Wirtschaftswetter Online-Zeitschrift        Wirtschaftswetter-Schwerpunktthema - Haus-Party

Interview - Parteien der Bundestagswahl 2021 - DIE LINKE


Die Hälfte der Wähler*innen auch bei der nächsten Bundestagswahl sind weiblich. Zudem werden dieses Jahr wieder viele junge Erwachsene, darunter Studierende und Auszubildende als Erstwähler sowie bisherige Nichtwähler*innen unter 30 und junge Eltern an die Urnen schreiten. Sie bilden zusammen eine große Wählerschaft ab, deren Anliegen in der Pandemie zu selten gefragt waren. Folglich nahmen sie sich in den vergangenen eineinhalb Jahren zum Teil als mehr oder weniger schlecht vertreten wahr. Wir fragten die Parteien darum ganz direkt, warum Frauen und junge Erwachsene im Jahr 2021 gerade sie wählen sollten.

Für die DIE LINKE im Wahlinterview: Cornelia Möhring, MdB, Stellvertretende Vorsitzende und Frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE


Wirtschaftswetter: Welche frauenpolitischen Themen haben Sie zur Bundestagswahl auf Ihrer Agenda, welche davon möchten Sie nach der Wahl auch unbedingt umsetzen, oder einfach gefragt: Warum sollten Frauen am 26. September 2021 Ihre Partei wählen?


Möhring, DIE LINKE: DIE LINKE. versteht sich von Grund auf als feministische Partei. Wir wollen ein gutes Leben für alle, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Noch sind wir davon aber weit entfernt. Daher fordern wir: Eine grundlegende Aufwertung privater und professioneller Sorgearbeit, ausreichend Hilfen und besseren Schutz angesichts zunehmender Gewalt gegen Frauen, reproduktive Gerechtigkeit - das heißt Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen, mehr Einsatz für Frauengesundheit, selbstverständliche Unterstützung für Familien, Alleinerziehende und sozial Benachteiligte. Wir stehen an der Seite von besonders schutzbedürftigen Gruppen wie geflüchtete oder wohnungslose Frauen. Bei sämtlichen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen, wie beispielweise die Bewältigung der Corona-Krise und ihrer Folgen müssen die Auswirkungen auf Frauen und marginalisierte Gruppen, sowie Fürsorge, Nachhaltigkeit und Gesundheit ins Zentrum gestellt werden.

Wir kämpfen außerdem für Parität in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. In all diesen Bereichen sind Frauen noch immer massiv unterrepräsentiert. Um das zu ändern fordern wir eine Frauenquote in Führungspositionen von 50 Prozent und eine stärkere Teilung von Führungsaufgaben und -positionen durch Jobsharing oder andere Arbeitsmodelle. Bei uns selbst haben wir bereits eine solche Quote: Mindestens die Hälfte unserer Kandidat:innen ist weiblich, wir haben ein quotiertes Spitzenkandidat:innen-Team und als Partei sogar eine weibliche Doppelspitze.


Wirtschaftswetter: Wie sieht es mit der Jugend aus, die über ein Jahr Hybrid- und Home-Schooling, Online-Studium, ausgefallene Praktika, abgesagte Ausbildungsplätze, null Studentenjobs hinter sich hat - oder kaum eine Kindertagesstätte mehr von innen gesehen hat: Warum sollten Erstwähler, junge Erwachsene und junge Eltern gerade jetzt für DIE LINKE stimmen?


Möhring, DIE LINKE: Wir wollen eine Politik auf Augenhöhe. Junge Menschen sollen selbstverantwortlich handelnde Bürger:innen werden. Dafür wollen wir einen Paradigmenwechsel in der Jugendpolitik: weg von Fremdbestimmung und Restriktion, hin zu mehr Selbst- und Mitbestimmung. Deshalb setzt sich DIE LINKE unter anderem für eine Absenkung des Wahlalters in allen demokratischen Entscheidungsprozessen auf europäischer, Bundes-, Länder- und Kommunalebene auf 14 Jahre und für die Stärkung der Mitbestimmung von Auszubildenden ein, indem ihre Mitwirkung in den Personalvertretungen garantiert werden soll.

Junge Menschen waren von der Krise besonders betroffen. Durch die Schulschließungen sind die Lernzeitverluste bei Kindern und Jugendlichen massiv. Schulkinder haben nicht die gleiche Unterstützung durch ihre Lehrkräfte erhalten wie im traditionellen Präsenzunterricht. Dies hat insbesondere auf diejenigen Schüler:innen verheerende Auswirkungen, deren Lernsituation zuhause suboptimal ist. Wir LINKE haben von Anfang an gefordert, dass der Fokus auf die Schwächsten gelegt werden muss. Sie dürfen nicht allein gelassen werden.
Die soziale Ungleichheit in der Bildung darf durch die Coronapandemie nicht noch weiter verschärft werden. Deshalb müssen Schulen krisensichere Orte werden. Dazu gehören Luftfilter ebenso wie mehr Unterrichtsräume für kleinere Lerngruppen, mehr Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte.
Wir wollen, dass jedes Kind/, jede/r Schüler:in einen Laptop und Zugang zu einem Drucker und Internet als Teil der Bildungsausstattung zur Verfügung hat. Schulsozialarbeit muss ein fester Bestandteil von schulischer Arbeit werden – an jeder Schule und dauerhaft. Dafür muss sie im Jugendhilferecht als Regelaufgabe verankert werden. Durch ein Programm zur Schulsozialarbeit soll der Einsatz mindestens einer Fachkraft für Schulsozialarbeit je 150 Schüler:innen garantiert werden.

Für junge Eltern und Menschen die ein Leben mit Kindern noch vor sich haben, fordern wir: 12 Monate Elternzeit pro Elternteil, ein Recht auf vorübergehende Arbeitszeitreduzierung und ein Recht auf familienfreundliche Arbeitszeiten.

Wir stehen für eine Politik, die an die Lebenslagen, die Lebenswelt und an die Bedürfnisse junger Menschen anknüpft. DIE LINKE setzt sich zudem konsequent für mehr Bildungsgerechtigkeit ein, für ein Schulsystem und Familienpolitik, die niemanden zurücklässt- auch nicht in der Krise.


Wirtschaftswetter: Frau Möhring, wir danken Ihnen für Ihre Stellungnahmen.


Anm. d. Red.: Insgesamt werden voraussichtlich 47 Parteien bei der Bundestagswahl 2021 vertreten sein, die wir aus rein zeitlichen Gründen nicht alle persönlich anzufragen schaffen. Sollten Sie sich als Vertreter einer der zur Wahl stehenden Parteien durch unsere Fragen angesprochen fühlen, laden wir Sie hiermit herzlich ein, diese ebenfalls öffentlich zu beantworten und den Leserinnen und Lesern Ihre Ziele und Positionen im Kurzinterview zu schildern. Bitte senden Sie Ihre Antworten per E-Mail an: info@wirtschaftswetter.de


2021-07-28, Angelika Petrich-Hornetz, Wirtschaftswetter
Text: ©Angelika Petrich-Hornetz für Wirtschaftswetter und Cornelia Möhring für die DIE LINKE
Foto + Banner: ©Angelika Petrich-Hornetz

Infos zu Datenschutz + Cookies

zurück zu: Themen

zurück zu: Startseite

wirtschaftswetter.de
© 2003-2021 Wirtschaftswetter® Online-Zeitschrift