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Spielend Sparen

Spielidee

Die Luxus-Puppenhütte aus Pappe

von Angelika Petrich-Hornetz

Puppenhaus aus Pappe Das vergangene Jahr ist vorbei und damit auch Weihnachten, Nikolaus, alles Feste und Gelegenheiten, anlässlich derer die lieben Kleinen großzügig mit Geschenken überhäuft wurden und mit diesen auch erst einmal vollauf beschäftigt waren. Nicht immer ist das Wetter-Glück familiär günstig, so dass die nächste Generation zufrieden damit sein kann, Schlitten, Schlittschuhe oder Ski zu fahren. So müssen sich Eltern spätestens ab Januar etwas für verbliebene, regnerische Ferientage und einen noch lange andauernden Winter einfallen lassen. Und das nicht selten bei knappem Budget.

Hier kommt unsere Bastel-Anleitung ins Spiel, die an einem anfänglich noch schnöden Nachmittag für Kinder ab dem Kindergartenalter erfunden wurde. Wie so oft, ist die Idee aus dem Zufall geboren: Das gesamte Material war halt gerade da, als sich gelangweilte kleine Kinder, ihrer Weihnachtsgeschenke längst überdrüssig geworden, eine neue Beschäftigung für drinnen suchen mussten. Ergebnis: Ein vergnügter, äußerst kommunikativer Nachmittag ohne teures Spielzeug ist auch in der Gegenwart immer noch möglich und billig muss nicht gleichbedeutend mit langweilig sein.

Das Material: 1 sehr große feste Pappe, z.B. eine Seite eines großen Kartons, alte Möbelkataloge, Zeitschriften und Werbeprospekte, 1 (oder mehrere) Klebestift(e), 1 Bastelschere pro Kind, ein paar dicke Filzstifte

Das Haus bauen

Auf die große Pappe werden mit den Filzstiften die Umrisse von Zimmern gezeichnet, die sich in einem Haus üblicherweise befinden, oder wie es die künftigen Bewohner wünschen, zum Beispiel: Küche, Bad, Flure, Dachboden, Kinderzimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Keller, Speisekammer, Garage etc. Je größer die Pappe, desto mehr Platz im Haus, desto mehr Zimmer passen in unser Haus, desto größer geraten die Zimmer, die nachher fröhlich gefüllt werden. Zu empfehlen ist die Seitenansicht - ein Querschnitt des Hauses, wie in einem Puppenhaus, ganz einfach, weil die Möbel in den Katalogen auch meistens seitlich abgebildet werden, jedenfalls sehr selten von oben fotografiert – was allerdings auch einmal eine interessante Variante wäre.

Möbel "kaufen"

Aus Katalogen, Zeitschriften und Werbeprospekten werden nun die benötigten Möbel ausgewählt. Interessant sind die Unterhaltungen der neuen, kleinen Bewohner. Wer was für Vorlieben hat, wird ausgiebig diskutiert und was dem einen der Fernseher im Wohnzimmer ist dem anderen tatsächlich die Mikrowelle in der Küche. Das nächste Kind kann sich ein echtes Kinderzimmer ohne Sitzsack oder Rutsche gar nicht erst vorstellen.

Ausschneiden

Nun muss noch entschieden werden, wer was ausschneiden darf. Das ist deshalb nicht so einfach, weil der Sitzsack aus dem Katalog auf der anderen Seite des Fernsehers zu finden ist, und letzterer soll doch unbedingt ins Wohnzimmer des neuen Papphauses. Da müssen Kompromisse gefunden werden: Gibt es vielleicht noch einen viel schöneren Sitzsack oder Fernseher auf einer anderen Katalog- oder Zeitschriftenseite? Auf dessen anderer Seite befinden sich glücklicherweise lediglich ein paar Autoreifen. Was sollten diese auch in einem Haus? Prompt fällt einem kleinen Kreativen ein, die gehören selbstverständlich in die sorgfältig eingezeichnete Garage. So vergeht der Nachmittag unterhaltsam. Die Kleinen und ihre Betreuung merken nicht einmal, dass noch niemand eingezogen ist, immerhin gibt es schon ein paar Möbel in den Zimmern.

Das Finetuning– jetzt wird’s bunt

Der glamourös besetzte Dachboden ist einmalig in diesem Wohnviertel. Dort hängt fast ausschließlich Chanel - kein Wunder, alles auf der Wäscheleine stammt aus einer alten Vogue. Dabei dürften die ordentlich mit eingezeichneten Wäscheklammern aufgehängten Roben in der Realität eher die Reinigung als die heimische Waschmaschine gesehen haben. Wie gut, dass in der Fantasie alles möglich ist.

Die Waschmaschine selbst thront dafür im Badezimmer, darauf befindet sich eine überdimensionale Packung Waschmittel aus einem Werbeprospekt. Auch die, nach ihrer Größe zu urteilende, 15-Liter Flasche Shampoo auf dem Badezimmerregal wirkt sehr beeindruckend. Im Regal in der Küche indes liegt ein Päckchen Nudeln, neben Ketchup und einem Kohlkopf. Wer von der Garderobe, Bad-Accessoires und vorhandenen Nahrungsmitteln hier auf einen Lebensstil schließen will, steht vor einem unlösbaren Rätsel. Das Kinderzimmer ist dagegen inzwischen – wie im echten Leben – mit Spielzeug überfüllt. Weder dort noch in eines der anderen Zimmer passt jetzt noch ein einziges Möbelstück hinein. Moment. Ach, da fehlen noch die Lampen. Flugs werden die unmöglichsten Modelle ausgeschnitten und eingeklebt, inklusive einer Stehlampe im Wohnzimmer, auf die ein Kind besonderen Wert legt. Eine Deckenlampe bringt sogar das Kunststück fertig, die Schwerkraft zu vernachlässigen und steht seitlich im 90-Grad-Winkel von der Wand ab. So eine hätte ich auch gerne - in Wirklichkeit.

Einzug

Weil ja nun mit Möbeln alles bereits voll ist, werden anschließend Menschen aus Zeitungen ausgeschnitten. Claudia Schiffer stolziert durch unseren Flur. Steinmeier nahm in der Küche Platz – auf einem Küchensofa, eigentlich eine sehr gute Idee, ein Sofa in der Küche. Tim Mälzer bekocht derweil offensichtlich Herrn Steinmeier an unserem etwas schräge stehenden Herd. Während wir den früheren Bundesaußenminister in einer Tageszeitung vom Sofa irgendeines Staatsoberhaupts schnitten, fanden wir Mälzer auf einem Bild einer alten Programmzeitschrift. Nachdem die VIPs eingezogen sind, kam jemand auf die Idee, Männchen zu malen, und aus Fotos die Gesichter von Oma und Opa auszuschneiden und aufzukleben. Die sitzen jetzt neben Steinmeier in der Küche, während sich die eingezeichnete und mit Portrait-Gesicht beklebte Tante angeregt mit Claudia Schiffer zu unterhalten scheint.

Und im Kinderzimmer spielen jetzt Pippi Langstrumpf und der kleine Nick (aus einem Buchprospekt). In der Badewanne badet Schweinchen Babe. Tokio Hotel zogen in Papas Büro. Keiner weiß, was sie dort am Schreibtisch aushecken, aber diejenigen, die bestimmten, wer wo einzog, quietschen bei jeder neuen Einklebung vor Vergnügen. Celebrities ziehen halt immer.

Mit diesen reinen Vergnügen ist der Zweck des ganzen Spiels vollkommen erfüllt. Selbstverständlich kann man das in ähnlicher Form als Schwebe-Klebebilder-Album kaufen oder im Internet spielen, aber es ist exakt diese Qual der Wahl in einem Wust Werbprospekte, Zeitschriften - das Gefummel mit Pappe, Klebestift und Schere, das Papierchaos auf dem Fußboden, über das ab- und zu auch noch jemand mit Saftgläsern balancieren muss, und vor allem das Plaudern über diese oder jene Idee, das gemeinsame Schnippeln und das eigenhändige Zusammenpappen, das offenbar den Kern des Vergnügens ausmacht.


2006-12-26 by Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Illustration: © Angelika Petrich-Hornetz, Wirtschaftswetter
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