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Das wahre Risiko einer Pandemie

von Dr. Elisabeth Kärcher

Menschen-AnsammlungBakterien und Viren haben schon lange vor den Menschen existiert. Und vermutlich werden sie uns eines Tages überleben. Die Jahrmillionen dazwischen haben bereits jetzt jede Form der Auseinandersetzung demonstriert: von symbiotischen Beziehungen wie bei den Darmbakterien über tolerante Koexistenz mit unschädlichen Hautbakterien bis zu den für den Menschen verheerenden Seuchen.

Die großen Seuchen der Menschheitsgeschichte haben ihren eigenen Platz in unseren Aufzeichnungen und unserer Kultur- und Rechtsgeschichte gefunden. Beispiele sind Modetrends wie Perücken und Halskrausen als Folge der Syphilis, den Aufbau des öffentlichen Gesundheitswesens als Folge der Cholera und der Totentanz sowie die Schützenvereine als Folge der Pest.

Regional begrenzte Seuchen (Epidemien) und weltumspannende Seuchen (Pandemien) haben uns auch im vergangenen Jahrhundert beeinflusst. Die so genannte "Spanische Grippe" schlug - weltweit gesehen - heftiger zu als der vorangegangene erste Weltkrieg. Als Folge entstand eine einmalige internationale Kooperation zur Überwachung und Bekämpfung von Seuchen. Diese funktioniert mittlerweile so gut, dass Pocken, Pest und Polio Schrecken der Vergangenheit sind.

Das bedeutet nicht, dass Pandemien nie wieder geschehen werden. Im Gegenteil: Eine Influenzapandemie ist heute wahrscheinlicher als in den letzten Jahren. Aber wir sind dagegen besser gerüstet denn je, denn wir haben den Zeitvorteil auf unserer Seite: Wir werden nicht mehr überrascht, wir können uns vorbereiten. Und daran wird intensiv und überlegt auf vielen Ebenen gearbeitet.

In unserem kulturellen Gedächtnis sind jedoch die Schrecken der Vergangenheit lebendig geblieben. Und hieraus speist sich, gepaart mit der Marktschreierei mancher Medien und egozentrischen Versorgungsansprüchen mancher Bürger eine Gefahr, die auch heute noch eine Pandemie zu einer fürchterlichen Erfahrung werden lassen könnte: die Massenpanik.

Ich frage Sie:
- Wenn jeder vierte Mensch in Ihrer Straße schwer krank ist, aber ein Krankenwagen gleichzeitig nur maximal zwei Menschen befördern kann, würden die anderen Bewohner ihn unbehindert fahren lassen?
- Wenn absehbar ist, dass viele Menschen einige Wochen zu Hause bleiben müssten, wie viele würden Hamstereinkäufe tätigen, und wie viele ihre Vorräte mit anderen teilen?
- Wie würden Menschen in einem Flugzeug reagieren, wenn - bei einer bestehenden Influenzapandemie – plötzlich ein Passagier heftig zu niesen und zu husten anfängt?
- Wie reagieren diejenigen, die an zweiter oder dritter Stelle Impfstoff erhalten und nicht an erster Stelle - selbst dann, wenn die Verteilung für die gesamte Bevölkerung Sinn macht, damit zum Beispiel das Funktionieren von Krankenhäusern und öffentlicher Ordnung nicht zusammenbricht?

Wer immer im 21. Jahrhundert in Deutschland oder anderswo einen Pandemieplan erarbeitet, - Seuchenexperten, öffentliche Behörden oder Unternehmen, - sie alle müssen sich nicht nur Gedanken machen, wie sie mit der Seuche umgehen, sondern auch, wie sie eine Panik vermeiden oder zumindest eindämmen. Denn auf manche Kapitel kann unsere Menschheitsgeschichte gut verzichten.

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2006-03-31 by Dr. Elisabeth Kärcher
Text: © Elisabeth Kärcher
Foto © aph

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