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Sex-Roboter

"Die Frauen von Stepford" sind da

von Angelika Petrich-Hornetz

Der Dichter düstere Visionen

Es ist immer wieder erstaunlich, in welcher Detailgenauigkeit Schriftsteller zu ihrer Zeit Zukunftszenarien beschrieben haben, die erst Jahre und manchmal auch erst Jahrhunderte später tatsächlich Wirklichkeit wurden. 1972 beschrieb Frederik Pohl in seiner Science-Fiction-Erzählung "Jenseits der Sonne" (The Gold at the Starbow’s End) im gleichnamigen Sammelband, wie eine intelligente Crew mit dem Raumschiff "Constitution" auf eine Reise ohne Wiederkehr ins All geschossen wird, angeblich zum Planeten "Alpha-Aleph", der gar nicht existiert. Das weiß zunächst nur der Taktiker auf der Erdstation, alle anderen werden im Glauben an eine hoffnungsvolle Expedition gelassen. In ihrer Isolation entwickeln die weltraumreisenden Genies neben unzähligen Lösungen bekannter mathematischer Probleme, die sie zunehmend langweilen, eine neue Grammatik mit steigender Verdichtungsdynamik. Folglich können die immer komplexer werdenden Botschaften von den Empfängern immer unzureichender entschlüsselt werden, bevor der Funkkontakt ganz abreißt. Währenddessen hat sich die Astro-Crew schon längst einen eigenen Planeten gebaut.

Ob auch diese bildgewaltige Story vor ihrer Wahrwerdung noch verfilmt werden wird, wissen wir nicht. In anderen Filmvorlagen stellt sich die Wirklichkeit wesentlich profaner dar, aber nicht weniger kontrovers, so zum Beispiel in dem ebenfalls im Jahr 1972 veröffentlichten Roman "Die Frauen von Stepford" (Die Roboterfrauen/The Stepford Wives) von Ira Levin, der bereits zweimal, 1975 (mit Katharine Ross) und 2004 (mit Nicole Kidman) verfilmt wurde. Die Story: Ein unbedarftes Ehepaar zieht in den gleichnamigen Ort und bemerkt, dass sich die dort ansässigen Frauen ihren Männern gegenüber besonders devot verhalten. Es sind perfekte Ehe- und Hausfrauen, aber unfähig zu eigenem Denken, ein Verhalten, dass die weibliche Protagonistin in tiefe Selbstzweifel stürzt. Wie sich später heraustellt, wurden die Frauen von ihren netzwerkenden Männern mit einem eingepflanzten Mikrochip in leicht zu steuernde dienstfertige und widerspruchslose Roboter verwandelt.

Stepford ist überall

So faszninierend, aber auch wenig ernstzunehmend die ironische Story der "Stepford Wives" bei Ihrem Erscheinen auch zunächst auf das Lese- und spätere Filmpublikum wirkte, so penetrant setzte sich auf der anderen Seite in der Geschichte das Bild der perfekten Frau oder vielmehr die Idee der perfekten Gefährtin eines Mannes bis heute durch. Zunächst erscheint der Gedanke gar nicht abwegig: Wer wünschte sich nicht den perfekten Partner? Oder anders ausgedrückt: Eine Partnerin, einen Partner abzulehnen, der einem jeden Wunsch von den Lippen abliest, dürfte Menschen beiderlei Geschlechts grundsätzlich schwier fallen, da dieses Verhalten allgemein als Zeichen großer Zuneigung gilt. Die gute Frage lautet daher, ob "perfekte Partner" überhaupt existieren - oder sich deren rein mediale Existenz auf die seit Jahrhunderten zelebrierten Beschwörungsformeln in den verschiedenen Genres beschränkt. Das Thema dürfte wohl nicht nur Männer, sondern auch Frauen interessieren. Seelenverwandtschaft nennen Romantiker das Zusammentreffen von zwei Menschen bis heute, die sich im dazu passenden Wortgebrauch angeblich "perfekt" ergänzten.

Im 21. Jahrhundert kann der Markt nun endlich für Abhilfe sorgen. Die bei beiden Geschlechtern vorhandene Sehnsucht - oder sollte man besser sagen - Nachfrage nach einer perfekten Partnerschaft trifft auf eine rasante technische Entwicklung, die aktuell die zügige Umsetzung solcher Wunschvorstellungen verpricht. Auf diese Angebote, in Form von Service- Sex- und Haushalts-Roboterm mit künstlicher Intelligenz (KI) bestückt, ist eine breite Öffentlichkeit aktuell noch weitestgehend unvorbereitet. Doch in den Laboren wird nicht nur gebastelt, sondern schon lange über die möglichen Auswirkungen diskutiert. Innerhalb der nächsten paar Jahre werden die Ergebnisse weit über die Fachkreise hinaus von der jetzt noch unbedarften Öffentlichkeit zu bestaunen sein und es wird sicher noch einige komische Überraschungen geben, die, zumindest für das stets amüsierte Publikum nicht direkt "Betroffener" einige Nachteile dieses technischen Fortschritts unterhaltsam aufwiegen werden. Freuen wir uns also auf eine Zukunft, als Zeugen der ulkigsten Aktionen dreidimensionaler Robots zweifelhafter Domestizierung.

Die Stepford-Männer

Dabei ist das alles nicht neu. Chat-Bots und andere Kommunikations-Programme sind nicht erst seit dem US-Wahlkampf bekannt. Lediglich die Entwicklung einer alltagstauglichen, dreidimensionalen Version in Menschengröße ließ bisher noch auf sich warten, von wenigen Experimenten und kleineren Maschinen abgesehen, deren Erscheinungsbild von dem des menschlichen deutlich abweicht. Das soll sich nun ändern. Zu verdanken haben wir die rasante Entwicklung gewisser Service-Roboter vorwiegend technikaffinen Männern auf der Entwicklerseite, aber vor allem einer großen Nachfrage.
Der Gattung Entwickler bescheinigen inzwischen auch deshalb in Deutschland die kritischeren Kollegen und Experten auf dem Gebiet Digitalisierung dementsprechend, wesentlich schneller intelligente Sexroboter als autonome Autos zur baldigen Marktreife zu verhelfen. Aber woran liegt das?
Zusammengefasst bedeutet es schließlich nichts anderes, als dass sich in den Hirnen von nicht wenigen Entwicklern, Herrstellern und Geldgebern im letzten Jahrhundert seit der Einführung des Frauenwahlrechts wenig bis gar nichts geändert hat, als dass sie ihrem Beschaffungs-Prinzip Girls und schnelle Autos im Grundsatz treu geblieben sind. Und wo das (wirtschaftliche) Interesse liegt, dorthin fließen bekanntlich auch die (Forschungs-)Gelder.

Einigen Menschen reicht das bereits vorhandene Angebot vollkommen aus. Täglich etwas nette Unterhaltung am Feierabend mit einem Kommunikations-Bot, der den Anwender im Alltagsstress bei Laune hält und sporadisch aufkommende Einsamkeitsgefühle vertreibt. Es ist nur eine der vielen Dienstleistungen einer bedarfsgerechten, technisch immer ausgefeilteren und vielfältigeren, virtuellen Angebotspalette. Immer öfter mutiert das Gegenüber im 21. Jahrhundert zur virtuellen und nicht selten rein, kommerziellen Unterhaltung sowie Ablenkung und simuliert ein soziales Leben, das in Wirklichkeit gar nicht exisitiert. Es reduziert sich damit in gewisser Weise auf die fortgesetzte Untermalung, Bestärkung und Bestätigung des eigenen Ichs, das nach anstrengenden Arbeitstagen vor allem Erholung sucht - und dafür die vielfältigsten Services findet. Das soziale Leben und die Menschen, die noch darin vorkommen, werden zu frei wählbaren Optionen ohne Eigenleben, ohne eigene Ansprüche, die man gefahrlos konsumieren oder bei mangelndem Interesse einfach abstellen kann. In dieser schönen, neuen Welt, in der echte Menschen durch Devices ersetzt werden, muss sich niemand mehr in seiner Freizeit mit lästigen Auseinandersetzungen beschäftigen oder gar sein Ego in Frage stellen lassen.

Während in der technischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts noch das Auto bei der Jagd nach Sex und schnellem Fahren vorn lag, wird in diesem Jahrhundert erstmals die Entwicklung von Sex-Maschinen der Gewinner sein. Bis dahin war der PKW und die dahinter liegende Nachfrage nach schneller Fortbewegung durch seine Besitzer, Entwickler und Anwender wesentlich leichter zu beherrschen als die Nachfrage nach Sex, die zu viele Unbekannte hatte, für die es keine technischen Lösungen gab. Jetzt, im 21. Jahrhundert findet gerade eine Umkehrung statt: Während der künftige Besitzer eines intelligenden Sex-Roboters mit immer neuen, personalisierten Funktionen und Annehmlichkeiten beglückt werden kann, kämpft die überforderte Autoindustrie derzeit verzweifelt um die sehr komplexe Vereinbarkeit von Kundenwünschen mit dem ganz normalen Straßen-Verkehrsgeschehen mit seinen vielen Unwägbarkeiten, die schwieriger zu analysieren, vorauszusehen und zu programmieren sind als die Interaktion zwischen einem einzigen Mensch und einer einzigen Maschine.

Den Besitzern autonomer Fahrzeuge dürfte es jedenfalls aktuell noch zu wenig Service sein, dass die Technik immerhin schon so weit ist, den Fahrerschutz zu gewährleisten, indem bei jeder zweiten Gelegenheit Kinder, Rollstuhlfahrer, Rentner oder Paketboten redlich überfahren werden, nur um die Fahrer möglichst zügig zum Ziel zu bringen. Die Priorität der Bedürfnisse des Einzelnen scheint in zu personalisiertenden Haushalts-, Service und Sex-Robotern einfacher umsetzbar, als die Gleichwertigkeit sämtlicher Mobilitäts-Bedürfnisse einer großen Menge Verkehrsteilnehmer. Da die Digitalisierung als solche aber ein enormes Umsatz- und Gewinnpotenzial verspricht, wird das genommen, was funktioniert und dürften die kritisierenden Experten recht behalten.

Rasante Entwicklung

Sexpuppen kennt jeder, zumindest vom Hörensagen, z.B. wenn vernachlässigte Ex-Partnerinnen, ihren Ex-Männern eine solche an den Hals wünschen, da der betroffene Mann zumindest in ihren Augen offenbar nicht in der Lage gewesen sei, sich mit den lebendigen Bedürfnissen eines echten weiblichen Lebenwesens auseinanderzusetzen. Soviel ist - zumindest vorerst - sicher: Eigene Bedürfnisse, gar Ansprüche haben künstliche Gespielinnen gegenüber ihrem menschlichen Part tatsächlich nicht, im Gegenteil, ihre Spezialität war es schon immer, ledigich ein Objekt der Begierde zu sein, das einfach da ist und je nach Bedarf des menschlichen Besitzers benutzt werden kann.
Von menschlichen Partnerinnen und Partner kann man das gerade nicht behaupten, auch wenn die in der analogen Vergangenheit den Vorteil hatten, sprechen und auch überhaupt Reaktionen zeigen zu können. Mit der KI-Ausstattung sollen die bisher eher stummen Puppen nun Interaktivität lernen. Durch die Simulation einer Beziehung, die ähnlich wie die ersten Kommunikations-Programme zwar nicht echt ist, im Sinne von nicht vergleichbar mit der Kommunikation zwischen echten Menschen, werden die stummen Puppen unterhaltsamer und sollen laut Herstellern das Wohlbefinden des menschlichen Parts steigernl. Der Roboter muss sich damit begnügen, den gewünschten Service geliefert zu haben.

Damit empfehlen sich solche Maschinen grundsätzich für Menschen - es gibt auch männliche Puppen-Varianten -, die ihren eigenen Wünschen stets Priorität (gegen)über dem der Partnerin, des Partners einräumen. "Erweitertes Masturbieren", nennen diese Variante die Hersteller deshalb auch ganz nüchtern, die ihre Produkte damit in eine Reihe mit Dildos und anderen, der vielen auf dem Markt erhältlichen Sex-Spielzeugenstellen. Doch verharmlosen sie da nicht etwas, wenn sie künstliche Intelligenz einbauen? Die einer breiteren Öffentlichkeit zumindest aus den Medien einigermaßen geläufigen stummen Modelle aus steifem Kunststoff entsprachen bisher eher der zweiten Wahl, aber genau das könnte sich nun ändern. Neueste Technologien und Materialen gepaart mit hohen zu erwartenden Umsätze machen aus dem einstigen Nischenprodukt aus der Schmuddelecke ein schickes High-Tech-Produkt, das bald nicht nur salonfähig sein wird, in welchen Salons auch immer, mit dem man sich eines Tages vielleicht sogar sehen lassen kann, je nachdem, mit welchen Funktionen es ausgestattet werden wird. Das lässt auf ein globales Riesengeschäft für Hersteller und Händler schließen.

Welcome to The Machine - die wahrgewordene Männer-Fantasie

Die künftige, intelligente, anwenderfreundliche, programmier- und damit manipulierbare Partnerin wird ihrem Besitzer bald wortwörtlich jeden Wunsch von den Lippen ablesen können und soll sich an seine Bedürfnisse perfekt anpassen, denen sie außerdem absolute Pirorität einräumt, weil sie ja eh keine eigenen hat. Und damit wird nichts Geringeres als ein alte Männerfantasie wahr - nämlich erstmals technisch umsetzbar. Ein Grund mehr, sich mit dem ökonomischen Establishment anzufreunden, das seit geraumer Zeit nicht mehr aus Kohle und Stahl sondern aus Softwarschmieden und Hardware-Konzernen besteht - und fleißig weiter zu konsumieren. Die Pop-Gruppe Pink Floyd komponierte zum Thema einst den Song "Welcome to the Machine". Diejenigen, die sich also noch fragen, warum gut ausgebildete Frauen trotz besserer Noten und Studienabschlüsse später im Berufsleben nicht selten immer noch das Nachsehen ereilt, sollten sich endlich die unterschiedlichen Angebote genauer ansehen, die trotz allem inzwischen durchaus erreichten Fortschritts auch von der neuen Ökonomie nach wie vor fein säuberlich getrennt werden.

Das Angebot für Männer ist immer noch ein ganz anderes, als das für Frauen, und arbeitet nach wie vor mit der hohen Kunst der Verführung, derer man sich schwer entziehen kann. Sicher, es gibt auch zahllose Frauen, die nichts anderes tun, als in ihrer Freizeit zu konsumieren, vor allem abschalten wollen und dazu auf ein ebenfalls immer besseres Angebot treffen. Und zum Glück gibt es in der Gegenwart auch immer mehr Männer, die viel lieber Zeit mit ihren Kindern als mit irgendwelchen Chat-Bots oder dümmmlichen Filmen verbringen. Doch es handelt sich genau um solche Zäsuren - Kinder oder immer öfter auch zu pflegende Angehörige -, die das Leben von Männern und Frauen unterscheiden und die bis heute den Geschlechterunterschied nicht selten größer gestalten, als er eigentlich ist, weil die Sozialarbeit in der Familie immer noch vorwiegend Frauensache ist. Das erklärt vielleicht wenigstens zum Teil einige immer noch existierende Gräben. Wer sich lediglich um das eigene Einkommen und die eigene Karriere kümmern und nie oder selten sozial engagieren musste oder Zeiten erlebt hat, in denen das eigene Ego zurückgestellt werden musste, kann möglicherweise gar nicht nachvollziehen, dass es manchmal sinnvoll sein kann, den Bedürfnissen anderer Menschen gegenüber den eigenen Vorrang einzuräumen. Psychologen beschäftigen sich schon lange mit dem Phänomen, dass es in der Geschichte der Menschheit erstmals möglich ist, sich vorwiegend nur noch um sich selbst zu kümmern und was eine solche über Jahrzehnte ausgeübte Selbstliebe für Auswirkungen hat.

Zum Erfolg der kommenden Service-Roboter tragen in der Gegenwart noch viele weitere Faktoren bei. Einer davon ist der wachsende Frauenmangel aufgrund von gezielten Abtreibungen weiblicher Feten. In China, durch die Ein-Kind-Politik, - und auch in Indien - ist der Frauenmangel wegen der jeweils hohen Bevölkerungszahl gut zu beobachten. Gleichzeitig beobachtet man in vielen Ländern ein Festhalten an der überholten Tradition, dass trotz des inzwischen eingesetzten zahlenmäßigen Mangels, entgegen sämtlichen ökonomischen Regeln von der "Knappheit der Güter" weiterhin ausschließlich die Mächen weniger wert sind. Im Zuge dessen treibt der Frauenhandel, der alle Merkmale eines Sklavenhandels aufweist, ganz neue Blüten. In diesem Umfeld wachsen inzwischen wieder Generationen heran, für die es ganz normal erscheint, dass ständig Mädchen und Frauen entführt und als Sex- oder Arbeitsklavinnen auf irgendwelchen Märkten wie Nutzvieh verkauft werden.
Und so mehren sich in den Regionen auch die Männe, dier wie in der düsteren Vergangenheit wieder Frauen kaufen, allerdings eher, um Geschäfte zu machen oder abseits davon nicht zum Vergnügen (anderer), sondern als brauchbare, schwer arbeitende Ehefrauen - und zahlen dafür bereitwillig immer höhere Preise.

Die Herrsteller von Sex-Puppen, die indes für den Vergnügungs-Markt der westlichen Industrienationen produzieren, werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die echten Frauen u.a. auch deshalb durch ihre Produkte "entlastet" würden: Was macht den Unterschied, ob Männer für eine echte Frau oder einen Service-Roboter der so aussieht wie eine, bezahlen? Ob das jedoch ein Argument ist, dürfte erst feststellbar sein, wenn die künftigen KI-Puppen auch für Schwerstarbeit auf Feldern und Bauernhöfen einsetzbar sind und ob sie dann nicht immer noch zu teuer sind, gegen Frauen, denen nichts gehört, die nichts verdienen und die "besseren", billigen Sklaven sind.
Ein weiterer Faktor ist die Gesundheit im 21. Jahrhundert mit um die Welt reisenden Viren und Bakterien - bei steigenden Resistenzen gegen sämtliche verfügbare Medikamente, inklusive Zunahme alter und neuer Geschlechtskrankheiten. Einen Roboter kann man gründlich desinfizieren, so dass sich inzwischen auch das klassische, horizontale Gewerbe interessiert zeigt, das - von zahlreicher Gesetzen geplagt, die das Gewerbe verteuern - auf die möglichen Gewinne der günstigeren Roboter-Varianten längst aufmerksam geworden ist.

Der wichtigste gewinnbringende Faktor dürfte allerdings die wachsende Zahl von Fähigkeiten und Funktionen von Service-Robotern sein, so dass der überarbeitete Mensch demnächst durchaus aus diversen Modellen auswählen kann, die die verschiedensten Tätigkeiten kombinieren und im Einzelnen einfach (besser als je ein Mensch) können: Ein perfekter Sex- und Haushaltsroboter - wie die Frauen von Stepford - ist damit inzwischen alles andere als abwegig, sondern dürfte in nicht allzu ferner Zukunft eine der leichtesten Übungen in der Produktion überhaupt sein. Schließlich hat man es in China jüngst sogar geschafft, so etwas feinmotorisch Anspruchsvolles wie eine komplette Zahnimplantation vollständig durch einen Roboter ausführen zu lassen. Operations-Roboter gibt es auch schon viel länger. Wer weiß, vielleicht kann die superschöne, super-kochende und super-sauber-putzende Sex-Roboterin demnächst sogar auch noch als Röntgen-, Zuckermess- und Fitness-Roboter dienen? Oder ähnlich wie in der Filmreihe "Transformer", könnte sich die Service-Roboterin von der "Geliebten" am Vorabend am nächsten Tag in ein schnelles Motorrad verwandeln - das einen zur Arbeit chauffiert? Die Sehnsucht nach der perfekten Partnerin und dem perfekten Partner hat etwas Unwirkliches - und macht sie deshalb so anfällig für Angebote, die jeden noch so abstrusen Wunsch zu verwirklichen versprechen.
Eine soziale Maschine, der immer da ist, allzeit bereit, immer zur Seite steht - ohne Wenn und Aber, ohne je müde zu werden, ohne die Gefahr zu altern, zu kränkeln oder auch nur die gute Laune zu verlieren und eines Tages - nach geschickter Programmierung - auch noch bei ausschließlichem Bedarf des Nutzers als eloquenter Gesprächspartner eine gute Figur abgibt. Kann man sich einen perfekteren Partner fürs Leben wünschen? Kann man sich solch einem attraktiven Angebot überhaupt noch entziehen?

Big Data zum Wohlfühlen?

Rasant ist schon fast zu wenig, die Entwicklung überschlägt sich und nirgendwo können, wegen der Fokussierung auf die Bedürfnisse des menschlichen Gegenübers, diese vielen Wünsche besser in neue Funktionen und Entwicklungen gegossen und ausprobiert werden als mit einem, jeweils mit einem einzigen Menschen interagierender Roboter. Außerdem kann man die Daten vergleichen und analysieren. Das macht persönliche Service-Roboter über die Gewinnaussichten hinaus zu perfekten Entwicklerplattformen.
Doch es gibt auch einen Hahnenfuß. Ob datenübertragende Babyfons oder Teddybären - Eltern werden schon lange davor gewarnt, dass das hübsche Spielzeug in den Kinderzimmern, das immer so nett mit ihnen spricht und die Kleinen damit stundenlang beschäftigt, zunehmend mit dem Daten-Sammeln zugunsten von ganzen Unternehmens-Konglomeraten beschäftigt ist. Das ist noch gar nichts gegen das, was Service-Roboter und künftige Sex-Puppen können und können werden und aktuell in einer Entwicklungswelle unbekannten Ausmaßes auf uns zurollt. Die durch den intimen Umgang mit einem Sex-Roboter gesammelten Daten dürften dabei auch noch um einige Stufen delikater sein, als die derjenigen, die lediglich Gepräche aufzeichnen. Zum Beispiel könnten auch Gesundheitsdaten anfallen, ein ganz sensibler Bereich. Nutzer sollten sich rechtzeitig mit möglichen Folgen auseinandersetzen, bevor sie wieder - wie in der Vergangenheit - vor lauter Begeisterung sämtliche Sicherheitsschranken ihres Denkorgans ausschalten. Ähnlich den mächtigen "sozialen" Netzwerken, werden im Übrigen auch wieder diejenigen von Fremd-Algorithmen behelligt werden, die gar nicht Mitglied in dem Zirkus sind, der seinen Nachfragern nichts anderes geben will, als genau das, was sie verlangen.

Service-Roboter funktionieren wie andere Assistenzsysteme, die für ihre Dienste mit Daten gefüttert werden müssen, bei persönlichen Robotern von demjenigen, mit dem sie Umgang und Kommunikation pflegen sollen. Mit steigender Datenmenge und Auswertung werden ihre Antworten und Reaktionen immer besser und sie gehen immer gezielter auf die Bedürfnisse des Anwenders ein. Die ausgefeilte Kommunikation eines Sex-Roboters mit seinem menschlichen Gegenüber ist das erklärte Ziel der Hersteller, wobei ihnen der Zeitgeist in die Hände spielt.
Die schon erhältlichen, vielen Apps, die sich ebenfalls immer mehr einsame Herzen an der Stelle einer echten Freundin als ihre alltägliche Begleiterin zulegen, sind ein aktuelles Beispiel dafür und finden u.a. in Asien reißenden Absatz. Geschuldet ist das einerseits der Vereinsamung in ständig wachsenden Großstädten, aber auch den anhaltend vorherrschenden restriktiven Traditionen in den analogen Gesellschaften in vielen Ländern der Erde, die den Gegensatz zum vermeintlich freien Digital Life bilden.

In nicht wenigen sittenstrengen Gesellschaften erwarten Eltern und Verwandte von ihren Söhnen immer noch kategorisch eine Ehefrau, die lebenlänglich schuftet und Enkel zur Welt bringt, - und denken dabei keineswegs an eine anregende Gesprächspartnerin für ihren Sohn. Der hat in den Augen der Eltern, Großeltern, Tanten usw. immerhin nicht weniger als den wirtschaftlichen Erfolg der ganzen Familie zu erhalten. Nicht wenige Jugendliche auf der ganzen Welt zerbrechen ganz schlicht an diesen extremen Ansprüchen und Gegensätzen aus zwei ganz verschiedenen Welten.
Die Flucht ins digitale Leben und die Verlegung des Privatlebens in die Maschinenwelt muss nicht immer eine Huldigung des Establishments sein, sondern kann vor allem von Jugendlichen noch als Revolte gegen verkrustete familiäre und gesellschaftliche Traditionen empfunden werden. Und so steigt auch die Zahl der (männlichen) Jugendlichen, die mit Hilfe neuer Technologien verzweifelt versuchen, aus überholten Traditionsmustern auszusbrechen, die einen enormen Druck auf sie ausüben. Dass die vermeintliche Privatheit ihrer in der virtuellen Welt endlich erfüllten Sehnsüchte nach Kommunikation, Sex oder Liebe gar nicht existiert, sondern sie in lediglich neue Abhängigkeiten laviert, merken viele junge Nutzer dann erst viel später.

Schönheit kommt von außen

Leblose Puppen haben in den Augen ihrer Benutzer eindeutige Vorteile. Die bekannten sind ewige Jugend und ein einladendes Aussehen, das - je nach Geldbeutel - vom Hersteller den ganz persönlichen Vorstellungen des Bestellers angepasst werden kann. Beliebte Vorlagen sind Filmstars (die öfters von unautorisierten Nachbildungen unangenehm überrascht werden) oder einstige, echte Partnerinnen, zeitlich eingefroren auf das Alter von höchsten zwanzig Jahren - und darunter. Mit deutlich niedrigeren Wartungkosten kann der Nutzer ebenfalls rechnen - im Vergleich zu einer echten Frau, die selbst, wenn sie ein eigenes Einkommen hat, dennoch schlafen, essen und wohnen muss. Eine echte Frau kann außerdem alt, krank zickig oder auch nur plötzlich ganz eigene Vorstellungen entwickeln, die dem Mann Probleme bereiten, die er gar nicht haben will. Das ist wenig attraktiv und rentabel. "Warum plagen Sie sich mit einer deutschen Emanze herum", textete noch in den 1990er Jahren eine Heiratsanzeige im Lokalblatt, "Nehmen Sie lieber eine anschmiegsame Russin, die Ihnen das Leben versüßt." Aber selbst die muss sich nun, wenn den leblosen Dingern mit KI Leben eingehaucht wird, bald ganz alleine warm anziehen, weil die Roboterin im Gegensatz zu ihr nie altert. Wahrscheinlich gibt es auch noch drei Jahre Garantie, bei Aufschlag mit Verlängerung.

Die künstliche Frau wird niemals enttäuschen, versprechen zumindest die Hersteller, die damit angefangen haben, KI-Experten aus ihren einst abgeschlossenen Universen der Uni-Labore und IT-Firmen abzuwerben. Die wissen allerdings selbst noch nicht so genau, wohin die Reise der Sexy-Roboter mit künstlicher Intelligenz wirklich gehen wird. Wenn das System anfängt sich selbst zu versschalten, mutmaßen einige, könnte irgendwann selbst der menschliche Meister nicht mehr exakt einschätzen, mit was er in Zukunft zu rechnen hat. Bis jetzt ist das noch Zukunftsmusik. Auch die noch an zwei Händen abszählbaren existierenden KI-Roboterinnen kämpfen zur Zeit noch schwer mit der Mimik, der Sprache sowie einfachsten Hand-, Kopf und Beinbewegungen, von sexy Posen ganz zu schweigen. Doch bis sie voll beweglich sind, wird es wohl nicht mehr lange dauern. Laut Herrstellern werden sich die hohen Anschaffungskosten schnell rentieren, ähnlich wie bei Solaranlagen auf dem privaten Hausdach, dem einige Hausbauer nach einigen Jahren Gebrauch ebenfalls ein Eigenleben nachsagen.
Wenn die KI-Roboterinnen technisch so weit aufgrüstet sind, so stellen es sich Entwickler und Hersteller vor, wird der Besitzer zum Meister seiner künftigen Gespielin und programmiert sie genau so, wie er sie haben will.

Unsere sprachlose Feigheit

Was sich viele Menschen im analogen Leben des 21. Jahrhunderts einem anderen echten Menschen nie zu sagen wagten, trauen sie sich erstaunlich oft und ausschweifend in virtuellen Netzwerken. Das Phänomen, wildfremden Menschen, nur weil man sie nicht direkt vor der Nase hat, die privatesten Dinge anzuvertrauen ist nach wie vor erstaunlich - und anhaltend hoch. Auch das macht den Erfolg von "sozialen Netzwerken" aus. Angst vorm echten Leben? Nicht von der Hand zu weisen. Man bildet sich ein, der virtuelle Kontakt, die Maschine, der Roboter, das Programm könnten nicht verletzten. Ein Trugschluss, wie so mancher Facebook-Nutzter bei der Einreise in die USA bereits feststellen musste. Aber einfach mal die nette Nachbarin von Gegenüber fragen, ob sie vielleicht Lust hat, sich am Feierabend-Joggen durch den Park zu beteiligen? Um Gottes Willen, sie könnte doch sonst etwas denken!

Da erscheint es uns dank erfolgreicher digitaler Aufrüstung sämtlicher Privathaushalte in den Industrienationen durch die vergangen zwanzig, dreißig Jahre inzwischen doch viel einfacher, und damit wirbt die Branche schließlich auch ganz geschickt, Mitglied in einem sozialen Netzwerks zu werden und sich in den entsprechenden Interessengruppen umzusehen. Dazu muss man zwar erst stundenlang die Regeln studieren und sich den maschinellen Erfordernissen der Programme anpassen, aber den Preis für unsere eigene Feigheit nehmen wir, ständig gemaßregelt wie wir es schließlich aus dem analogen Leben bereits gewohnt sind, gelassen hin.
Seitdem hängen wir an der digitalen Nadel und können nicht mehr aufhören, ständig auf unser Smartphone zu starren. Die gleiche Erreich - Verfügbarkeit versprechen bald auch Sex-Maschinen zu erfüllen - und genauso wie in unseren Profilen: Je besser sie eingestellt, gepflegt und mit Daten gefüttert werden, desto besser werden sie liefern, immer und überall.

Die große Sucht - kompromissloser Sex in vollstem Technik-Vertrauen

Wer es noch nicht herausgelesen hatte: Das Suchtpotenzial ist enorm, bei allen Beteiligten, ob Akteuren, die die Gewinne fließen sehen oder Anwender, die von ihrem neuen Spielzeug nicht mehr lassen können. Und die Grenzen sind nach oben offen: Längst hat man mit der technischen Optimierung des Menschen begonnen und finden gar nichts Verwerfliches daran, öffentliche Überlegungen anzustellen, was man denn mit der Rest-Menschheit in Zukunft anfängt, bzw. wie man mit dieser verfährt, wenn die sich ihrer eigenen technischen Optimierung zum Super-Ich etwa veweigern wollte. Das Orwellsche 1984 mag sich in der Jahreszahl geirrt haben, vom Tisch ist es deshalb noch lange nicht.

Per Elektroden auf echten Gehirnen und Computertechnik lässt sich zwischen mehreren (echten - mit Robotern dürfte das in Zukunft ebenfalls funktionieren) Menschen ein Gefühl der Einheit herstellen, von dem die Deutschen an jedem 3. Oktober gegenwärtig nach den ersten Jahren der Wiedervereinigung inzwischen wieder träumen. Die Kollegen der Chemie können so etwas Ähnliches mit Hilfe von Hormonen künstlich erzeugen - oder durch andere Drogen. Und nicht anders wie eine Droge funktioniert das auch mit der neuen Technik. Mit elektrischer Gehirnstimulierung kann man zudem die Lern- und Konzentrationsfähgikeit ähnlich steigern, wie durch Doping oder schicker ausdrückt "Neuro-Enhancement", das seit vielen Jahren immer wieder von bestimmten Kreisen vehement eingefordert wird, weil es die Menschheit angeblich weiterbringe. Ob es sich dabei nun wieder nur um eine Simulation handelt oder um einen echten Fortschritt? Dahingestellt, so wenig nüchtern, wie derzeit die Welt betrachtet wird, lebt inzwischen offenbar jeder in einer anderen Wirklichkeit, zur der eben auch die Forderung nach Doping für alle passt, die deshalb aber auch nicht wahrer wird.

In Zukunft wird die auf uns zu Hause wartende Sex-Maschine angestellt wie das Smartphone oder morgens die Kaffeemaschine und uns todsicher einen Orgasmus nach dem anderen liefern, wann immer uns danach sein sollte. Irgendwann haben wir uns daran gewöhnt und können gar nicht mehr anders, wir werden Süchtige. Die Freunde werden ausgeladen, die Nachbarin sowie nie angesprochen, man lässt Verabredungen mit echten Menschen platzen, weil sie im Vergleich zum userfreundlichen Gebrauch der Maschine viel zu anstrengend geworden sind. Das Haus muss überhaupt nur noch wegen kaum etwas anderem als zum Arbeiten oder Einkaufen verlassen werden, weil alles, was man braucht, sich bereits zu Hause befindet, ohne irgendeinen anderen Menschen überhaupt noch ernsthaft bemühen zu müssen - die IT-Ausstattung, der Kühlschrank, die Habseligkeiten. Der menschliche Kommunikations- und Sex-Bedarf passt sich dem maschinell getakteten Regelwerk im Laufe der Zeit immer besser an und wird durch den Service-Roboter vollkommen gedeckt. Sollten - wegen der 24/h- Beschäftigung kaum möglich - seltene Einsamkeitsgefühle hochkommen, wählt man sich ins Multiplayer-Verfahren übers Internet ein. Die schöne neue Welt des Single-Lebens im 21. Jahrhundert, die so bleibt wie sie ist: Ein Roboter wird nicht schwanger.

Zurück in die schnöde Gegenwart. Laut Zahlen der Organisation Responsible Robotics aus einer Studie aus dem Jahr 2016 (Scheutz und Arnold) unter US-Amerikanern zwischen 20 und 61 Jahren können sich zwei Drittel aller Männer Sex mt einem Roboter vorstellen, während zwei Drittel aller Frauen ablehnen. Weitere zitierte Umfragen ergeben einen jeweils deutlich geringeren Anteil der Teilnehmer, die sich auf Sex mit einem Roboter einlassen würden. Eine andere Umfrage ermittelte, dass die Bereitschaft steigt, wenn der Roboter über ein menschliches Aussehen verfügt. Und in einer wieder anderen Studie bewerteten befragte Männer, denen Bilder gezeigt wurden, Roboter in Unterwäsche als weniger attraktiv als die von Frauen in Unterwäsche, wobei der Autorin dieses Artikels die Bilder nicht bekannt sind.
Auch wenn es unfreiwllig etwas komisch klingt, könnte es auch nur bedeuten, dass gegenwärtige Roboter aus Silicon u.ä. in der Gegenwart einfach noch nicht so menschen-ähnlich aussehen, wie es sich potenzielle Anwender wünschen. Damit ist die Illusion oder die Imitation einer echten Begegnung für den Betrachter immer noch deutlich als Fake erkennbar, zumal sich die o.g. Gehirn-Verdrahtungen im fortlaufenden Experimentierstadium befinden. Die Ähnlichkeit von Wachsfiguren mit Menschen ist aktuell immer noch größer, doch die Materialforschung und - entwicklung der Hülle entwickelt sich genauso rasant wie das technologische Innnenleben. Einige humanoide Roboter kommuninzieren bereits über ihre eine eigene Webseite, wie Sophia von Hanson Robotics: sophiabot.com.

Sexroboter - die Boom-Branche

Selbst Schauffenster-Puppen-Hersteller vergangener Tage wunderten sich anfangs über die auf sie hereinbrechenden Anfragen von interessierten Kunden, die etwas ganz anderes bezweckten, als die bestellte Plastik-Nachbildung einer Frau in ein Schaufenster zu stellen. Den Boom der Branche verursachte nicht nur, aber laut allen vorliegenden Informationen, vor allem die hohe Nachfrage. Ähnlich wie dem größten bekannten "sozialen Netzwerk" der Welt, einst niemand zutraute, wirtschaftlichen Erfolg zu haben, das heute als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gilt, könnte die Branche demnächst den Markt durch ihr immenses Wachstum überraschen. Wie beschrieben, steigt die Zahl frauenloser Männer täglich und treten viele weitere Faktoren hinzu, die den Zeitpunkt für einen Markt für menschenähnliche Service-Roboter günstiger als jemals zuvor erscheinen lassen. In Deutschland trägt dazu auch der Bewerbermangel in verschiedenen Berufsgruppen oder auch die Nutzung als Entwicklerplattform bei, als nur die offensichtlichen Vorteile des Produkts im alltäglichen Gebrauch. Wenn die Kundschaft die Nachteile wie die Gefahr des Datenmissbrauchs genauso schlucken sollte, wie bei Smartphones geschehen, sollten sich alle Beteiligten und bislang noch Unbeteiligten auf diese Entwicklung einstellen.

Was passiert mit den echten Frauen?

Anders als in Stepford, wird es immerhin schwer machbar sein, ca. 3,6 Milliarden Frauen verschwinden zu lassen. Seitdem die Möglichkeit der Kombination von KI und Sexpuppen bekannt geworden ist und die Nachfrage nach Sex-Puppen steigt, ohne das gleichzeitig die Gewalt gegen Frauen und Mädchen messbar abgenommen hätte, streiten sich Forscher und Ethiker heftig um die Folgen für die analoge Welt, d.h. insbesondere für die durch KI aufgerüstete Puppen abgebildeten, echten Frauen und Mädchen.

Werden Frauen - wie die Produzenten behaupten - durch die Roboter eher entlastet und in Folge dessen künftig weniger belästigt, verfolgt oder Gewalt ausgesetzt? Oder wird das genaue Gegenteil passsieren, wie Kritiker meinen, nämlich durch die freie Nutzung von Sex-Robotern, vorwiegend durch Männer, die Degradierung zum Objekt von Frauen und Mädchen fortschreiten und damit zu einem weiteren Rückschritt der Geschlechter-Chancengleichheit führen?

Vor kurzem startete sogar eine Initiative gegen Sex-Roboter um die britische Computer-Ethikerin Kathleen Richardson, die sicher ist, dass die Prostitution als auch die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern durch den gerade entstehenden Markt für Sex-Roboter zementiert und eher noch steigen wird. Zum einen wird durch den Erwerb oder das Mieten eines Sex-Roboters bezahlter Sex zum normalen Umgang mit Sexualität aufgewertet, was der Prostitution entspricht, lautet eine Kritik. Inbesondere aber befürchen die Gegner eine durch die Roboter eher fortschreitende Degradierung echter Frauen und Mädchen zu nutzbaren Sex-Objekten und eine Abnahme der Empathie-Fähigkeit der Nutzer von Sex-Robotern, wie man sie bei Porno-Konsum mit Suchtverhalten beobachten kann, die auch dazu neigen, immer extremere Formate zu wählen, in denen die Erniedrigung von Frauen lediglich eines von vielen Genres ist. Eine sinnvolle Therapie sehen Ärzte, und Psychologen bislang deshalb auch nur im Aufbau und der Förderung von echten Beziehungen.
Weitere Informationen, Kampagnen-Seite: Campaign against Sex-Robots

Wenn das Modell Roboter-Sex lediglich auf die bis heute ungebrochenen Missbrauch von Frauen und Kindern aufgesetzt wird, ohne die bestehenden Strukturen der Unterdrückung überhaupt noch in Frage zu stellen, könnten dessen Kritiker recht behalten. In diesem Machtgefüge gibt es nur zwei Positionen, die Macht und die Ohnmacht. Jede davon bedeutet, ob für Frauen oder Männer, in erstickenden Konventionen gefangen zu bleiben - indivuelle Freiheit und selbstbestimmte Entscheidungen ausgeschlossen. Eine angebliche Entlastung echter Frauen dürfte deshalb schon höchst zweifelhaft sein, weil dasselbe Argument auch schon bei der Porno-Industrie ins Leere lief. Internet-Pornos haben nicht durch die sexuelle Betätigung als solche, sondern durch ihren visuellen Reiz ein extrem hohes Suchtrisiko. Auf das Gehirn wirkt der fortgesetzte Dauerbeschuss mit visuellen Reizen wie ein Dauer-Dopamin-Rausch in Reihe, inklusive fortschreitender Abstumpfung der entsprechenden Rezeptoren. Der sogenannte Coolidge-Effekt, trat zumindest in bisherigen Versuchen auch bei Frauen auf, allerdings in abgeschwächter Form. Die männlichen Versuchstiere agierten indes bis zur totalen Erschöpfung - ihr hirneigenes Belohnungssystem drehte durch. Inzwischen gibt es die ersten Studien, die untersuchten, ob als Folge extensiven Porno-Konsums nicht nur die Beziehungsfähgikeit beeinträchtigt wird, sondern dieser auch einen direkten Einfluss auf die Krimininalitätsrate hat, wie u.a. vor kurzem die schottische Organisaion Reward Foundation berichtete.

Die Kehrseite der Plastik-Schönen - auch für den Anwender

Neben allen Vor- und Nachteilen ist die Genügsam- und Anspruchslosigkeit der Maschinen nur scheinbar vorhanden. Sie benötigt zwar keine regelmäßigen Mahlzeiten, keinen Schlaf, keine Erholung und der Energieverbrauch wird mit Fortschreiten der Entwicklung immer weiter reduziert, aber sie frisst massenhaft Daten. Um ihre tollen Funktionen erleben zu dürfen, muss sich der Nutzer damit abfinden, wie bei jedem anderen Programm auch, bestimmte Eingaben zu tätigen, bestimmte Vorgaben zu erfüllen, um den nächsten Level zu erreichen - um dann wieder massenhaft Daten zu liefern. Damit kann sich die Degradierung zum Objekt irgendwann auch umkehren und der Nutzer eines Sex-Robots findet sich eines Tages in der Rolle des Objekts der (Daten-)Begierde wieder.

Was kodiert werden kann, kann bekanntlich auch dekodiert werden. Eine unmittelbare Gefahr für den Anwender des Produktes besteht darin, dass Hacker ihren Spaß daran haben werden, die künstlichen Gespielinnen umzuprogrammieren, wenn sie Sicherheitslücken finden. Wie ein Insider einmal bermekte, kann das durchaus lebensgefährlich werden, wenn sich menschenähnliche Roboter, die bis zu 100 Kilogramm wiegen können, gegen ihrer Nutzer wenden.
Last but not least, dürften nicht nur Personen des öffentlichen Lebens überlegen, welche peinlichen Leaks künftig möglich sind. Dieses "Spielzeug", mit Sensoren, Kameras und anderen, immer sensibleren Materialen und damit Möglichkeiten der Datenerfassung ausgestattet, um immer "kundenorientierter zu dienen", könnte es erforderlich machen, es zu sichern wie Fort Knox. So ähnlich wie die ersten Gesetze für den Gebrauch privater Drohnen gerade noch rechtzeitig erlassen (und inzwischen angepasst) wurden, sollte sich der Gesetzgeber etwas einfallen lassen müssen. Ebenso untergeordnete Behörden, bevor der erste Service-Roboter womöglich beim Elternabend in der Schule auftaucht und den lediglichen Mangel an Regularien ausnutzt, um seinen Anspruch auf die Datenerfassung in Bausch und Bogen sämtlicher Teilnehmer durchsetzt.
Genauso wie beim Umgang mit nervigem Klingeln von Smartphones oder filmwütigen Fans im Theater oder Kino, dürften sich sämtliche Einrichtungen künftig überlegen, ob sie privat genutzte Service-Roboter ihrer Besucher mit welchen Funktionen in ihrem Haus zulassen wollen oder nicht. Die Digitalisierung des analogen Lebens erreicht ihren nächsten massetauglichen Level und zwingt dadurch auch eigentlich Unbeteiligte zum Handeln.

Das alles zusammen eröffnet sämtliche Möglichkeiten der Korrummpierbarkeit, die von der Neutralität einer Maschine, die nicht denken kann, zu sehr personalisiert wurde oder der die "Roboter-Gesetze" von der Festplatte gehackt wurden sind, nicht neutralisiert werden können. Es bleibt eine Maschine, allzeit bereit und immer demjenigen zu Diensten, der sie aktuell beherrscht, ein wunderbares Instrument für alle möglichen Missbrauchsszenarien. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung bekommt die Titelzeile des einst von Percy Sledge herzzereißend geschmetterten, gleichnamigen Songs "When a Man Loves a Woman" auf einmal eine ganz seltsame Bedeutung. Henry Higgins, Pygmalion und ELIZA lassen grüßen.


2017-10-01, Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Wirtschaftswetter
Foto Banner: aph

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