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Rauchfrei

von Anne Siebertz

Ja, ja, die Zeiten haben sich geändert. Früher galt Rauchen als schick und angesagt, wer rauchte war dabei, gehörte „zur Szene“. Raucher waren die gelasseneren unter den Mitbürgern, fanden sie doch immer genügend Muße für eine kleine Auszeit unter Gleichgesinnten. Die Zigarettenpackung cool hingehalten eröffnete so manchem den ersten Schritt zur Kommunikation. Das ungesagte „oh, danke, ich nehme gerne eine“ war Sinnbild wortloser Verständigung und hieß nichts anderes als „ich bin dabei, wir ticken auf der selben Wellenlänge“. Einige Momente stand man stumm rauchend nebeneinander, dann konnte das Gespräch beginnen. Der Fuß war in der Tür.

Ganz anders heute. Alles fing damit an, dass das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen untersagt wurde. Demonstrativ hängt seitdem etwa an allen Einrichtungen der Kölner Uniklinik ein Schild: „Rauchfreies Klinikum“. Da weiß man Bescheid. Seit gut zwei Jahren findet nun in Deutschland auch ein geballter Angriff auf die Kneipen statt. So schwenkt das Ansehen der Raucher plötzlich um von cool und angesagt auf ‚am Rande des Legalen, mutig, kämpferisch‘ und dergleichen.

Nimmt man nun einmal den Nichtraucher in den Blick, so gewinnt er, der ewig durch den Nikotindunst eingeschränkte, nun mehr und mehr an Freiheit. Tränende Augen, Husten, stinkende Klamotten nach einem Kneipenbesuch – all das gehört der Vergangenheit an. Dennoch, man hatte sich so daran gewöhnt, dass man die Rauchschwaden gar nicht mehr bemerkte. Erst allmählich kommt es an, dass nun in den Kneipen ein ganz anderes Lüftchen weht.

Zigarette im AschenbecherGestern zum Beispiel war ich in einem hippen Kölner Lokal zum vergnüglichen Tapas-Essen eingeladen. Natürlich hatte ich meinen Lieblingspulli an. Da wir zu mehreren waren, fiel mir gar nicht auf, dass meine Tischnachbarin mehrmals verschwand und nach ein paar Minuten wieder auftauchte. Erst beim dritten Mal begriff ich, dass sie zum Rauchen tatsächlich nach draußen ging. Bei mir klickte es immer noch nicht. Der Groschen fiel erst heute Morgen, als ich den Lieblingspulli da liegen sah. Er roch nach, nach ... irgendwie nach nichts! Wow, ich konnte ihn trotz Kneipenbesuch noch einmal anziehen! Was für eine Freiheit! Liebe Raucher, tut mir leid um euch, jetzt sind wir Nichtraucher am Zug. Wie wir das mit der galanten Gesprächsanbahnung hinkriegen, müssen wir allerdings erst noch lernen. Vielleicht ein paar Bonbons anbieten? Ach nee, die sind ja nicht zuckerfrei ...


2008-09-10 Anne Siebertz
Text: © Anne Siebertz
Fotos: ©Asrid Wehling

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