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Buchbesprechung

Giftige Beziehungen

Wenn andere uns krank machen

von Angelika Petrich-Hornetz

Ehe-StreitWas ist noch trauriger, als allein zu sein? Die Antwort ist einfach: Allein in einer Zweier-Beziehung zu leben ist wohl fast das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann, der dachte, er habe einen Partner. Doch viele Menschen harren in komplizierten bis hin zu destruktiven Beziehungen aus, die selten nur eine einfache, leicht zu behebende Ursache haben.

Glücklicherweise gibt es dagegen ein Buch, das bereits vor sechzehn Jahren in Amerika unter dem Titel "Lethal Lovers and Poisonous People" sowie dem Untertitel How to protect your health from relationships that make you sick herauskam. In Deutschland erschien es ein Jahr später: Giftige Beziehungen – wenn andere uns krank machen.

Die Psychologin Dr. Harriet Braiker war schon vor diesem Ratgeber als Autorin bekannt, die eine Warnung an ihre Leser stets so allgemeinverständlich formulieren konnte, dass ihre Bücher keine Panik verursachten, sondern zum aktiven Handeln ermunterten. Hier warnt sie eindringlich vor der weit verbreiteten und aktuell wieder sehr beliebten Meinung , dass es lediglich einer gesunden Ernährung und genügender Bewegung bedürfe, um nicht krank zu werden. Der größte Einfluss auf unsere Gesundheit, so Braiker, gehe indes von anderen Menschen aus, besonders, wenn wir enge Beziehungen zu ihnen pflegen. Diese können positiv, jedoch leider auch sehr negativ ausfallen. Und davon handelt dieses Buch.

Darin nimmt die Liebesbeziehung einen großen Raum ein. Doch es werden auch weitere Beziehungsgeflechte untersucht, die vergiftet sein können, zum Beispiel Arbeitsbeziehungen - zum Chef, zu Geschäftspartnern oder zu Kollegen – lange bevor der Ausdruck Mobbing in aller Munde war

Der erste Teil des Buches handelt von der Problem-Erkennung. Mit Beispielen aus der Praxis werden dem Leser kranke Beziehungen vorgestellt. Da wird eine Frau von ihrem Partner wiederholt betrogen – was bei der Betrogenen unterdrückte Wut, Hilflosigkeit, Depressionen sowie eine Erkältung nach der anderen hervorruft. Da ist ein Vizepräsident, dessen sechsstelliges Jahresgehalt ihn nicht davor rettet, von seinem zu Wutanfällen neigenden Chef wie ein Leibeigener behandelt zu werden - und möglicherweise im Zusammenhang mit chronischen Kopfschmerzen steht.

Braiker definiert die Stadien der Abwärtsspirale, die in den so verschiedenen destruktiven Beziehungen immer gleich ablaufen: zunächst Hilflosigkeit, Angst, gefolgt von Feindseligkeit, dann Frustration, schließlich Zynismus, Verlust der Selbstachtung und am Ende Hoffnungslosigkeit. Wer sich dieser Hoffnungslosigkeit hingibt, und damit sich selbst aufgibt, lebt sehr gefährlich, so die Autorin. Braiker beschreibt einzelne und andauernde Konflikte, Abhängigkeiten sowie verhängnisvolle Persönlichkeiten, die jenen interpersonellen Stress verursachen, der die Abwärtsspirale einer destruktiven Beziehung in Gang setzt oder einfacher ausgedrückt - der einem das Leben zur Hölle machen kann.

Nach der Problemerkennung widmet sich der Ratgeber im zweiten Teil der Problemlösung noch direkter an die Leser als Opfer solcher Beziehungen. Dabei macht die Autorin klar, dass sie nichts von dem Versuch hält einen destruktiven Partner ändern zu wollen. Braiker setzt auf Techniken, um Beziehungen zu entgiften und sich selbst vor negativen Einflüssen anderer zu schützen. Dazu gehört allerdings auch eine konsequente Trennung, wenn eine für einen oder beide Partner gesundheitsschädliche oder gar lebensgefährliche Beziehung nicht mehr zu retten ist.

Falls jedoch der Versuch von nichts geringerem als einer kompletten Umstrukturierung und damit eines Neuaufbaus einer alten, klinisch toten Beziehung sinnvoll sein kann, müssen positive Emotionen hinein. Dafür, so erfährt der ratsuchende Leser, muss das Gift in der Beziehung abgeschwächt und abgebaut werden. An erster Stelle jedoch steht immer die schwere und einsame Entscheidung, ob sich die Mühe lohnt, denn der fortlaufende Prozess verlangt viel Geduld und Ausdauer. Er wird definitiv in Arbeit ausarten, und an der sind nicht immer zwei Personen gleichermaßen beteiligt.

Die Lektüre des zweiten Kapitels gibt eine Vorschau über alle Gegenmittel, Werkzeuge und Techniken, somit darüber, wie es anstrengend es werden wird, und erleichtert damit unter anderem auch diese schwere Entscheidung, die für die meisten Betroffenen, die am Wendepunkt einer Beziehung stehen, ob familiär oder beruflich, den weitaus größeren Stress verursachen, als alles, was danach noch folgen soll: Umstrukturierung und Neuaufbau oder Trennung.

Was Braiker vor vielen Jahren über den Zusammenhang zwischen Psyche und körperlichen Beschwerden erkannt, beschrieben und benannt hat, wurde im Lauf der Zeit von verschiedenen Fachrichtungen bestätigt, vertieft und präzisiert, einiges wurde auch korrigiert, manchmal auch das Rad nur neu erfunden. Als Information zum Neuesten aus der Wissenschaft ist das Buch nicht geeignet, aber es ist ein mutmachender, anwendbarer Ratgeber für akut und chronisch Beziehungsgeschädigte und diejenigen, die es gar nicht erst werden wollen.

Der Ratgeber nimmt die Menschen, insbesondere die in destruktiven Beziehungen leben, arbeiten und leiden sehr ernst - so ernst wie kaum ein anderes Buch. Es geht nicht um den Gewinn von lediglich etwas mehr Lebensqualität, um ein paar neue Lebenserfahrungen oder um etwas weniger Stress und ein bisschen mehr Spaß – sondern bierernst um Leib und Leben. Die Autorin ermutigt ihre Leser zur Bewusstwerdung, wie überlebenswichtig die Qualität ihrer Beziehungen werden kann. Sie entwirrt gleich mehrere Beziehungskriegsschauplätze und deren Protagonisten. Sie warnt vor der ernsten Gefahr, in destruktiven Beziehungen so lange bewegungslos auszuharren, bis man den Glauben an sich und alle anderen verloren hat. Und schließlich lässt das Buch den Leser mit der erhellenden Erkenntnis zurück, dass nur derjenige, der sich selbst und seine Motive sehr gut kennt, befähigt ist eine erfüllende Liebesbeziehung zu leben.

Giftige Beziehungen
Wenn andere uns krank machen
von Harriet Braiker
Fischer Taschenbuch

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2008-04-15 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Foto Banner: © Ines Kistenbrügger, aph

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