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Kanada: Abenteuer Auswandern III

Auf dem Weg nach Whitehorse - God's Country

von Joy Fraser

Da wären noch die landschaftlichen Reize zu erwähnen. Die Gegend um Whitehorse besticht durch einen Überfluss an Bergen, Wäldern und malerischen Seen, als hätte Gott hier das Schöpfen geübt. Nicht umsonst nennen die Kanadier ihr Land "God's country".

Ansicht auf den Fishlake Zehn Minuten hinter der Stadt Richtung Alaska geht es rechts ab in die Wälder, die sich unbewohnt viele Tagesreisen weit bis zum Nordpol erstrecken. Über einen ausgefahrenen Feldweg erreichten wir einen großen See, den Fishlake.
Kein einziger Mensch störte die Ruhe. Der See war spiegelglatt und schimmerte von blau bis dunkelgrün. Dahinter ragten die Rocky Mountains zerknittert auf, als hätte jemand eine riesige weiße Bettdecke zusammengeschoben. Ganz das Postenkartenpanorama. Ab Mitte September ist der Sommer in den Bergen vorbei, und sie geben sich weiß bepudert wie ein Christstollen.

Weiter weg vom Wasser, wo man die zart plätschernden Wellen nicht mehr hören konnte, störte nicht ein Geräusch die Landschaft, die wie ein überdimensionales 3-d-Gemälde vor uns lag. Stille. Absolute Stille, die nur ab und zu durch ein sich über uns beschwerendes Eichhörnchen unterbrochen wurde.
Läuft man um einen solchen See herum, gerät man leicht tiefer ins Dickicht, wo Stille neu definiert wird. Es ist als ob sogar die Vögel den Atem anhalten. Ich folgte dem inneren Zwang etwas zu sagen, um ganz sicher sein zu können nicht plötzlich taub geworden zu sein. Mein Mann erschreckte uns plötzlich zu Tode mit der Bemerkung nicht allein herumzustöbern, denn das könne einen Bären stören! Das war alles, was ich hören musste. Ich machte mich sofort auf den Weg zurück zum Auto. Es war so still, dass jedes Knacken von uns für einen Bären gehalten wurde.

Natur hatte ich bisher immer mit Leben in Verbindung gebracht. Vogelstimmen, rauschende Bäume, Waldgeräusche, Zirpen, plätschernde Bäche. All das findet man in einem deutschen Wald. Die kanadischen Wälder aber sind still. Erschreckend still. Panisch still. Unheimlich still. Wie wird sich dieses Nichts erst anhören wenn die Landschaft unter einer Geräusch dämpfenden Schneedecke begraben ist?
Ich wurde jetzt nur noch von einem Gedanken getrieben: Flucht!
Mein Mann, ein gestandener Kanadier und "tree hugger" (Bäumeumarmer), fühlte sich hingegen pudelwohl. Er war froh dem überlauten, viel zu dicht bevölkerten Deutschland entkommen zu sein, während ich dachte, ich befinde mich plötzlich auf einem anderen Planeten. Meine 16 jährige Tochter drückte sich altersgemäß aus und fand es einfach nur "cool".
Verdammt, ich konnte das Blut durch meine Adern rauschen hören! So eine Stille erschien mir unnatürlich. Als hätte eine Neutronenbombe alles Leben ausgelöscht und es gab nur noch uns auf Erden, mutterseelenallein ... obwohl, nicht ganz allein, sondern inmitten uns beobachtender lauernder hungriger Bären.
Vielleicht habe ich zu viele Horrorfilme gesehen? Ich fühlte mich nicht wohl und war froh, dass es bereits zu frisch war, trotz strahlendem Sonnenschein, um noch länger an diesem unheimlichen Ort zu verweilen.

Wozu wohl stellen die Kanadier alle paar Meter Schilder auf, mit erschreckenden Mitteilungen wie: "Don't forget, you are in Grizzly country!"
Trotzdem wurde mein Mann nicht müde zu behaupten, die Bären hörten uns laute Menschen zuerst und würden flüchten bevor wir sie bemerkten. Ich erinnerte ihn daran, dass uns bei Reisen durch Westkanada zwei Bären frontal vors Auto gelaufen waren, in einer weit dichter bevölkerten Gegend, wo die Bären die Menschen riechen konnten und hören und rechtzeitig hätten weglaufen können.
Hören Bären keine Autos? Klar tun sie das, sind aber trotzdem nicht geflüchtet. Die Theorie meines Mannes überzeugte mich nicht. Ein Bär hier draußen wäre wahrscheinlich genauso überrascht uns zu sehen wie wir ihn, was ihn zu panischen Reaktionen veranlassen könnte. Mit Sicherheit würde es mich zu panischen Reaktionen veranlassen. Außerdem kommen Bären manchmal sogar in die Städte, auch wenn das Ausnahmen sind. Ich wollte aber nicht von einer zwei Meter großen pelzigen Ausnahme gefressen werden.

Nachdem wir die atemberaubend schöne Kulisse verlassen hatten und wieder zu Hause waren, machte ich es mir mit einer Tasse Tee und der Tageszeitung gemütlich.
Der Bericht auf Seite eins interessierte mich besonders. Man hatte einen tagelang vermissten Naturwanderer gefunden. Der Mann war nicht weit von Whitehorse entfernt mit Pfeil und Bogen unterwegs gewesen und nicht zu einem Treffpunkt mit dem Piloten erschienen, der ihn in der Wildnis abgesetzt hatte. Es handelte sich nicht um einen unerfahrenen Touristen, sondern um einen Naturbeobachter, der schon in den Weiten Sibiriens übernachtet hatte und Berichte über Naturwunder und die Tierwelt rund um den Planeten verfasste. Ein Mann also, der sich in der Wildnis auskannte. Aus Überzeugung hatte er keine Schusswaffe dabei, nur seinen armbrustähnlichen Bogen, zur eventuellen Selbstverteidigung und nicht etwa zum Jagen.
Nun hatte man ihn gefunden, obwohl man noch nicht ganz sicher war, denn die zahntechnische Untersuchung war noch nicht abgeschlossen. Das sagt mir, in welchem Zustand sich seine Überreste befanden. Man rekonstruierte den Hergang. Der Mann hatte am Feuer auf seinem Rucksack gesessen, als ihn ein Grizzly von hinten schnappte, ins Dickicht zog, und ihn verspeiste. Es gab keine Spuren eines Kampfes, und der Bogen hatte unbenutzt an einem Baum gelehnt. Es war höchstwahrscheinlich alles viel zu schnell gegangen um dem Mann eine Reaktionszeit zu lassen.

Mein Mann schüttelte nur den Kopf. Er hatte den Artikel vor mir verbergen wollen, denn das sei eine absolute Ausnahme und solle mich nicht davon abbringen im Wald spazieren zu gehen. Der Mann habe sicher einen entscheidenden Fehler gemacht, und man müsse sich eben ganz genau auskennen, in der Wildnis. Er selbst habe schon immer im Freien gecampt, seine ganze Jugend hindurch, und schließlich auch überlebt. Man habe ihn beim Militär-Überlebenstraining für drei Tage mit fast nichts in der tiefsten Wildnis abgesetzt, und er habe keinen einzigen Bären gesehen.

Nennen Sie mich einen Feigling. Eine maßlose Übertreiberein. Naiv. Überspannt. Damit kann ich leben. Campen in kanadischen Wäldern mag verlockend und abenteuerlich klingen, aber ich bevorzuge ein Haus, ein weiches Bett, und keine haarigen Monster um mich, die mich mit ihrem Frühstück verwechseln.
Als Europäerin mit einem Kanadier verheiratet zu sein, bedeutet ohnehin schon mit vielem fertig zu werden. Es gibt mehr Kulturunterschiede als ich zuzugeben bereit war. Aber in die Wildnis wird mein "tree hugger" mich nicht bekommen, so viel steht fest. Nur unter Sichtweite des Autos - möglichst mit laufendem Motor.

Dreißigtausend Menschen teilen sich den Yukon mit zehntausend Braunbären und siebentausend Grizzlys. Dieses Verhältnis klingt beunruhigend. Während der Braunbär meist in den Wäldern bleibt, und man ihn nur an Straßenrändern sieht, wenn er durch duftende Gräser und Blüten oder durch Grillfeuer und Abfall von Touristen angelockt wurde, bevorzugt der Grizzly die offene Tundra und die Flussufer. Gemeinsam decken sie die Möglichkeiten ihnen zu begegnen ab und sorgen somit dafür, dass man nirgends vor ihnen sicher ist.

Der Braunbär ist ein schneller Lerner wenn es darum geht Nahrung aufzustöbern. Einmal durch Menschenhand gefüttert, wird er sich immer wieder zielstrebig jedem parkenden Auto nähern, in der Hoffnung etwas Fressbares wird aus dem Fenster geworfen. Daher wird dringend davon abgeraten Bären zu füttern. Ein auf diese Weise an Menschen gewöhnter Bär muss getötet werden, denn er holt sich sein Futter nicht auf höfliche Weise. 1994 wurde ein Mann in seinem Auto böse zugerichtet, als er einem Bären etwas zuwerfen wollte.
Ein Braunbär wird um die 82 Kilo schwer, wobei er wesentlich behänder und flinker ist als ein Mensch. Grizzlys werden sogar 175 Kilo schwer. Sie sind dafür bekannt gelegentlich einen Braunbären zu verspeisen, ernähren sich aber normalerweise von Pflanzen und Kleintieren. Ein Mensch ist als leckere Abwechslung im Speiseplan stets beliebt.

Mutige Touristen können sich dennoch Touren anschließen, die sich zu Beobachtungszwecken dicht an Bären in freier Wildbahn herantrauen. Es gibt unzählige Broschüren und Informationen über sicheres Verhalten in Gegenwart von Bären. Ich selbst hatte allerdings kein Verlangen danach, war ich doch genug damit beschäftigt mir die fremdartigen Riten der Menschen meiner neuen Umgebung anzusehen.

Wenn man sich mit einer anderen Kultur beschäftigt fallen einem ständig Dinge auf, die man nicht für möglich gehalten hätte.
Vergleichen wir Kanada mit Deutschland, sollte man meinen die Unterschiede seien gar nicht so groß. Immerhin wurde Kanada von Briten und anderen Europäern bevölkert. Chinesen haben zu Goldrauschzeiten zwar Einflüsse hinterlassen, aber nicht so krass wie die Europäer. Was also machen die Kanadier anders als wir?
Die schlechten Lebensbedingungen der ersten Siedler prägten das Leben, die Sitten und Gebräuche. Da es keine befestigten Straßen gab, musste man mit schmutzigen Schuhen herumlaufen, was die damaligen Hausfrauen verstimmte. Es wurde üblich, die Schuhe auszuziehen, bevor man ins Haus eintritt. Noch heute möchte sich niemand mit einer verstimmten Hausfrau anlegen, daher wird es noch immer so gehandhabt.
Wird man von einer Familie oder Freunden eingeladen, zieht man seine Schuhe ebenfalls aus, komme was da wolle, selbst wenn es sich nur um Riemchensandalen handelt. Und im Winter nimmt man seine Hausschuhe mit.
Ein Freund erwähnte in einem Gespräch sein Erstaunen darüber, dass in amerikanischen Filmen niemand je seine Schuhe auszieht. Er fragte uns wie die Deutschen es handhaben, und war ehrlich überrascht zu erfahren, dass auch in Deutschland kein zwanghaftes Schuheausziehen existiert. Es muss sich hierbei um ein kanadisches Ritual handeln.

Ebenfalls aus der Zeit der Siedler stammt der "bulk"-Einkauf. Es bedeutet einkaufen in großen Gebinden. Damals fuhr man nicht jeden Tag oft kilometerweit mit der Kutsche zum Händler, sondern kaufte das Mehl und den Zucker im 25 Kilo Sack. Zwar gibt es keine Kutschen mehr, aber die großen Säcke sind geblieben, und um einiges billiger als kleine.
Es gibt z.B. Knabberbrezeln im 2,5 Kilo Pack, meterlange Wattepadstüten, Kartoffelchipstüten in der Größe eines Kleinkindes, 5-Liter-Milcheiseimer, 4-Liter-Milchkanister, Toastbrotscheibentüten so lang wie mein Arm, Käseleibe ebenso lang, Hundefutter im 50-Kilo-Sack, Großverbraucher Ketchupeimer, 1,3 Kilo Frühstückscerialien, 2 Kilo Nudeln, 4-Liter-Shampoo oder Weichspüler und so weiter. Es gibt kaum ein Ende dieser Liste. Fast alles ist in Riesengrößen zu haben. Nur Bier nicht.

Alkohol ist das Verderben, behaupteten die Gründerväter. Nur der spezielle Laden, der "liquer store" hat die Lizenz zum Alkohol. Alles darin befindliche ist überteuert, was des Staates Taschen füllt. Da Alkohol mit Misstrauen begegnet wird, und das öffentliche Mitführen von Alkoholischem verboten ist, wird die Flasche Jamaica-Rum in eine braune Obdachlosentüte gepackt. Auf diese Weise kann jeder meilenweit erkennen, dass man ein dem Teufel Alkohol verfallener Sünder ist und gerade neuen Stoff gekauft hat.
Man wird ein bisschen an den mittelalterlichen Pranger erinnert, lacht darüber und fühlt doch den Stich eines schlechten Gewissens, wenn man den Laden verlässt. So muss sich ein Nackter im "FKK verboten" Bereich fühlen.

Bier kommt im Sechserpack, oder im gierigen 24 Flaschen-Karton, und muss sofort im Kofferraum verschwinden. Im Wageninneren darf es nicht geöffnet werden. Auch darf man nicht mit einer offenen Bierdose auf die Straße gehen. Alkohol ist ein Tabu, eine potentielle Gefahr für redliche Bürger, ähnlich wie nackte Brüste auf Werbeplakaten oder Zeitungen.
Denn die öffentliche Moral muss aufrecht erhalten werden. Es gibt auch keine gemischten Saunas, und 16 jährige Schüler finden den Aufklärungsunterricht eklig. Bald werden sie als erwachsen aus der Schule entlassen, mit der anerzogenen Einstellung Sex sei etwas schmutziges und ein notwendiges Übel, um sich fortzupflanzen. Mitteleuropäer begegnen dem mit Unverständnis, während Kanadier den Kopf schütteln und in ungläubiges Staunen verfallen, wenn sie ausländischen Gastschülern über die Zustände in Europa lauschen. Europa ist sexbesessen und total verkommen. Sodom und Gomorrah! Es raucht, trinkt und liebt sich zu Tode.

Nicht, dass in Kanada nicht auch geraucht wird. Meist beim Autofahren, an der Straßenecke und vor den Hintereingängen der Büros. Eine amüsante und nicht ganz ernst zu nehmende Statistik zeigt, dass Nordamerikaner nicht mehr am Rauchen sterben. Sie erfrieren auf den Balkonen. Besonders im Yukon bedeutet das verlustreiche Winter.
Was aus Europa über den großen Teich schwappt ist oft verwirrend für Nordamerikaner. Man glaubt zu wissen alle Deutschen laufen in Lederhosen herum. Sie trinken den ganzen Tag Bier, haben ständig Urlaub, fahren tolle Autos, sind technisch weiter entwickelt als die menschliche Rasse selbst und haben genauso viel Platz in ihrem winzigen Land wie die Kanadier.

Eine besonders komische Unterhaltung hatten wir mit einer Schülerin, die fest daran glaubte in Europa sei es erlaubt Fußgänger zu überfahren, wenn sie nicht auf einem Zebrastreifen über die Straße gehen. Ich hatte eher angenommen in Kanada darf man Fußgänger überfahren, denn sie benehmen sich als hätten sie einen sehnlichen Todeswunsch.
Es gibt unzählige Zebrastreifen, und sie werden fleißig benutzt. Doch es ist schwer als Fahrer, die gesamte Straße im Blick zu behalten, denn sie ist meist breiter als eine 4-spurige Autobahn. Bei geschlossener Schneedecke sind Zebrastreifen unsichtbar, und dann wird es erst richtig spannend:

Fußgänger interessieren sich für solche Probleme nicht. Sie denken sie befinden sich im Recht, denn sie laufen nicht einfach quer durch die Autos, was verboten ist, sondern befinden sich auf einem rechtmäßigen Fußgängerübergang. Der Überraschungseffekt ist jedoch gelungen, wenn sie plötzlich und ohne zu zögern losrennen - mitten im dicksten Verkehr, ohne vorher die Absicht, die Straße zu überqueren, durch stehen bleiben und nach rechts und links schauen kundgetan zu haben.
Als Autofahrer muss man die Augen überall haben, sonst überfährt man tatsächlich jemanden.
Dieses gefährliche Verhalten überraschte mich, denn Kanada ist für sein Sicherheitsdenken bekannt. Warnzeichen gibt es praktisch für alles, was eine Gefahr sein könnte. "Achtung, der Inhalt des Kaffeebechers könnte heiß sein", ist das wohl bekannteste.
Auf der Rückseite der Sonnenblende des Autos befindet sich ein hässlicher Aufkleber der sich mit nichts entfernen lässt. Er weist darauf hin, dass der Airbag gefährlich für die Insassen sein könnte. Aufkleber sind generell sehr wiederstandsfähig, besonders in Kochtöpfen.
Vor fast jeder Ampel weist ein Schild auf eine zu erwartende Ampel hin.
Baustellenfahrzeuge machen laute Piepgeräusche beim Rückwärtsfahren, was die Bauarbeiter über die Wochen hinweg in den Wahnsinn treiben muss.
Fußgängerampeln leuchten nicht nur, sie sprechen auch. Sie teilen mit krächzender unpersönlicher Stimme mit, wann es sicher ist zu gehen. Leider gibt es keine solche Stimme an Zebrastreifen ...

Man braucht sich über fast nichts eigene Gedanken zu machen, denn man kann darauf vertrauen, dass stets alles mit einer ausführlichen und verständlichen Anleitung kommt. Sogar wenn es um das Fahren lernen geht.
Mit sechzehn darf man ihn machen, den begehrten Führerschein. Zu diesem Zweck gibt es eine dünne Broschüre, in der man alles findet, was man zum Führen eines Fahrzeuges wissen muss, auch die Eltern, die dem Kind die praktische Seite näher bringen müssen. Die Broschüre kümmert sich zunächst um die Moral des Fahrers. Auf einigen Seiten wird erklärt, warum sich Alkohol und Drogen mit dem Fahren nicht vertragen. Beispiele werden gebracht, von erwischten Personen die sich herausreden wollten. Das Ganze liest sich wie ein Krimi.
Dann geht es um das Auto selbst. Es wird in seiner Funktionalität erklärt. Dem Neuling wird das Fahrzeug anhand von Bildern und Nummern ganz genau erläutert. Hinweise, wie stets den Schulterblick machen, immer die Handbremse anziehen, dürfen dabei nicht fehlen. In diesem Teil der Welt wird auch erklärt, dass bei 50 Grad minus der Wagen nicht so recht anspringen will, was man dagegen machen kann und was man lieber unterlassen sollte.
Verkehrsregeln und Schilderwald werden in dieser kleinen Broschüre auch noch schnell erwähnt, und dann ist der Neuling auch schon bereit für die theoretische Prüfung. Ein Fragebogen wird ausgefüllt, und falls man alles richtig gemacht hat, darf man ab jetzt mit Papas neuem Auto spielen. Papa muss dabei sein, für sechs Monate, falls er solange überlebt.
Danach muss man noch eine kurze praktische Prüfung ablegen und bekommt den Führerschein mit voller Fahrerlaubnis. Das ganze kostet nur ein paar zu vernachlässigende Dollar an Gebühren.

Ich wurde bleich beim :esen, als mir die Bilder meines eigenen Führerscheinlehrgangs in Deutschland in Erinnerung kamen. Ich hatte einen dicken Ordner voller Fragen auswendig zu lernen. Es war überwältigend. Ich lernte monatelang und dachte, ich werde es nie schaffen. Dann kam die praktische Prüfung, die ich mit zitternden Knien überstand. Die Kosten hätten meine Eltern damals beinahe in den Ruin getrieben. Manche Dinge sind einfach ungerecht. Scheinbar traut man den Menschen in Nordamerika das Autofahren eher zu als in Deutschland. Dabei braucht man besonders im Yukon ausgezeichnete Fähigkeiten, wenn Eis und Schnee das Auto in einen wörtlich zu nehmenden Schlitten verwandeln.

Weiterblättern: Kanada: Abenteuer Auswandern, 4 Teil: Es wird Winter

2004-11-07 by Joy Fraser
Text: © all rights reserved Joy Fraser
Fotos: © all rights reserved Joy Fraser
Foto Banner © all rights reserved Cornelia Schaible

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