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Nele Böhm Kolumne

Hartz IV - Die ungeschminkte Wahrheit

VI. Wo kämen wir hin?

von Nele Böhm

Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen? von Kurt Marti

Liebe Leserin, liebe Leser,
ich habe Ihnen eine ganze Menge zugemutet, indem ich meinen Zorn und meinen Kummer über das Leben mit Hartz IV hier offen gemacht habe. Aber dabei soll es nicht bleiben. Zustände ändern sich bekanntlich nicht, nur weil Leute darüber schimpfen.
Ich wünsche mir, dass meine Schilderungen Menschen zum Umdenken bringen. Wenn nur einer von Ihnen nach dem Lesen Empfänger von Sozialleistungen und deren Kinder nicht mehr pauschal verurteilt, dann sind wir schon einen Schritt weiter.
Wenn nur ein Betroffener aus seiner Resignation und dem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit heraus kommt, dann hat diese Kolumne ihren Sinn erfüllt.
Und wenn sich politisch etwas bewegen würde – ja, ich will hoch hinaus! – wäre das ein Segen für unzählige Arbeitslose und Alleinerziehende.
Es kann doch nicht angehen, dass so viele Väter in diesem Land sich vor ihren Unterhaltsverpflichtungen drücken! Dass sie Schulden vorschieben oder ihr Vermögen in Sicherheit bringen. Und nein, das sind keine Einzelfälle. Allein in meinem Bekanntenkreis finden sich fünf Fälle. Das sind fünf zu viel!
Es kann auch nicht sein, dass die Brigitte als größte deutsche Frauenzeitschrift Alleinerziehenden mit ihren (finanziellen) Nöten eine große Plattform zur Verfügung stellt, Tausende von Briefen an unsere Familienministerin weiterleitet, die daraufhin verspricht etwas zu ändern und dann ... so gut wie nichts passiert.
Es kann nicht sein, dass ständig alles teurer wird, die SGB II Regelleistungen aber nicht nach oben korrigiert werden, wie es so schön heißt.
Es kann nicht sein, dass ein reiches Land wie unseres nichts gegen Kinderarmut unternimmt, sondern jegliches Engagement auf soziale Träger oder private Sponsoren abwälzt.
Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen in Deutschland von Sozialleistungen leben. Es gäbe mit Sicherheit Alternativen. Als ein Beispiel sei hier nur die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens von Götz Werner erwähnt.
Vor vielen Jahren habe ich einen Satz gelesen, der mir im Gedächtnis geblieben ist: Wenn jeder Mensch bereit wäre, auch nur ein wenig zu tun, zu leisten, abzugeben von dem, was er hat, dann sähe es auf dieser Welt ganz anders aus.

ZukunftSind Sie dabei? Es gibt so viele Möglichkeiten, etwas zu tun: Helfen Sie ehrenamtlich bei einer der gemeinnützigen Organisationen. Bieten Sie einer alleinerziehenden Mutter an, mal für ein paar Stunden ihre Kinder zu nehmen. Laden Sie Ihren arbeitslosen Nachbarn auf eine Tasse Kaffee ein und reden Sie mit ihm. Engagieren Sie sich für eine frauen- und kinderfreundlichere Politik.
Was ich tun werde: mich weiter gut um meine Kinder kümmern. Weiter schreiben, um Geld zu verdienen. Und nicht mehr verschämt schweigen über das Leben mit Hartz IV.

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2008-12-15 Nele Böhm
Text: © Nele Böhm: nele.boehm@wirtschaftswetter.de
Illustration: ©Angelika Petrich-Hornetz

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