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Elektromobilität - mehr Ladesäulen, größere Reichweiten

Die E-Mobilität kommt im Alltag an

von Annegret Handel-Kempf

Elektroautos stehen für Klimaschutz. Sie fahren ohne Emissionen, vorzugsweise mit Strom aus erneuerbarer Energie. Sie stehen für Terrorabwehr, weil ohne Ölabhängigkeit auch Geldströme für die Terrorfinanzierung versiegen. Sie werden zu Lifestyle-Produkten und ihre Schnell-Ladesäulen zu entspannenden Latte-Macchiato-Treffpunkten..

Für die Umsetzung der COP21-Beschlüsse des Klimagipfels von Paris wäre bis 2025 ein Anteil Erneuerbarer Energien von mindestens 60 Prozent am Bruttostromverbrauch erforderlich. Elektroautos kommen nicht nur ohne fossile Brennstoffe aus. In ihren Batterien kann darüber hinaus elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen gespeichert werden, um sie für Haushalte und Gebäude zur Verfügung zu stellen.

Angst herrscht bei Autofahrern vor einer leeren Batterie und fehlender Lademöglichkeit – trotz EU-Vorgabe von 1:10 Ladesäulen gegenüber E-Autos, die mit Unterstützung aus Steuergeldern auch künftig erreichbar sein soll.

„Grund dafür ist ein Flickenteppich aus schwer zugänglichen Ladeinfrastrukturen in ganz Europa. Proprietäre Zugangs- und Abrechnungssysteme führen oftmals zu `Insellösungen´, deren Nutzung auf einen begrenzten Kundenkreis beschränkt ist“, so Thomas Daiber, Geschäftsführer der Hubject GmbH und Referent auf der Jahresveranstaltung des Vereins Forum ElektroMobilität.
Mit bundesweit gut 5800 Ladepunkten und rund 50 000 Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb (Stand: Ende 2015) ist das zunehmend smoggeplagte Deutschland jedoch noch weit davon entfernt, internationaler „Leitmarkt“ der Elektromobilität zu sein.

Im Jahr 2020 soll es hierzulande 70 000 öffentliche Ladepunkte, 7100 Schnellladesäulen und eine Million E-Autos geben. Für die Bundesregierung sei der vorgesehene Ausbau der Ladestationen auf jeden Fall ohne große Unsicherheit, sagt Prof. Andreas Pyka, Innovationsökonom von der Universität Hohenheim. „Egal wie die Entwicklung verläuft – E-Autos werden auf jeden Fall kommen, die Strom-Infrastruktur wird gebraucht.“

Ausruhen und zeitgleiches Füllen der Akkus auf 80 Prozent Ladestand in 20 Minuten sollen den umweltbewussten Fahrern zu doppelter Entspannung verhelfen: Der Raststättenbetreiber Tank & Rast will bis 2018 das „größte zusammenhängende Netz von Schnelladesäulen an Autobahnen“ errichten und den Reisenden „im Schnitt alle 30 Kilometer eine Ladesäule“ offerieren. Hersteller der im November 2015 an der schleswig-holsteinischen Raststätte Buddikate Ost als Auftakt dazu in Betrieb genommenen Schnellladesäule ist RWE Effizienz. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Multi-Charger. Diese E-Ladesäule verfügt über drei Ladeabgänge: Zweimal DC mit CHAdeMO- und CCS-Steckern und einmal AC mit Typ2-Steckern. Alle gängigen Elektrofahrzeuge können daran in rund 20 Minuten geladen werden.

„Damit kundenfreundliches Laden selbstverständlich wird, muss der Zugriff technologieneutral über alle gängigen Zugangsmedien möglich sein – egal ob über Smartphone-App, Ladekarten, NFC oder die Plug&Charge-Technologie“, sagt Daiber. Ziel des Joint Venture Hubject ist es seit 2012 daher, mit dem offenen, synergetischen Marktmodell „eRoaming“ – gemeinsam mit allen relevanten Akteuren in der Elektromobilität – die bisherigen Insellösungen in der europäischen Ladeinfrastrukturlandschaft zu vernetzen. Über eine standardisierte technische Schnittstelle und ein einheitliches Vertragsrahmenwerk erhalten Fahrstromanbieter den Zugang zur europäischen Ladeinfrastruktur im intercharge-Netzwerk.
Hubject sorgt im Hintergrund dafür, dass alle Partnersysteme über die Plattform echtzeitvernetzt sind“, erklärt Daiber. Der offene Plattformansatz fördere zudem die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle in der Elektromobilität. Unternehmen aller Art können mitmachen und ihre Lösungsangebote in das Netzwerk integrieren, egal ob Automobilhersteller, Energieversorger, Tankkartenanbieter oder Start-Up.

Für den japanischen Hersteller Nissan ist es entscheidend, dass alle Fahrer von E-Fahrzeugen gleichermaßen vom dichteren Netz an Stromtankstellen profitieren und diese über einen CHAdeMO-Ladeanschluss verfügen. Beim VDI -Kongress „Alternative Antriebe“ im April 2016 in Leipzig hat Nissan den weiteren Ausbau der Schnelllade-Infrastruktur in Deutschland und Europa begrüßt und hält noch weitere Anstrengungen zur Förderung der Elektromobilität für nötig.

Um Details der Förderung wird derzeit zwischen Industrie und Politik indes gerungen, besonders um die Frage, wer den Umstieg auf E-Autos für jedermann bezuschusst. Ohne finanzielle Anreize beim Einkauf von E-Neuwagen und beim Weiterverkauf von E-Gebrauchtwagen, können sich nur wenige die Stromer leisten und nimmt die Smog-Dichte weiter zu. Auf Dauer führt nach Meinung von Experten kein Weg an einem Massenmarkt für umweltfreundliche Autos zu günstigen Produktions- und Verkaufskosten vorbei. An dem werden langfristig die Hersteller der zugehörigen Technologien verdienen und damit für ihr Überleben sorgen.

Über 50 Prozent aller verkauften elektrischen Fahrzeuge rund um die Welt stammen aktuell von Renault oder Nissan. Seit dem Marktstart des Nissan LEAF im Dezember 2010, Reichweite 2016 bei 250 Kilometern, haben die Allianzpartner weltweit über 267.000 Elektrofahrzeuge verkauft. Bei Nissan hat man ehrgeizige Ziele: „Wenn die Zahl der Elektroautos immer weiter ansteigt, können künftig ganze Gemeinden ihre Energie als Teil eines nachhaltigen Energieplans nutzbar machen. Elektroautos können dann eine zentrale Rolle in der Energieversorgung spielen – ein großer Schritt in Richtung einer emissionsfreien Gesellschaft“, so ein Statement aus dem japanischen Konzern. Im Dorf Linde bei Köln beispielweise soll ein E-Auto des Konzerns zum Gemeindeauto werden, für das sich jeder Bewohner als Nutzer eintragen kann. Ob Senior oder Familie, die von Zeit zu Zeit ein Zweitauto benötigt. Das Sprintvermögen des Nissan Leaf 2016 ist von null auf 100 km/h um fast eine halbe Sekunde auf 11,5 Sekunden gestiegen. In Norwegen werden E-Autos mehrfach gefördert, so dass in der zweitgrößten Stadt, Bergen, im ersten Quartal dieses Jahres der Nissan Leaf Platz zwei der meistverkauften Autos belegte.

Aus Frankreich, wo E-Autos stark vom Staat gefördert werden, kommt mit dem Renault Zoe (ab 21.500 Euro, angedacht minus 4000 Euro Förderbonus und 1000 Euro Renault-Extra-Bonus) ein alltagstaugliches Fünftürer-Familienauto mit reichlich Platz für Kinder und Krusch. Er punktet mit einer Reichweite von immerhin 240 Kilometer, energiesparender Klimatisierung nach dem Prinzip einer Wärmepumpe und einem „Chameleon® Charger“-Ladesystem, das neben Schnellladung an einer 400-Volt-Station drei weitere Energieversorgungsarten vorsieht.

In sechs Sekunden soll das Tesla Model 3 (Serienauslieferung ab Ende 2017) auf 100 km/h beschleunigen und bis zu 346 Kilometer Reichweite erreichen. Das „Fangemeinden“-Auto soll nun ebenfalls familientauglich sein, mit Platz für bis zu drei Kindersitzen auf der Rückbank bzw. bis zu fünf Insassen in Erwachsenengröße und zwei Kofferräumen (vorne und hinten). Der Kaufpreis von 35.000 Dollar trifft die E-Mobilisten hierzulande härter als in den USA, wo es Ermäßigungen bis zu 13.500 Euro durch den Staat gibt. Ein Autopilot-Modus, ein wichtiger Zukunftsfaktor für Elektroautos, ermöglicht es, die Teslas halbautonom zu fahren. Die Batterien sollen aus der eigenen Fabrik kommen, möglicherweise auch besonders energiesparende OLED-Displays verbaut werden. Der cW-Wert für den Strömungswiderstand soll bei Energieverbrauch-freundlichen 0,21 liegen, die Zahl der Ladestationen verdoppelt werden.

Einen Tesla zu besitzen, ist für viele ähnlich erstrebenswert, wie das neueste iPhone auszuführen. Lifestyle und Trendsetting treffen dabei mit einer angestrebten Reduzierung des Treibhaus-Effekts zusammen. Kohlenstoffdioxid (CO2), Wasserdampf (H2O) und auch Methan (CH4) gelten u.a. als Treibhausgase und werden für den weltweiten Temperaturanstieg und damit für den Klimawandel verantwortlich gemacht. Die Gase werden als Treibhausgase bezeichnet, da sie einen Teil der vom Erdboden abgegebenen Wärmestrahlung aufnehmen, die ansonsten ins Weltall entweichen könnte. Gäbe es diesen natürlichen Effekt nicht, läge die weltweite Durchschnittstemperatur nur bei -18 °C. Der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre bewirkt nun wiederum eine stete Erhöhung der Durchschnittstemperatur auf der Erde.


2016-05-06, Annegret Handel-Kempf
Text: © Annegret Handel-Kempf
Foto + Foto-Banner: ©aph
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