeug gebrauchen könnten. Und das Jahr? Das "war" eben nicht irgendetwas, sondern "es ist", und zwar genauso gut, wie es jetzt in diesem Moment ist.

Fußball Statt kilometerweise nach zweifelhaften Substanzen riechendes Geschenkpapier zu verbraten, braten wir uns lieber ein paar saftige Buletten und zum Hamburger gibt's knackigen Salat, aus Ausgleich für das Knabberzeug, das wir in uns hineinstopfen werden. Statt durch den zweifelhaften Genuss von klebrig-mehlig-süßen Zimtsternen, Vanillekipferln und Schokoladenkuchen chronisch überzuckert durch die Adventszeit zu siechen, sind wir hellwach, mitten in der Nacht und verputzen putzmunter unsere Steaks. Anstelle des gewohnten Trotts, erst zu Silvester pikante Häppchen zu servieren, drehen wir einfach alles um, Süßes gibt es dieses Mal erst am letzten Tag des Jahres.


2015-04-01, Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Foto + Foto-Banner: ©aph

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