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Zwischen den Jahren

Die Nachbereitung des Weihnachtsfestes in städtischer Hektik

von Adelheid Salitz-Schatten 

Na, haben Sie "ihn" im vergangenen Jahr auch wieder hinter sich gebracht?

Weihnachtsnachrausch in den InnenstädtenWie bitte? – Sie wissen nicht, was der „Zwischen-den-Jahren-Wahnsinn“ ist?!? Waren Sie denn noch nie in den zwischen Weihnachten und Neujahr eingequetschten Tagen – eben den Tagen „zwischen den Jahren“ - in einer Großstadt einkaufen und haben sich geschworen, das nie wieder zu tun?

Na bitte, dann wissen Sie auch, was der „Zwischen-den-Jahren-Wahnsinn“ ist.
Dann brauchen Sie den folgenden Text eigentlich gar nicht mehr zu lesen, denn als Eingeweihter wissen Sie ja bestens Bescheid.

Die wenigen Ahnungslosen allerdings, die über Weihnachten und Neujahr normalerweise fluchtartig das Land verlassen, um dem alljährlichen Weihnachtsbaum-Kaufen, Weihnachtsmarkt-Gedränge, Süß-die-Glocken-klingeln-Generve zu entkommen, oder die Glücklichen, die in einer kleinstädtischen oder gar ländlichen Idylle wohnen, sollten sich die kommenden Ausführungen unbedingt ansehen - damit Sie wissen, was Sie verpassen.

Stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor

Deutschland zwischen dem 27. und 31. Dezember, irgendeine Großstadt, genauer: in der Innenstadt. So weit, so gut.
„Wo ist da der Wahnsinn?“, werden Sie fragen. Nur Geduld, Sie können ihn gar nicht verfehlen!

In einer Innenstadt der ebenso nicht näher bezeichneten Großstadt quellen Straßen und Geschäfte über von Mitbürgern und Mitbürgerinnen,

a)die ihre nicht passenden Weihnachtsgeschenke umtauschen wollen. Nicht passend im Sinne von körperlich: zu groß – zu klein; im Sinne von sinnlich: zu bunt – zu farblos; im Sinne von seelisch: oh Gott, wie hässlich, oder – je nach Größe des Ekelfaktors ("igitt, wie fürchterlich"),

b) die ihre Geschenkgutscheine einlösen möchten. Die sind zwar ein ganzes Jahr gültig, aber man will ja nicht warten,

c) die ein gutes Schnäppchen machen wollen, denn gerade teure elektrische Geräte werden urplötzlich nach Weihnachten spottbillig,

d) die Inventurzeiten ausnutzen möchten, weil in vielen Läden alles für weniger als die Hälfte verkauft wird, damit die Angestellten nicht so viele Waren zählen müssen,

e) die einfach die Weihnachtsferien ihrer Kinder nutzen möchten, um ihnen ein paar neue Sachen zum Anziehen zu kaufen - tolle Idee, wirklich(!),

f) die gern "einmal gemütlich bummeln" wollen - einmal und nie wieder ... ,

g) und mittendrin die Sonst-Woher-Touristen, die sich anlässlich des Herz-Schmerz-Festes Weihnachten endlich die deutsche Gemütlichkeit erleben möchten, s e h r gemütlich, wirklich!

Freie Aufenthaltswahl oder gar „selbstbestimmtes Gehen" sind einfach unmöglich. Sie treiben in der Menschenwoge mit und können nur hoffen, dass das Ziel der anderen zumindest in der gleichen Richtung liegt wie Ihres. Wenn nicht, haben Sie hoffentlich genug Proviant dabei?

Bei der Zusammenstellung des Care-Paketes für den „Zwischen-den-Jahren-Wahnsinn“ sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Speisen und Getränke komplikationslos auch während des Gehens verzehrt werden können; es ist nämlich eher Zufall - die Wahrscheinlichkeit ist ähnlich wie ein Sechser im Lotto -, dass Sie nahe genug an einer Sitzgelegenheit vorbeigeschoben werden, die auch noch unbesetzt ist.

Die Straßen quellen über, so dass Sie kaum mal einen Blick auf die Auslagen werfen können. Die Gänge in den Geschäften platzen aus allen Nähten, und beim Durchquetschen ist Ihnen gerade Ihre neue Jacke – das einzige Geschenk, das Ihnen wirklich passt und gefällt – aus der Naht gerissen, weil Sie irgendwo hängen geblieben sind.

Und dann nehmen Sie sich vor, es nächstes Jahr anders zu machen, dem Geschenke-Terror abzuschwören und ganz bestimmt nicht wieder auf den „Zwischen-den-Jahren-Wahnsinn“ hereinzufallen.

Und wetten, dass es nächstes Jahr wieder ganz genauso abläuft wie dieses, letztes und vorletztes Jahr?
Ist das nicht Wahnsinn?

2004-09-15 by Adelheid Salitz-Schatten

Text: ©Adelheid Salitz-SChatten
Fotos: ©Ines Kistenbrügger

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