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Shah Rukh Khan Superstar

Der Badshah von Bollywood erobert auch den Rest der Welt

von Angelika Petrich-Hornetz

Wenn von Bollywood die Rede ist, kommt keiner an ihm vorbei. Nicht nur in Indien ist Shah Rukh Khan - als Kürzel: SRK - das, was man allgemeinhin als einen Mega-Star bezeichnen kann. Sein Publikum himmelt ihn an und es wächst täglich, weit über die Grenzen des indischen Subkontinents hinaus. Dabei sah es zunächst nicht unbedingt danach aus, als ob der Junge, der im November 1965 in Neu Dehli geboren wurde und in der Schule ab- und an den Klassenclown gab, je Filmschauspieler werden würde

Zunächst arbeitete er im familieneigenen Restaurant und bekam erst in den späten achtziger Jahren die ersten kleineren TV- Rollen, unter anderen auch in den Serien Dil Darya und Fauji, die sehr gute Quoten erzielten. Und damit begann sein steiler Aufstieg. Im Kino gelang ihm später der sonst selten einträgliche Wechsel vom romantischen Helden zum Bösewicht und wieder zurück zum romantischen Helden. In einem Interview im letzten Jahr mit dem Magazin Stern stellte der mit einer Hindu verheiratete Muslim und Vater von zwei Kindern sein entspanntes Verhältnis zur Religion dar. Er toleriere alle Bräuche, sagte Khan, es sei denn, diese würden andere Menschen verletzen. An anderer Stelle verriet er, dass Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams sein Lieblingsbuch sei. Doch Details aus seinem Privatleben sind inzwischen mit Vorsicht zu genießen, die Legendenbildung um den Filmstar hat, wie üblich, längst eingesetzt.

Was fasziniert aber nun Europa an dem indischen Film-König, der King Khan und in Steigerung Badshah of Bollywood genannt wird? Er selbst sagt ständig von sich, dass er sich nicht besonders gut aussehend fände – was seine Fans, insbesondere die weiblichen, empört zurückweisen oder seiner eigentümlichen, charmanten Bescheidenheit zuschreiben – doch bis auf die Grübchen, scheint Khan wirklich kein besonders auffälliges Merkmal zu haben, dass ihn für soviel Starruhm automatisch prädestinieren würde. Der Rummel um seine Person ist ihm sogar etwas peinlich. Immerhin interessiert sich inzwischen mindestens die halbe Welt für jeden Foto-Fitzel und für jeden Wort-Fetzen, den der unangefochtene Superstar der indischen Kinoleinwand von sich gibt.

Sicher, Filmfans wissen alle, dass zum Beispiel Toby Maguire zunächst auch nicht als die Traumbesetzung von Spiderman in den Augen der Studiobosse galt und trotzdem kommt er im Film dermaßen gut rüber, dass er bereits zum dritten Mal (am 3. Mai 2007 ist Kinostart) in Folge zu eben dieser Traumbesetzung aufstieg. Maguire ist ein Paradebeispiel dafür, dass nicht die Wirklichkeit sondern die Wirkung vor der Kamera entscheidend ist. Und die trennt bekanntlich die Spreu vom filmreifen Weizen. Die Kamera macht aus einem hübschen Gesicht, das schönste aller Zeiten wie das der Garbo. Sie macht aus einem kleinwüchsigen, schmalschultrigen Herrn einen kühl analysierenden Helden wie Humphrey Bogart.

Und weil die Kamera Shah Rukh Khan liebt, kann er es mit so einigen Hollywood-Schauspielern aufnehmen und hat dennoch eine fatale Ähnlichkeit mit einem von ihnen oder hatte. Denn der, von dem die Rede ist, ging mit den Jahren ein wenig in die Breite. Können Sie sich noch an die Grübchen von Tony Manero erinnern - Saturday Night Fever von 1977? Allein die Story ähnelt durchaus ein bisschen an die erz-romantischen Drehbücher von Bollywood: Armer Junge aus Brooklyn ist der Star der lokalen Disco, verliebt sich in seine Tanzpartnerin - und so weiter.

John Travolta war gerade 23 Jahre alt, als der den coolen Tänzer im weißen Anzug gab, der sämtlichen Discotheken landauf, landab einen sensationellen Boom und den Bee Gees ein ebensolches Come Back bescherte. Während Travolta dank amerikanischer Kost seine schmale Statur weitestgehend verlor, wirkt der bald 42-jährige Khan immer noch wie der schmalgesichtige, gutaussehende, dunkelhaarige Mann von nebenan - mit den Grübchen. Travolta und Khan wurden zum Rollenmodell - von den Jungs nachgeeifert, von den Mädchen umschwärmt.

RolemodelNach Hollywood zu gehen, das hat Khan bislang abgelehnt. Er fühlt sich in Indien sehr wohl, wo er die Möglichkeit hat, seine Karriere weiter konsequent zu verfolgen. Mit der eigenen Firma produziert und dreht er, was er will und macht seit Jahrzehnten haufenweise gut bezahlte Werbung. Kürzlich übernahm er auch noch die Moderation der beliebten TV-Show Kaun Banega Crorepati (KBC) - die indische Version von Wer wird Millionär, die sehr gut lief (bis zum Herbst pausiert die Show). Im letzten Sommer kam auch noch sein eigenes Parfum heraus, französisch natürlich – für den amerikanischen Markt geschüttelt und gerührt.

Auf einen kosmopolitischen Film, der das Kunststück fertig bringt Bolly- und Hollywood projektbezogen zu fusionieren, muss man vielleicht noch etwas warten, obwohl die Hollywood-Schönen verstärkt Interesse bekunden sollen, mit Shah Rukh Khan zu drehen. Im Februar dieses Jahres befragte der Nachrichtensender CNN-IBN ein paar New Yorker zur indischen Film-Konkurrenz und die wünschten sich etwas mehr Bezug zur Realität in Bollywood-Filmen immer dann, wenn Preity Zinta, ein weiblicher Bollywood-Star, es fertig bringt von Queens nach Manhattan zu joggen.

Andererseits erinnert der Realitätsverlust made in Bollywood gerade die Anhänger zahlreicher amerikanischer Un-Wirklichkeits-TV-Serien sowie mindestens ebenso vieler völlig aus der Luft gegriffener Spielfilme an angenehme Stunden der Kurzweil. Ablenkung von allen Alltagssorgen ist auch in den amerikanischen Studios immer Up to Date, auch wenn diese schon lange nur noch sporadisch mit Tanz und Sanges-Routinen aufwarteten.
Das alles hat ja auch noch Zeit, denn Khan ist mindestens immer so jung wie George Clooney, und der wird ja bekanntlich auch immer schöner, je länger seine Karriere dauert.


2007-03-30 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Illustrationen: © Angelika Petrich-Hornetz

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