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Der Zeitungsjunge II

Ein Newsboy als Lesekonsole

von Angelika Petrich-Hornetz

Nothing is good enough, there is always a way to make it better - a way which we must all strive to learn.
Sir Henry Royce

Zeitungsjunge Wir wären kein Online-Magazin, wenn wir unserem Lob auf die Printerzeugnisse nicht etwas hinzufügen würden. Anlass war der World Usability Day am 8. November, der jedes Jahr weltweit Entwickler und Anwender dazu auffordert, sich den Kopf über Dinge, die das Leben einfacher machen zu zerbrechen. Dazu möchten wir gern einen bescheidenen Beitrag leisten.

Wir haben Ihnen - bei aller echten und redlichen Liebe zu auf Papier gedruckten Zeitungen und Magazinen, die anwenderfreundlich sind, weil sie ohne Maus, Tastatur, Fernbedienung und anderes zusätzliches Equipment als zwei Hände und zwei Augen auskommen - eines verschwiegen: Es gibt ein von uns bislang unerwähntes Detail, das vielleicht eine Idee beinhaltet: Wer liest, braucht Licht, gerade die Abend-Leser. Diese hantieren mit ihrer Zeitung und ihrer Leselampe herum, bis sie sich in der gewünschten Lese-Position befinden. Ein Display, ein Bildschirm indes liefert dieses Licht gleich mit. Und darum unser verspäteter Wunsch zum World Usability Day: eine Lesekonsole - zugeschnitten auf die Lese-Bedürfnisse des Zeitungs- und Magazinlesers.

Argument: Immerhin werden für Spieler ständig neue oder verbesserte Spielkonsolen entworfen. Und auch für Telefonierer werden dauernd neue Nutzergeräte entworfen. Ausgerechet für den in Deutschland millionenfach vorhandenen, leidenschaftlichen Leser hingegen gibt es im elektronischen Way of Life indes nur wenig, außer den herkömmlichen Bildchirmen von PCs, Macs und Notebooks. Das wundert, gerade weil Deutschland ein so ausgeprägtes Lese-Land ist. Für Leser werden kaum Extra-Geräte und anwendbare, auf die Zielgruppe genau abgestimmten Bildschirme entworfen. Warum eigentlich nicht?

Als die Hörbücher noch in den Kinderschuhen dümpelten, fragten wir uns vor ein paar Jahren auch schon einmal genauso ernsthaft, warum das Hören von Literatur, Informationen und Nachrichten ausgerechnet im Computerzeitalter vorwiegend auf das nach wie vor gute, alte Radio beschränkt bleiben sollte. Inzwischen genießen immer mehr Überzeugte sowohl Arien auf der Autobahn alsdort auch vorgelesene Welt- und Managementliteratur oder auf dem heimischen Sofa, und nicht zuletzt diejenigen, die durch ein Handicap am Lesen gehindert werden. Nicht wenige Menschen verschenken auch gern eine Hörausstattung, wie einen mobilen CD-Player und entsprechende Hörbücher.

Und was schenkt man nun einem passionniertem Zeitungsleser zu Weihnachten? Ganz genau, den Newsboy, die Zeitungskonsole, oder besser gesagt, den digitalen Leserahmen (DLR), wenn's den denn nur schon geben würde. Der Abbau von Funktionen auf das ausdrücklich Gesuchte, die Konzentrierung von Notwendigem mit allem Komfort fällt Entwicklern offenbar schwer, die es seit Jahren gewohnt sind, komplizierte Geräte mit multi-komplexen Funktionen zu entwerfen. Dabei wollen einige Menschen doch nichts anderes als nur lesen.

Unser Wunschzettel:
Ein ultra-flacher, mobiler Lese-Bildschirm, mit einer getesteten, sehr guten, augenfreundlichen Beleuchtung. Der mobile, digitale Leseschirm sollte robust sein und muss liegen, stehen, sitzen können - sozugsagen der digitale Bilderahmen im Tabloid-, Magazin- und Zeitungsformat - mit zur Hardware passenden Inhalten, um die sich die Verlage kümmern können.

Desweiteren wird für's mobile Lesen ohne Maus, ohne Tastatur und auch ohne Fernbedienung (positiv vom TV absetzen) gebraucht: Bedienung per Touchsreen, Verbindung per Funk und möglichst nicht per Kabel. Mobile Leser haben es heute noch schwer: Die meisten Bildschirme der mobilen Endgeräte sind viel zu klein. Man beachte bitte auch den Trend bei TV-Bildschirmen: Die wurden im Gegensatz zu digitalen Bildschirmen immer größer. Die letzten TV-Mini-Bildschirme waren nach einem Boom in den 70er Jahren schnell wieder verschwunden. Und: Für Leser sind zu kleine Bildschirme noch viel schlimmer als für Fernsehzuschauer.

Wer nun ein Modell will, das man mit Tastatur aufrüsten kann, bitteschön. Das dürfte wohl kaum ein Problem sein, wenn man von den Prinzipien der Mass Customization wenigstens schon einmal etwas gehört hat. Und man kann endloses Aufstocken anbieten. Der Newsboy kann damit zum Notebook oder zur Großausgabe des iphones aufgerüstet werden.

Content für so ein Gerät könnte als Abonnement, als kostenlose und mit Werbung bezahlte redaktionelle Inhalte, komplette Zeitungs- oder Magazinausgaben oder auch als Einzelanforderung möglich sein. Bücher würden sich in diese neue Form des Lesens übrigens bestens einfügen. Kluge Konzeptioner dürften sogar auf die Idee kommen, das der Schul- und Universitätenbetrieb unter einem neuen Display auch nicht unbedingt leiden würde. Spart vielleicht tatsächlich eine Menge Papier? Wer liest schon am heimischen PC historische Romane, Dramen oder gar Gedichte? Der Kauf und das Lesen eines E-Books wird dann interessant, wenn es auf gemütlichere Lese-Abende als bislang mögliche schließen lässt. Ilsebill salzte nach verinnerlicht man in halbliegender Position auf einem Chaiselounge einfach besser als mit geradem Rücken auf einem elenden Schreibtischstuhl, so ergonomisch der auch immer ausfallen mag.

Für die Kompatibilität mit dem Klimawandel spricht der Wegfall des Papiers. Contra sprechen der Stromverbrauch und die Entsorgung von Elektro- und Künstoffmüll. Solarzellenbetrieb oder entsprechende Aufladegeräte in umwelt- und anwenderfreundlicher Form sind daher ausdrücklich erwünscht.

Zeitungsjunge Zu Weihnachten darf man sich bekanntlich alles wünschen. Wir sehen der Entwicklung neuer Displays für Gern- und Vielleser daher gelassen entgegen, und den World Usability Day sollte man sich für nächstes Jahr vielleicht rot im Kalender markieren, der zum Leitgedanken Anwendbarkeit eine Menge beiträgt. Wenigstens dort erfährt das Wort des Anwenders und des Verbrauchers bei der Entwicklung neuer Produkte das Gewicht, das diesen gebührt.

+++ Berühmte Zeitungsjungs +++
Lesekonsolen sollte nach den historischen Zeitungsjungs benannt werden, schließlich brachten sie wie keine anderen die Nachrichten zum Leser. Wie wäre es mit Newsboy oder Barney, schließlich war der irische Einwandererjunge Barney Flaherty, der am 4. September 1833 die Sun austrug, der erste öffentlich bekannte Zeitungsjunge. Lesen Sie weiter im dritten Teil:
Lesen Sie weiter: Der Zeitungsjunge III - Berühmte Zeitungsjungs

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2007-11-11 Angelika Petrich-Hornetz
Text: © Angelika Petrich-Hornetz
Illustrationen: ©Angelika Petrich-Hornetz
Foto Themenbanner: ©Cornelia Schaible

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