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Reifeprüfung - die Frau von 50 Jahren von Petra Gerster

Buchbesprechung

von Susanne Hagedorn

Die bekannte ZDF-Moderatorin Petra Gerster nimmt ihren fünfzigsten Geburtstag zum Anlass über ihr eigenes Leben zu berichten und allgemein das Bild der Frau in diesen Jahren zu analysieren. Allein die Zahl 50 scheint für viele Frauen immer noch ein tiefer Einschnitt zu sein, frei nach dem Motto, jetzt sei das halbe Leben wirklich vorbei. Oder die Umwelt drängt sich, selten wohlmeinend, mit der Frage auf, wie die Zäsur empfunden wird: Ernte oder Nachtrauern?

Im ersten Teil des Buches beschreibt Gester ihr Leben, der Ton bringt zum Schmunzeln. Manch einer - oder besser eine - fühlt sich an eigene Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend erinnert: Hatte Ihre Freundin auch die heiß begehrte Barbie und Sie nur die Petra-Puppe? Der autobiographische Teil und auch die Schilderungen der Probleme, die in den Wechseljahren auftauchen, sind leicht zu lesen und gleichzeitig interessant. Das Kapitel über die Wechseljahre könnte man sogar Männern empfehlen, denn es beschreibt sehr anschaulich, warum Frauen dann manchmal so sind, wie sie sind.

Ab dann wird es etwas auschweifend und langatmig, abgesehen von einigen Fallbeispielen aus dem unmittelbaren Umfeld, die von der Autorin immer wieder einstreut werden. Männer, so Gerster, hätten es mit dem Altern angeblich leichter. Das wird nicht jeder Mann unbedingt bestätigen können oder wollen, höchstens eine Erkenntnis, die besonders vor dem Hintergrund der Medienbranche nachvollziehbar erscheint. Trotzdem gibt es auf dem Bildschirm auch die souveräne Selbstverständlichkeit einer Barbara Dieckmann.

Frauen in der Literatur, Frauen im Fernsehen und viele Literaturhinweise. Der letzte Teil zieht sich etwas, nicht alle Frauen um die 50 werden sich dort wiederfinden, manchen wird andererseits einiges längst bekannt sein. Die Rollenmodelle für die heutigen Frauen um 50, so Gerster, fehlen. Vielleicht wären ganz persönliche Erfahrungen, ohne die Suche nach Allgemeinplätzen besser gewesen, denn es ist, trotz aller Gelassenheit, die herausgearbeitete Unsicherheit, die wohl nicht für alle, aber viele typisch ist. Fast, das bleibt leider unerwähnt, gleicht diese der Unsicherheit der heute jungen Generation: Wir müssen uns in der Gegenwart offenbar immer wieder neu erfinden und neu behaupten - im ständigen Hagel omnipräsenter Medien und oberflächlicher Kritik stehend - egal wie alt wir sind. Das Thema kann man aus dem Buch durchaus mitnehmen - und weiter darüber nachdenken.


2007-07-26 Susanne Hagedorn
Text: © Susanne Hagedorn, im Web: www.sh-e.de
Foto Themenbanner: Dr. Elisabeth Kärcher

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